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Wassermanagement schont die Ressourcen und senkt die Kosten

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29.05.2015 Wie geht die Industrie mit der Ressource „Wasser“ um? Generell ist ein Trend zu ganzheitlichen Systembetrachtungen zu beobachten, bei denen Prozesswässer vermehrt im Kreislauf geführt und Wertstoffe bzw. zur Wasserbehandlung eingesetzte Chemikalien zurückgewonnen werden. Auch beim Abwasser greifen veränderte Ansätze: Teilströme werden frühzeitig getrennt und können so einfacher und kostengünstiger behandelt werden. Selbst Technologien für eine praktisch abwasserfreie Produktion sind verfügbar.

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Entscheider-Facts Für Betreiber

  • Ressourcenschutz und wirtschaftliche Erwägungen gebieten es, industriell genutztes Wasser intelligent zu „gebrauchen" und es möglichst wenig zu „verbrauchen".
  • Wasser sollte dabei nicht mehr bewegt, erhitzt und verschmutzt werden als prozesstechnisch absolut erforderlich.
  • „Smart Water" ist vor allem auch das mehrfach genutzte, im Kreislauf geführte Wasser. Wassermanagement schont die Ressourcen und senkt die Kosten. Wassermanagement ist zugleich auch Energiemanagement.

Juni 2015

Bild: © gattus – Fotolia.com

Wasser bildet nicht nur eine Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und Menschen. Auch für die Industrie ist es als technisches Medium unverzichtbar: In Form von Kühlwasser, als Transportmedium, als Lösemittel und als Prozesswasser in den unterschiedlichen Qualitäten vom Brauchwasser über enthärtetes oder vollentsalztes Wasser bis hin zum Reinstwasser in der Pharma-Industrie.

Die industrielle Nutzung von Wasser verursacht immer Kosten: Die Aufbereitung, die meist nötig ist, ist mit Konditionierungskosten verbunden, bei der Verteilung muss für die Pumpen Energie aufgewendet werden, und nach Gebrauch gelangt es in aller Regel in eine Nachbehandlung – entweder mit dem Ziel der Kreislaufführung oder zur Entsorgung im Vorfluter. Aus ökonomischen wie ökologischen Gründen ist es sinnvoll, Wasser weniger zu bewegen, weniger zu erwärmen und nicht zuletzt weniger zu verschmutzen – „Industrielles Wassermanagement“ ist gefragt. Das Ziel: Bestimmte Wasserqualitäten müssen bereitgestellt werden unter Kontrolle der dafür notwendigen Kosten, inklusive der Entsorgung.

In wasserreichen Regionen ist dafür nicht der gleiche technologische Aufwand erforderlich wie in wasserarmen Gebieten, wo jeder Tropfen, der einmal in der Anlage ist, wertvoll ist – dort werden Kosten zur weiteren Kreislaufschließung bis hin zur abwasserfreien Produktion (Zero Liquid Discharge, ZLD) eher akzeptiert als beispielsweise in Deutschland. Überall dagegen gilt: Weil Produktion und Wassertechnik eng verzahnt sind, führt an der Entwicklung integrativer Technologien und Managementsysteme kein Weg vorbei.

Vom Wasser-Recycling zur
abwasserfreien Produktion

Industrielles Wassermanagement gibt es nicht „von der Stange“ – zu diesem Schluss kommt ein Processnet-Positionspapier, das im März 2014 unter dem Titel „Trends und Perspektiven in der industriellen Wassertechnik“ veröffentlicht wurde. Je nach Branche, Anwendung und Standort sind individuelle Konzepte notwendig. So lohnt sich ein Wasserrecycling in dem Sinn, dass Prozesswasser im Kreislauf geführt wird, meist nur dann, wenn die Ströme schwach verunreinigt sind und damit kostengünstig mit wenig Aufwand wieder aufbereitet werden können. Bei Strömen, die hohe Konzentrationen an Verunreinigungen aufweisen und/oder Stoffe mit unterschiedlichen chemischen und physikalischen Eigenschaften enthalten, erweise sich ein Wasser-Recycling meist als weniger effizient, so Fachleute. Daher ist die Grundvoraussetzung für das Wasser-Recycling ein effizientes Wassermanagement, bei dem unterschiedlich gut recyclingfähige Abwässer voneinander getrennt geführt werden. Die meisten innerbetrieblichen Recyclingprozesse setzen in der Nähe oder direkt im Produktionsprozess an; hier ist die Komplexität der Wasserinhaltsstoffe begrenzt und der Aufwand für additive Verfahren vergleichsweise gering.

Heftausgabe: Juni 2015
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