Langer Hebel für den Projekterfolg

Wie Automatisierung dabei hilft, Projekte abzusichern

09.05.2016 43 Milliarden Euro sind auch für ein Atomkraftwerk kein Pappenstiel. Und die Wahrscheinlichkeit, dass der Kraftwerksblock C im britischen Somerset den französischen Stromkonzern Edf deutlich mehr kosten wird, liegt bei 65 %. Dabei könnte Automatisierungstechnik helfen, die Projektziele zu sichern.

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Entscheider-Facts Für Planer

  • In 65 % aller Projekte mit einem Wert über 1 Mrd. Euro sowie 35 % aller Projekte mit einem Volumen über 500 Mio. Euro kommt es zu Budget- und Zeitüberschreitungen.
  • Häufig ist das Automatisierungsgewerk im Projekt ein kritischer Pfad.
  • Mit der Initiative „Projekt Certainty“ will der Automatsierungshersteller Emerson dabei helfen, Projektziele zu sichern, in dem Projekte frühzeitig aus dem Blickwinkel der Automatisierung betrachtet werden  und moderne Technik zum Einsatz kommt.

Es wird das teuerste Industrieprojekt Europas – und nach mehr als zwei Jahrzehnten auch das erste neue Atomkraftwerk in Europa: Die Vorplanung von Hinkley Point C hat sich der französische Stromversorger Edf bereits über zwei Milliarden Euro kosten lassen  – und das, bevor die abschließende Entscheidung gefallen ist. Dass der Stromriese zögert, hat verschiedene Gründe – mit dazu gehören dürfte die Befürchtung, dass der Atommeiler deutlich mehr kosten könnte, als die geplanten 43 Mrd. Euro.
Aus der Luft gegriffen sind solche Befürchtungen nicht – auch andere Großvorhaben wie der finnische Reaktor Olkiluoto oder zuletzt das Chevron-Gasprojekt Gorgon haben mit massiven Budget- und Zeitüberschreitungen zu kämpfen. „65 % aller Projekte mit einem Wert über 1 Milliarden Euro scheitern“, verdeutlicht Roel van Doren, President Emerson Process Management Europe, die Risiken, die in solchen Vorhaben stecken. Und auch kleinere Projekte sind davon betroffen: Auch 35 % aller Projekte unter 500 Mio. Euro verfehlen ihre Ziele im Hinblick auf Realisierungszeit und Budget, weist eine Studie des Beratungsunternehmens Independant Project Analysis (IPA) aus. „Häufig ziehen sich zudem operative Probleme bis ins zweite Betriebsjahr hinein“, weiß van Doren.

Die Besten sind halb so teuer und doppelt so schnell

Wie schwerwiegend die Konsequenzen sein können, wird durch einen Vergleich der besten und der schlechtesten Anlagenbauer deutlich: So kommt die IPA-Studie zum Ergebnis, dass die Unternehmen mit der besten Performance (Top Quartil) nicht nur um 54 % niedrigere Projektkosten erreichen, sondern auch fast doppelt so schnell sind, wie die Unternehmen des vierten Quartils. Und häufig ist die Automatisierung im Projekt ein kritischer Pfad, weil das Gewerk ganz am Schluss eines Investitionsprojekts steht.
Gerade in einem Umfeld wo aufgrund niedriger Öl- und Gaspreise die Rentabilität von Projekten in Frage gestellt ist und immer knapper kalkuliert werden muss, kommt es darauf an, die Kosten und die time-to-market im Griff zu behalten. „Fehler bei der Auswahl technischer Lösungen sowie steigende Kosten für Anlagenequipment gefährden die Marge und die Fähigkeit, bei Projekten mitbieten zu können“ verdeutlicht Prema Suresh, Head of Engineering bei der indischen Tochtergesellschaft von Technip. „Wir müssen die Paradigmen unserer Projektausführung ändern“, fordert Suresh und plädiert dafür, neue Technologien radikal anzuwenden.

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Über den Autor

Der Autor: Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK
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