Wacker leidet heftig unter schwachem Solargeschäft

14.03.2013 Die Wacker Chemie musste im vergangenen Jahr einen deutlichen Umsatz- und Gewinn-Einbruch verkraften. Grund ist der Preisverfall für Polysilizium. Und auch für das laufende Jahr rechnet der Konzern nicht mit besseren Zahlen.

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Wacker leidet heftig unter schwachem Solargeschäft

Das Solar-Siliziumgeschäft macht Wacker derzeit keine Freude (Bild: Wacker Chemie)

Die Wacker Chemie AG hat das Geschäftsjahr 2012 wie bereits gemeldet mit niedrigeren Umsatz- und Ertragswerten abgeschlossen. Wie der Münchner Chemiekonzern bei der Vorlage seines Geschäftsberichts heute bekannt gab, fiel der Konzernumsatz mit 4,63 Mrd. € (Vj. 4,91 Mrd. €) um knapp 6 Prozent niedriger aus als vor einem Jahr. Ausschlaggebend für diesen Rückgang waren niedrigere Preise für Solarsilicium und Halbleiterwafer. Insgesamt haben Preiseffekte den Konzernumsatz des vergangenen Jahres um rund 700 Mio. € oder mehr als 14 Prozent gemindert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) belief sich im Geschäftsjahr 2012 auf 787 Mio. € (Vj. 1,1 Mrd. €). Damit errechnet sich eine Ebitda-Marge von 17,0 (Vj. 22,5) Prozent. Vor allem die Überkapazitäten in der Solarindustrie sind der Grund dafür, dass das Ergebnis im Jahresvergleich um 29 Prozent zurückgegangen ist. Die Preise für Solarsilicium haben sich innerhalb eines Jahres halbiert. Dagegen konnten die Chemiebereiche von Wacker vor allem wegen der stark wachsenden Nachfrage nach Polymerprodukten ihr Ebitda gegenüber dem Vorjahr um rund 15 Prozent steigern. Unter dem Strich hat das Chemieunternehmen das Geschäftsjahr 2012 mit einem Konzernergebnis von 107 (Vj. 356) Mio. € abgeschlossen. Das sind 249 Mio. € weniger als vor einem Jahr.

In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres entwickeln sich die Chemiebereiche anhaltend solide. Hier verzeichnet der Konzern im Rahmen der üblichen Saisonalität des Geschäfts in den Wintermonaten eine zufriedenstellende Nachfrage. Bei Polysilicium setzt Wacker gegenwärtig deutlich höhere Mengen ab als erwartet. Die Preise sind derzeit stabil auf einem niedrigen Niveau. Im Geschäft von Siltronic zeichnet sich noch keine grundlegende Trendwende ab. Die Nachfrage nach Halbleiterwafern ist weiterhin gering und die Preise sind niedrig. Insgesamt wird der Konzern im 1. Quartal 2013 voraussichtlich den Umsatz des Vorquartals übertreffen, den Wert des 1. Quartals 2012 aber nicht erreichen, weil damals die Preise für Polysilicium noch fast doppelt so hoch waren wie heute.

Im Gesamtjahr 2013 erwartet das Unternehemn einen Konzernumsatz in der Größenordnung des Vorjahres. Das setzt voraus, dass es zu keinen wesentlichen Handelsbarrieren in der Solarindustrie kommt und die Nachfrage im Halbleitergeschäft in der zweiten Jahreshälfte anzieht. Die Absatzmengen sollen in allen Geschäftsbereichen weiter wachsen. Umsatz und Ergebnis der Chemiebereiche werden höher erwartet als im Jahr 2012. Gleichzeitig werden die Preise für Halbleiterwafer voraussichtlich im Durchschnitt niedriger ausfallen als im Vorjahr. Unter der Annahme, dass die Preise für Polysilicium auf dem Niveau des 4. Quartals 2012 bleiben, wird das Konzern-Ergebnis im Jahr 2013 unter dem Wert des Vorjahres erwartet.

„2013 wird aus heutiger Sicht kein einfaches Jahr für Wacker“, sagte Konzernchef Rudolf Staudigl am Donnerstag in München. „Der Halbleitermarkt bewegt sich zunächst seitwärts. Die Preise für Polysilicium sind niedrig, haben aber den Boden erreicht. Der Bedarf unserer Solarkunden hat jedoch deutlich zugenommen. Die Auslastung unserer Polysiliciumproduktion geht stark nach oben. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, dann eröffnet das Chancen für höhere Preise. Das gut laufende Chemiegeschäft ist weiterhin ein wichtiger Stabilitätsfaktor für den Konzern.“

Investitionen

Die Investitionen des Konzerns sind im Geschäftsjahr 2012 gestiegen. Sie erhöhten sich um knapp 12 Prozent auf 1,1 Mrd. € (Vj. 981 Mio. €). Das ist der bislang höchste Wert in der Geschichte des Unternehmens. Die Mittel gingen vor allem in den weiteren Ausbau der Kapazitäten für polykristallines Reinstsilicium.

Die neue Polysiliciumproduktion am Standort Nünchritz hat im 2. Quartal 2012 ihre volle Kapazität erreicht. Sie liegt bei 15.000 Tonnen pro Jahr. Der Bau des neuen Polysiliciumstandorts Charleston im US-Bundesstaat Tennessee hat im vergangenen Jahr gute Fortschritte gemacht. Eine ganze Reihe von Gebäuden steht bereits oder befindet sich in der Fertigstellung. Angesichts der momentanen Überkapazitäten bei Polysilicium hat Wacker im Herbst vergangenen Jahres entschieden, das Tempo bei diesem Projekt etwas herauszunehmen. Der Produktionsstart in Charleston ist jetzt für Mitte des Jahres 2015 geplant. Der Chemiekonzern passt auf diese Weise den Kapazitätsaufbau der Marktnachfrage an und entlastet gleichzeitig seinen Cashflow im laufenden Jahr um einen dreistelligen Millionenbetrag. Durch den längeren Zeitverlauf wird sich voraussichtlich die Investitionssumme um etwa 10 Prozent auf rund 2 Mrd. US-Dollar erhöhen. Gleichzeitig steigt die Gesamtkapazität der Anlage um mindestens zehn Prozent auf mehr als 20.000 Jahrestonnen. Das Unternehmen nutzt die zusätzliche Zeit, um die Produktionsanlagen zu optimieren, die Herstellungsprozesse weiter zu verbessern und dadurch höhere Ausbeuten zu erzielen.

Auch die Kapazitäten für Dispersionen und Polyvinylacetatfestharze in Asien und in den USA werden gegenwärtig ausgebaut. Am chinesischen Standort Nanjing errichtet der Chemiekonzern zwei neue Produktionsanlagen. Die bestehenden Kapazitäten für Dispersionen werden um einen neuen Reaktor mit einer Jahresleistung von 60.000 Tonnen erweitert. Die Anlage soll Mitte dieses Jahres in Betrieb gehen. Außerdem baut der Konzern in Nanjing eine neue Anlage zur Herstellung von Polyvinylacetat-Festharzen. Die Jahreskapazität liegt bei 20.000 Tonnen. Die Inbetriebnahme ist gegen Ende dieses Jahres geplant. Am südkoreanischen Produktionsstandort Ulsan hat das Chemieunternehmen Anfang Februar einen neuen Dispersionsreaktor mit einer Jahreskapazität von 40.000 Tonnen in Betrieb genommen. Am amerikanischen Polymerstandort Calvert City kommen ebenfalls 30.000 Jahrestonnen hinzu. Für alle vier Projekte zusammengenommen wurden im Jahr 2012 rund 40 Mio. € investiert. Der Münchner Chemiekonzern festigt damit Position als weltweit führender Hersteller von Polymeren für Dispersionen und Kaugummirohmasse.

Weitere Investitionsmittel flossen in den Kapazitätsausbau des Gemeinschaftsunternehmens Siltronic Samsung Wafer in Singapur, das 300-mm-Siliciumwafer für die Halbleiterindustrie herstellt sowie in die Finanzierung des Joint Ventures mit Dow Corning zur Herstellung von Siloxan in China.

Mitarbeiter

Zum Jahresende 2012 beschäftigte das Chemieunternehmen weltweit 16.292 (Vj. 17.168) Mitarbeiter. Das sind 876 weniger als im Vorjahr. Der Rückgang steht im Zusammenhang mit Strukturmaßnahmen im Halbleitergeschäft. Siltronic hat im vergangenen Jahr den japanischen Produktionsstandort Hikari für 200-mm-Wafer geschlossen und in Portland die Produktion von 150-mm-Wafern eingestellt. An den deutschen Standorten arbeiteten zum Stichtag 12.635 (Vj. 12.813) Mitarbeiter, im Ausland waren es 3.657 (Vj. 4.355).

Netto-Cashflow, Netto-Finanzschulden und Eigenkapitalquote

Der Netto-Cashflow war im Geschäftsjahr 2012 wegen der hohen Investitionen wie angekündigt deutlich negativ. Er belief sich auf -536 Mio. € (Vj. -158 Mio. €). Rund ein Drittel seiner Investitionen hat das Chemieunternehmen aus dem eigenen Cashflow finanziert. Außerdem hat der Konzern für sein strategisches Investitionsprogramm Fremdmittel in Anspruch genommen. Die Nettofinanzverbindlichkeiten sind dadurch wie geplant gewachsen. Sie beliefen sich zum Bilanzstichtag auf 701 Mio. € (Vj. 96 Mio. € Nettofinanzforderungen).

Die Bilanzsumme des Konzerns hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahr um 93 Mio. € erhöht. Zum 31. Dezember 2012 lag sie bei 6,3 Mrd. € (Vj. 6,2 Mrd. €.) Erhöht haben sich im Wesentlichen die Sachanlagen und Ausleihungen an assoziierte Unternehmen sowie die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Das Eigenkapital des Konzerns belief sich zum Bilanzstichtag auf 2,62 Mrd. € (Vj. 2,63 Mrd. €). Damit ergibt sich eine Eigenkapitalquote von 41,4 Prozent (Vj. 42,2 Prozent).

 

 

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