„Kleinvieh macht auch Mist“

VCI nimmt Stellung zum Freihandelsabkommen TTIP

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07.08.2014 „Vorweg eine klare Ansage: Die deutsche Chemie befürwortet das Freihandelsabkommen“, erklärte Karl Ludwig Kley, Präsident des Verbandes der chemischen Industrie (VCI) Anfang Juli diesen Jahres in Frankfurt – und wieso auch nicht?

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Entscheider-Facts Für Betreiber

  • Das Freihandelsabkommen verspricht Vorteile auf beiden Seiten des Atlantiks. Alleine die Chemische Industrie in Deutschland kann nach Berechnungen des VCI mit einer zusätzlichen Wertschöpfung von 600 Mio. Euro und 2.000 neuen Arbeitsplätzen rechnen.
  • Hauptgrund sind nicht fallende Zölle, sondern der Abbau sogenannter nichttarifäre Handelshemmnisse. Dazu gehören das Harmonisieren bestehender Regelungen sowie die Anerkennung von Standards.
  • Somit könnten bespielsweise Doppelarbeiten wie die gesonderte Abnahme durch FDA und EMA entfallen.

Bereits heute entfallen rund 40 Prozent aller Sachanlageninvestitionen der deutschen Chemie im Ausland auf die USA; Tendenz stark steigend. Mit TTIP entstünde nun eine riesige Freihandelszone für Chemiekalien, Medikamente und Kosmetika, die rund 31 Prozent des Weltmarktes erfasst. Laut Berechnungen des VCI könnten in der Chemischen Industrie Deutschlands durch den Abbau bestehender Handelshemmnisse bis zu 2.000 Arbeitsplätze und eine zusätzliche Wertschöpfung von 600 Mio. Euro entstehen. Nicht zuletzt erwartet der Verband ein Produktionsplus von 2 Mrd. Euro. Im Grunde verwundern diese Zahlen nicht, sind die USA doch der wichtigste Produktionsstandort der deutschen Chemie im Ausland; deutsche Tochterunternehmen produzieren jährlich dreimal so viel wie die Konkurrenz aus China. Im Hinblick auf den Schiefergasboom in den USA und die damit einhergehenden niedrigen Energiepreise wundert diese durch und durch positive Erwartungshaltung vielleicht doch, ist aber leicht erklärt: „Die deutsche Chemie exportiert vor allem Spezialitäten und Pharmazeutika in den US-Markt. Bei energieintensiven Produkten haben amerikanische Firmen unbestritten einen Kostenvorteil, liefern diese Basischemikalien aber vor allem in die Schwellenländer“, erklärt Kley. Die Freihandelszone würde also die Wettbewerbsfähigkeit der Spezialchemie in Deutschland noch einmal stärken, ohne negative Effekte auf die Basischemie zu verursachen.

Abbau von Handelshemmnissen
Bereits heute profitiert die deutsche Wirtschaft von guten Rahmenbedingungen bei Geschäften mit Übersee: Die Zölle liegen mit Null, 5,5 beziehungsweise 6,5 auf niedrigem Niveau. „Aber Kleinvieh macht auch Mist“, kommentiert Kley. Die 140 Mio. Euro, die deutsche Chemieunternehmen im Jahr 2010 an die Staatskasse zahlen mussten, könnten Betreiber an anderer Stelle sicherlich sinnvoller investieren. Trotzdem: Die größte Perspektive sieht der VCI in den sogenannten nichttarifären Handelshemmnissen; laut einer Ecorys-Studie liegen zehnmal höhere Einsparungen zum Greifen nahe. Dazu gehören vor allem das Harmonisieren bestehender Regeln und die gegenseitige Anerkennung von Standards – auch bekannt als die „Chlorhuhndebatte“. Abseits aller Polemik geht es aber natürlich nicht darum, die aktuellen hohen Standards zu senken, sondern diese zu harmonisieren. Hier schwebt dem VCI beispielsweise vor, Stoffe mit einheitlichen Warnhinweisen und -symbolen zu beschriften, was den Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks weniger Kosten verursachen und gleichzeitig mehr Sicherheit schaffen würde. Aber auch Doppelarbeiten könnten vermieden werden: Beim aktuellen Stand der Dinge müssen sich Pharmaproduzenten regelmäßig  von der US-amerikanischen FDA und der europäischen EMA inspizieren lassen. Und das, obwohl beide auf der Leitlinie des GMP-Standards arbeiten. Würden die Agenturen also die Inspektionen des jeweils anderen anerkennen, könnten sicher alle Beteiligten davon profitieren.

Impulsgeber statt Allheilmittel
Das Handelsabkommen ist laut Kley zwar sicher kein Allheilmittel für Wachstum in Europa, dennoch erwartet er spürbare Impulse für die Konjunktur. Auch, aber nicht nur für die Chemie. „Generell müssen aber beide Seiten bereit sein, Verhandlungslösungen zu finden, wenn wir TTIP an den Start bringen wollen. Dafür braucht es einen starken politischen Willen, Selbstbewusstsein und das Wissen: Es gehören immer zwei dazu“, schließt Kley.

Die komplette Meldung des VCI können Sie hier noch einmal nachlesen.

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Heftausgabe: August 2014

Über den Autor

Philip Bittermann, Redaktion
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