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ZVEI: Automatisierung stagniert auf hohem Niveau – Lichtblick Prozessautomation

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14.05.2013 Die Bäume wachsen nicht mehr weiter in den Himmel: Im vierten Wachstumsjahr in Folge schwächt sich das Plus für die deutschen Anbieter von Prozessautomation langsam ab – so das Fazit des Herstellerverbands ZVEI zur Hannover Messe. Insgesamt zeigte sich dort die deutsche Automatisierungsindustrie verhalten optimistisch. Sie erwartet mit plus zwei Prozent ein geringeres Wachstum als im Jahr 2012. Immer noch stark zeigt sich dagegen die Prozessautomation. „Wir erwarten, dass das Geschäft weltweit um drei bis vier Prozent wachsen wird“, erklärte Michael Ziesemer, der im Vorstand des ZVEI-Fachverbands Automation den Fachbereich Messtechnik und Prozessautomatisierung verantwortet.

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Entscheider-Facts Für Ausrüster und Manager

  • Im vierten Wachstumsjahr in Folge schwächt sich das Plus für die deutschen Anbieter von Prozessautomation langsam ab.
  • Die Hersteller von Prozessautomatisierung erwarten für 2013 ein weiteres Wachstum von drei bis vier Prozent - nach sechs bis sieben Prozent in 2012.
  • Für die Prozessindustrie werden die Weichen gestellt, um Ethernet-Technik bis hin in Ex-Bereiche einzusetzen.

Insgesamt ist der Umsatz mit elektrischer Automatisierungstechnik im Jahr 2012 um 1,4 Prozent auf 48,3 Mrd. Euro gestiegen. Die hohen Auftragseingänge des ersten Halbjahrs 2012 haben sich jedoch in den letzten beiden Quartalen nicht fortgesetzt, so dass 2012 hier mit einem Minus von 2,4 Prozent schloss. Der Export hat um knapp vier Prozent zugelegt und erreichte mit über 32,4 Mrd. Euro ein Allzeithoch. Die Exportquote der deutschen Automatisierungsindustrie ist damit auf weit über 80 Prozent gestiegen.  „Bemerkenswert ist das erneut hohe Exportwachstum in die USA von über zwölf Prozent, während in das ,Europa der 27‘ gut ein Prozent weniger geliefert wurde“, so Gunther Kegel, Vorstandsvorsitzender des ZVEI-Fachverbands Automation. Rückläufig waren vor allem Exporte in die Mittelmeerländer.
Risiken für die Automatisierungskonjunktur sieht Kegel in den Belastungen der europäischen Gemeinschaftswährung und der wachsenden Verschuldung der EU-Mitgliedsstaaten. Zudem seien noch deutliche Risiken für die Weltwirtschaft bei den Abnehmerbranchen vorhanden. Die Zurückstellung von Investitionsprojekten hatte negative Auswirkungen auf die Bereiche Antriebe und Schaltanlagen. Trotz der gedämpften Erwartungen hat die Zahl der Beschäftigten in Deutschland die 250.000er Marke überschritten. Kegel sprach von der „Jobmaschine Automation“. Große Aufmerksamkeit legt die Branche deshalb auf die Sicherung des Fachkräftenachwuchses nicht zuletzt durch Arbeitnehmer aus dem Ausland. Sie müssten in der Gesellschaft besser willkommen sein als in der Vergangenheit.  

Prozessautomatisierung erwartet
viertes Wachstumsjahr in Folge

Die Prozessautomatisierung weist gegenüber den anderen Branchensegmenten einen um ca. neun Monate späteren Konjunkturzyklus auf. Michael Ziesemer, im Vorstand des ZVEI-Fachverbands Automation für diese Technologie zuständig, konnte daher über ein „beachtliches Wachstum von sechs bis sieben Prozent“ im Jahr 2012 berichten. Wachstumsspitzen lagen in den USA, in Mittel- und Südamerika, in Teilen Asiens und Russland. China bleibt mit einem Anteil von über einem Viertel der weitaus größte Abnehmer. Dabei hat sich insbesondere das Geschäft mit der Chemie sehr gut entwickelt – „noch besser als die Pharmazeutische Chemie“, präzisierte Ziesemer.
Berechnungen des ZVEI zufolge ist der Weltmarkt der elektrischen Automation 2010 um fast ein Fünftel auf 347 Mrd. Euro gewachsen. Bis 2012 könne sich der Weltmarkt auf 420 Mrd. Euro vergrößert haben, schätzt Kegel. Die führenden Nettoexporteure in Sachen elektrischer Automatisierungstechnik seien nach wie vor Japan und Deutschland.

Vernetzung gewinnt an Bedeutung,
Ethernet für die Prozessindustrie

Zunehmende Bedeutung gewinnt nach Aussage der Automationsexperten die Vernetzung in der Automation. Künftig werden die Maschinen bei der Herstellung von Produkten stärker direkt über Web-Technologien miteinander vernetzt. Man spreche dabei vom „Internet der Dinge“ und von der „Industrie 4.0″. Diese Technologie ermögliche hocheffiziente und zugleich hochflexible Produktionssysteme. Auch wenn man erst am Anfang stehe, sieht Kegel darin „einen Trend und keinen Hype“. Dieses Geschäftsmodell könne sich gerade für Hochlohnläder als überlebenswichtig herauskristallisieren.
Aus Sicht von Michael Ziesemer ist die Prozessautomation in Sachen Industrie 4.0 der Fertigungsautomation einen Schritt voraus. Der Einsatz von Werkzeugen wie dem Asset Management zeige, dass die Vernetzung in der Prozessindustrie bereits vorangetrieben wird. Einen massiv stärker werdenden Trend sieht Ziesemer im Einsatz der Ethernet-Technik in der Prozessindustrie: „Es geht jetzt nicht mehr nur darum, Ethernet auf der Leitsystemebene einzusetzen, sondern bis hinunter ins Feld.“ Zukünftige Entwicklungen zielen darauf, Feldgeräte über die Ethernet-Anbindung zu versorgen. Außerdem würden die Hersteller gemeinsam einen „advanced physical layer“ entwickeln, der auch Anforderungen des Explosionsschutzes erfüllen soll.  Ziesemer: „Wenn alle diese Dinge zusammenkommen, ist das genau der Beitrag der Prozessautomatisierung zum ,internet of things‘ und ,internet of services.‘“
 

Die Redetexte von Dr. Gunter Kegel und Michael Ziesemer finden Sie hier.

Heftausgabe: Mai 2013

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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