Chemieunfall

Zwei Tote nach Explosion bei BASF

18.10.2016 Bei der Explosion und anschließendem Großbrand am BASF-Standort Ludwigshafen sind mindestens zwei Menschen zu Tode gekommen. Sechs weitere wurden schwer verletzt, zwei Menschen werden noch vermisst.

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Die Löscharbeiten bei BASF dauerten bis in die Nacht, zwei Steamcracker wurden vorsorglich heruntergefahren. (Archivbild, Bild: BASF)

Die Löscharbeiten bei BASF dauerten bis in die Nacht, zwei Steamcracker wurden vorsorglich heruntergefahren. (Archivbild, Bild: BASF)

„Wir bedauern zutiefst, dass Mitarbeiter verstorben sind und mehrere Menschen verletzt wurden“, sagte BASF-Werksleiter Uwe Liebelt. „Unser Mitgefühl gilt den Betroffenen und ihren Familien.“ Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz sprachen den betroffenen Familien der Toten, Verletzten und Vermissten ihre Anteilnahme aus.

Die Löscharbeiten dauerten bis Montagabend, den 17.10.2016, an. Am Dienstagmorgen meldete das Unternehmen, das Feuer sei gegen 21:30 Uhr gelöscht worden. Ursache des Unglücks waren Wartungsarbeiten an einer Rohrleitungstrasse im Hafen Nord. Dabei hatte sich gegen 11:20 Uhr zunächst eine Rohrleitung entzündet, beim Eintreffen der Feuerwehr erfolgte eine Explosion. Gebrannt hatten darauf Ethylen- und Propylen-Leitungen. Explodiert sei ein verflüssigtes Gas, genauere Angaben konnte das Unternehmen noch nicht machen. Augenzeugen berichteten von hohen Stichflammen, die schwarze Rauchsäule über dem Werksgelände war kilometerweit zu sehen. Die Unglücksstelle ist für die Feuerwehr nur schwer zugänglich, die Suche nach den Vermissten dauert daher an. Auch im Hafenbecken sollen Taucher sobald möglich nach den vermissten Personen suchen.

Steamcracker zur Sicherheit gestoppt

Die Stadt Ludwigshafen aktivierte das Alarmsystem bei Großbränden und löste um 12:20 Uhr die Alarmsirenen aus. Anwohner wurden aufgefordert, Türen und Fenster zu schließen sowie Klima- und Lüftungsanlagen abgeschaltet zu lassen. Die Feuerwehr warnte vor Geruchsbelästigungen und Sichtbehinderungen, Autofahrer sollten den Norden Ludwigshafens großräumig umfahren. Im nahegelegenen Ortsteil Edigheim litten mehrere Menschen an Atembeschwerden, daraufhin sollten Kinder und Jugendliche der Kindergärten und Schulen in Edigheim und Pfingstweide zunächst in den Gebäuden bleiben. Im Landtag von Rheinland-Pfalz planen die Koalitionsfraktionen wegen des Unglücks eine Sondersitzung. Dabei sollen die zuständigen Ausschüsse die Ursachen und Folgen des Unfalls für die Region diskutieren, teilten die Fraktionen von SPD, FDP und Grünen am Montag in Mainz mit.

Der Pilot eines Kleinflugzeugs hielt den Brand in einem Video fest, das mittlerweile bereits über eine Mio. mal angeklickt wurde:

Die Werkfeuerwehr der BASF und die Berufsfeuerwehr Ludwigshafen sind weiter im Einsatz und nehmen Kühl- und Sicherungsmaßnahmen an der Schadensstelle vor. Kontinuierliche Messungen außerhalb des Werksgeländes zeigten in der Luft und am Boden keine erhöhten Werte gefährlicher Stoffe, teilte das Unternehmen mit. Zwei Steamcracker wurden vorsorglich heruntergefahren. Dabei entwickelten sich weitere Gasfackeln, da Gas in den Leitungen verbrannt werden musste, erklärte Werksleiter Liebelt. In den Steamcrackern entstehen zahlreiche Ausgangsstoffe für die Produktion am Standort. Rund 20 weitere Anlagen im Werk sind aus Sicherheitsgründen ebenfalls heruntergefahren oder im Teillastbetrieb.

Am Ort des Unglücks – dem Landeshafen Nord, schlägt die BASF brennbare Flüssigkeiten wie Methanol, Naphtha und Flüssiggase um. Im Vorjahr waren es insgesamt 2,6 Mio. Tonnen Güter, die den Weg über den Landeshafen in die BASF gefunden hatten.

Der Großbrand war nicht das einzige Unglück des Tages für BASF: Bereits am Montagmorgen hatte sich am Standort Lampertheim eine Verpuffung am Filter einer Anlage für Kunststoffzusätze ereignet. Dabei waren vier Mitarbeiter verletzt worden. Eine Gefahr für die Umwelt bestand hier dem Unternehmen zufolge nicht. (ak)

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