Prozessautomation mit Rückenwind

Prozessautomatisierer sprühen vor Optimismus

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16.03.2018 So viel Optimismus war schon lange nicht mehr. Hatte in den vergangenen drei Jahren vor allem der Rückgang im Öl- und Gas-Projektgeschäft deutliche Bremsspuren in den Bilanzen der Anbieter von Prozessautomatisierungstechnik hinterlassen, konnte der Branchenverband für das vergangene Jahr eine deutlich positive Bilanz vorlegen. Und das Ende der Wachstums-Fahnenstange scheint noch nicht erreicht.

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Entscheider-Facts für Manager

  • Für die Anbieter von Technik zur Prozessautomation war 2017 ein exzellentes Jahr. Der Umsatz stieg um 8,8 %, außerdem konnten die Hersteller 12 % mehr Aufträge einbuchen als im Jahr zuvor.
  • Die Zahl der Beschäftigten ist um 3,4 % auf 125.084 gestiegen.
  • Für das Jahr 2018 rechnet der Zentralverband der Elektroindustrie, ZVEI, mit einem weiteren Wachstum im mittleren bis höheren einstelligen Bereich.

12 % mehr Aufträge und fast 9 % mehr Umsatz – die deutschen Anbieter von Ausrüstung zur Automatisierung von Prozessen hatten zum Jahresende allen Grund zum Feiern. Die Produktion kletterte um fast 6 %, und auch die Preise konnten zuletzt – im Vergleich zu anderen Komponenten zur Ausrüstung von Anlagen – deutlich erhöht werden. Ergebniszahlen kommuniziert der Zentralverband der Elektroindustrie, ZVEI, naturgemäß keine, doch diese dürften sich in den demnächst vorzustellenden Bilanzen der Hersteller sehr positiv niederschlagen. „Die deutsche Prozessautomation hat 2017 enorm Fahrt aufgenommen“, freut sich Nikolaus Krüger, Vorsitzender des Fachbereichs Messtechnik und Prozessautomatisierung im ZVEI-Fachverband Automation, der die Zahlen im März auf dem Achema-Fachpressetag in Frankfurt vorstellte. „Unsere Prognose für das vergangene Jahr hat sich erfüllt: Der Branchenumsatz ist um 8,8 % gestiegen“, so Krüger.

Nikolaus Krüger, Vorsitzender des Fachbereichs Messtechnik und Prozessautomatisierung im ZVEI-Fachverband Automation

Nikolaus Krüger, Vorsitzender des Fachbereichs Messtechnik und Prozessautomatisierung im ZVEI-Fachverband Automation: „Die deutsche Prozessautomation hat 2017 enorm Fahrt aufgenommen“ Bild: Endress+Hauser

Ein interessantes Schlaglicht auf die Preisentwicklung offenbart dabei der Vergleich der Zahlen für Produktion, Export und Import: Während 5,7 % mehr Automatisierungstechnik produziert wurde, gingen die Exporte um 3,0 % und die Importe um 7,6 % zurück. „Das spricht dafür, dass ein großer Anteil des Auftragszuwachses in 2016 und 2017 in das inländische Wertschöpfungsgeschäft ging“, interpretiert der Fachbereichsvorsitzende. Die positive Entwicklung wird laut ZVEI von Bestellungen aus China, USA und Zentraleuropa getrieben. Im Mittleren Osten, Indien und Brasilien gestaltet sich das Geschäft weiter verhalten. Wachstumsimpulse setzen vor allem die Branchen Chemie, Pharma, Wasser, Nahrungs- und Genussmittel sowie Mineral & Mining. Das Öl- & Gas-Geschäft ist aus Sicht des Verbands langsam wieder angesprungen.

Die Bedeutung des Exports für die deutschen Hersteller verdeutlicht auch ein Vergleich der Weltmarktanteile: So kamen 2015 rund 8 % der Weltproduktion von Prozessautomatisierungstechnik aus deutscher Produktion, unter den Absatzmärkten für diese Technik hat Deutschland allerdings lediglich einen Anteil von 4 %. Demgegenüber ist das Verhältnis in China nahezu ausgeglichen (Weltanteil Produktion: 37 %, Anteil als Absatzmarkt: 38 %).

Positiver Ausblick für 2018

Im laufenden Jahr rechnen die Mitgliedsunternehmen des ZVEI mit weiterem Wachstum. Vor allem aus den konsumnahen Industrien wie der Lebensmittel- und Getränkeherstellung, aber auch Wasserbehandlung sowie Life Science und Biotechnologie erwartet der Verband weiteres Wachstum. Dagegen werde – so der ZVEI – auch der gestiegene Ölpreis kaum zu neuen Explorationsprojekten in der Öl- und Gasindustrie führen. Allerdings sorgt der auf über 60 USD/Fass gestiegene Rohölpreis für eine weitere Stabilisierung des Geschäfts. Für 2018 rechnet der ZVEI damit, dass sich das Wachstum des Vorjahres weiter fortsetzen wird. Das Geschäftsklima in der Prozessautomation sei derzeit gut. „Wenn sich die Situation auf dem internationalen politischen Parkett nicht verschärft, rechnen wir für das Jahr 2018 mit Wachstum im mittleren bis höheren einstelligen Bereich“, so Krüger.

Modulare und flexible Produktion sowie APL sind die technologischen Trends

Wichtige Technologie-Trends der Branche sind Modulare Produktion und die Arbeit an durchgängiger Kommunikation per Ethernet für die Prozessindustrie – auch bekannt als „Advanced Physical Layer“ (APL). „Diese Technologie-Trends treiben den digitalen Wandel in der Prozessindustrie weiter voran. Das zeigen wir gemeinsam mit Namur und ARC im Forum ,Automation im Dialog‘ im Foyer der Halle 11.1 auf der Achema 2018“, erklärt Krüger.

Um die in der Chemie und Pharmaindustrie wachsenden Anforderungen an Flexibilität, individuellere Produkte und schnellere Produkteinführungszeiten zu erfüllen, arbeiten die Prozessautomatisierer gemeinsam mit ihren Kunden an modularen Konzepten. Auf der Achema sollen dazu im Rahmen der Sonderschau „Modulare Produktion“ Prozessmodule gezeigt werden, die schnell und flexibel immer neu kombiniert werden können. Die Initiative wird gemeinsam von der Namur, ProcessNet, VDMA und ZVEI getragen und in Halle 9.2, Stand D41 gezeigt werden.

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Heftausgabe: April/2018
Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK

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