Dämm, Baby, dämm!

Wärmedämmung von Industrieanlagen wird unterschätzt

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29.01.2015 „Volksverdämmung“ betitelte das Magazin „Der Spiegel“ unlängst die Bemühungen zum Wärmeschutz an Gebäuden. In den Anlagen der Chemieindustrie ist der Nutzen von Wärmedämm-Maßnahmen dagegen unstrittig. Gleich mehrere Untersuchungen verschiedener Institute kommen zu dem Ergebnis, dass die Dämmung von Industrieanlagen bislang im Hinblick auf Energieeffizienz-Maßnahmen unterschätzt wird.

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Entscheider-Facts Für Betreiber

  • Die Wärmedämmung von Industrieanlagen bietet noch großes Potenzial. Maßnahmen wie das Dämmen ungedämmter Bauteile wie Armaturen, Ventile und Flansche zahlen sich für die Betriebe relativ schnell aus.
  • Investitionen in die Dämmung von Industrieanlagen erreichen Kapitalrenditen von bis zu 50 Prozent.
  • Durch Dämmung bisher ungedämmter Bauteile und Rohrleitungen können Wärmeverluste um 23 Prozent reduziert werden.

Nur jedes vierte Unternehmen plant zeitgemäße und energiesparende Anlagendämmung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Initiative Energieeffizienz der Deutschen Energie-Agentur Dena. Diese ließ im November 2013 insgesamt 251 technische und wirtschaftliche Entscheidungsträger aus den Bereichen Industrie und produzierendes Gewerbe zur Bedeutung von Energieeffizienz-Maßnahmen befragen.

Eine EU-weite Studie der European Industrial Insulation Foundation (EIIF) belegt, dass bis zu 10 Prozent der Anlagenteile in Industrieanlagen ungedämmt sind oder eine beschädigte Isolierung haben. Die meisten Dämmsysteme sind zudem nach Kriterien wie niedrigen Investitionskosten, maximal erlaubte Obeflächentemperatur oder veralteten Werten für Wärmeverlustraten ausgelegt. Würden die Industrieanlagen in den 27 Ländern der EU konsequent isoliert, könnte der gesamte Jahresenergieverbrauch der niederländischen Industrie oder 15 Kohlekraftwerke mit je 500 MW Leistung eingespart werden.

In vielen Unternehmen besteht Handlungsbedarf in Sachen Wärmedämmung

Für ein Chemiewerk in Frankreich ergab die EIIF-Studie beispielsweise eine jährliche Kosteneinsparung von 500.000 Euro – allein dadurch, dass 35 Tankdächer gedämmt werden. Kein Einzelfall, wie die Erfahrungen des Industriedienstleisters Bilfinger belegen: Ein niederländisches Unternehmen der Prozessindustrie konnte beispielsweise durch eine verbesserte Dämmung von Ventilen, Flanschen und Dampfrohrleitungen jährliche Einsparungen von knapp 24.000 Euro erzielen.

Offenbar wird in Industrieunternehmen bislang unterschätzt, welchen Hebel die vergleichsweise preiswerte Dämmung von Anlagen bringen kann. Im Durchschnitt – so die Schätzungen der Energieexperten der Forschungsstelle für Energiewirtschaft – lassen sich durch die Isolierung ungedämmter Bauteile und Rohrleitungen Energieverluste im Unternehmen um 23 Prozent senken. „Eine einzelne ungedämmte Armatur kann in etwa so viel Wärme verlieren,wie eine zwanzig Meter lange gedämmte Rohrleitung desselben Querschnitts.“

In den Anlagen der Chemie sind ungedämmte Armaturen an Leitungssträngen mit Isoliermantel keine Seltenheit. Denn das Dämmen von geraden Rohrleitungen ist beim Bau der Anlage eine Fingerübung, während die Isolierung von Armaturen, Flanschen und Ventilen Arbeitsaufwand bedeuten. „Um wirtschaftliche Energie­effizienz-Potenziale zu erschließen, sollten Unternehmen eine systematische Analyse der betriebstechnischen Anlagen durchführen. Wer selbst schätzen will, kann dazu auf www.industrie-energieeffizienz.de ein Berechnungstool (Quickcheck Rohrleitungsisolierung) nutzen. Bilfinger hat mit EIIF und deren Mitgliedsfirmen ein standardisiertes Beratungsprogramm für Industriedämmungen entwickelt. Der „Technical Insula­tion Performance Check – Tipcheck“ untersucht Energie-Einsparpotenziale, Möglichkeiten für die Prozessverbesserung, Maßnahmen zur Minimierung der Energiekosten sowie Verbrennungsgefahren im Bereich von Wegen.

Heftausgabe: Januar/Februar 2015 2015
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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