Großanlagenbau steigert Auftragseingang in 2006 auf 26,3Mrd.Euro

Von Rekord zu Rekord

18.05.2007 Mit einem Auftragseingang von 26,3Mrd.Euro haben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im VDMA auch 2006 wieder eine neue Bestmarke gesetzt. Die Unternehmen profitieren vor allem von den zahlreichen Kraftwerksprojekten weltweit und konnten im internationalen Vergleich Marktanteile hinzugewinnen.

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Der Deutsche Großanlagenbau ist mächtig in Form: Nach den bisherigen Allzeit-Hochs in den Jahren 2004 und 2005 haben die in der VDMA-Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau (AGAB) zusammen geschlossenen Unternehmen auch in 2006 einen neuen Rekord beim Auftragseingang eingestellt: Mit Aufträgen im Wert von 26,3Mrd. Euro lag das Bestellvolumen um neun Prozent über dem Vorjahr. „Auch über die Boomphase hinaus sind die langfristigen Wachstumsperspektiven des Großanlagenbaus positiv“, freut sich Dieter Rosenthal, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft und Mitglied des Vorstands der SMS Demag AG.

Das Auftragsplus basiert vor allem auf der lebhaften Auslandsnachfrage, die den Anlagenbauern ein Bestellvolumen von 20,4Mrd.Euro bescherte. Neben Kraftwerken trugen auch Projekte in Hütten- und Walzwerken sowie in der Chemie zum guten Ergebnis bei. Interessanterweise sind die Industrieländer mit Bestellungen in Höhe von 5,4Mrd.Euro die wichtigste Kundengruppe, innerhalb dieser stellen die Länder Westeuropas den wichtigsten Markt dar.
Der Auftragseingang aus der Asien-Pazifik-Region reduzierte sich im Vergleich zum Vorjahr um 11Prozent auf 3,8Mrd.Euro. Das Bestellvolumen in Lateinamerika und Osteuropa hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Ein wichtiger Faktor für die anhaltend gute Auftragslage in der Golfregion ist laut AGAB die Verlagerung energieintensiver Branchen aus den Industriestaaten, wie zum Beispiel die Aluminiumindustrie.

Vom Käufer- zum Verkäufermarkt

Die gute Auftragslage hat jedoch auch noch andere Auswirkungen. Rosenthal: „Wir können zur Zeit vermehrt auch günstige Vertragsbedingungen in den Auftragsverhandlungen durchsetzen.“ Dies schlägt sich zum einen in den Preisen nieder, zum anderen wächst die Bereitschaft der Anlagenbauer, Aufträge mit unverhältnismäßigen Risiken ohne angemessene Risikoprämie abzulehnen. „Hilfreich für die Preispolitik ist auch die zunehmende Diskussion des Konzeptes der Total Cost of Ownership“, erklärt der AGAB-Sprecher und verweist auf die wirtschaftlichen Vorteile deutscher Anlagen, in denen solche Konzepte seit langem Anwendung finden.

Die Kehrseite des Booms ist jedoch eine an der Kapazitätsgrenze liegende Auslastung, welche die Kontraktoren zur Auslagerung an Fremdfirmen und internationale Lieferanten zwingt. „Wichtige Handlungsfelder sind das Lieferantenmanagement, die Optimierung der globalen Projektabwicklung und die Weiterentwicklung des Projektcontrollings“, verdeutlicht Rosenthal. Und auch die Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter stellt die Unternehmen des Anlagenbaus zunehmend vor Probleme. So wollen nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft 40Prozent der Mitgliedsunternehmen ihre Belegschaft (derzeit rund 52000 Mitarbeiter) aufstocken. „Das Angebot an qualifizierten Fachkräften hält derzeit nicht mit dem Nachfragewachstum schritt“, beschreibt Rosenthal die Situation.
Handlungsbedarf sieht die AGAB in der Standortpolitik: „Eine auf international stark umkämpften Märkten agierende Branche wie der Großanlagenbau braucht eine wettbewerbsstärkende Politik im Inland“, betont Rosenthal und fordert diese insbesondere für die deutsche Exportkreditversicherung sowie die steuerlichen Rahmenbedingungen. Auch die aktuelle Diskussion über mögliche Verschärfungen der OECD-Umweltleitlinien für Exportkreditversicherungen bereitet dem Verband Kopfschmerzen. Denn nach Ansicht des Verbands drohen die einseitig in der OECD diskutierten Verschärfungen der Leitlinien zur Exportversicherung von Großprojekten den Wettbewerb mit Anbietern außerhalb der OECD weiter zu verzerren. Zusätzlich belasten deutsche Beschränkungen bei der Indeckungnahme ausländischer Zulieferanteile die Wettbewerbsfähigkeit der Anbieter.

Langfristige Wachstumsfaktoren bleiben intakt

Auch über die Boomphase hinaus gehen die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft davon aus, dass die langfristigen Wachstumsfaktoren intakt sind. So wird die Nachfrage vom weltweit steigenden Bedarf nach einer möglichst wirtschaftlichen und umweltschonenden Gewinnung und Verarbeitung von Energie sowie von Roh- und Grundstoffen getragen. „Insbesondere technologisch führende Gesamtlösungen mit niedrigen Lebenszeitkosten, einer hohen Qualitäts- und Termintreue sowie eine verbindliche Preispolitik sichern unsere Position auf dem Weltmarkt“, ist sich Rosenthal sicher.

„Auch über die Boomphase hinaus sind die langfristigen Wachstumsperspektiven des Großanlagenbaus positiv“
Dieter Rosenthal ist Sprecher der AGAB und Mitglied des Vorstands der SMS Demag AG

Heftausgabe: Mai 2007

Über den Autor

Armin Scheuermann , Redaktion
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