Markt

Zwölf Prozent weniger Kosten für Neben-Rohstoffe

12.05.2016 „Sinkende Preise in der Chemiebranche zwingen immer mehr Unternehmen, Kosten einzusparen und neue Wertschöpfungsquellen zu identifizieren“, erklärt Dr. Tobias Lewe von der Unternehmensberatung A.T. Kearney und Leiter der Energie und Prozess Industrie Practice in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika. „Dabei wird eine wichtige Quelle oftmals außer Acht gelassen: Chemische Rohstoffe mit kleineren Beschaffungsvolumina – sogenannte C-Chemikalien.“

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Strukturierte Konzepte im Einkauf eröffnen großes Einsparpotenzial bei Nebenrohstoffen. (Bild: A.T. Kearney)

In einer Studie legt die Beraterfirma  dar, welch enormes Einsparpotenzial bei diesen Neben-Rohstoffen liegt. Ein mittelständisches Chemieunternehmen gibt demnach oft bis zu 150 Mio. Euro, ein Großunternehmen sogar bis zu 1 Mrd. Euro für diese Produkte aus. Diese Kosten lassen sich der Studie zufolge um bis zu zwölf Prozent senken.

Die Kosten für Rohstoffe folgen typischerweise dem Paretoprinzip: 80 Prozent der Kosten entfallen auf 20 Prozent der Rohstoffe – dies sind die großvolumigen Haupt-R

rohstoffe. Umgekehrt werden 20 Prozent der Ausgaben für 80 Prozent der Rohstoffe mit geringem Beschaffungsvolumen pro Produkt aufgewandt. In genau diesem schwanz-ähnlich abflachenden Ende der Paretokurve, dem „Tail“, liegt ein großes, oft vernachlässigtes Potenzial: „Die C-Produkte machen durch ihre hohe Anzahl 80 Prozent der gesamten Komplexität im Rohstoffportfolio aus“, so Törres Viland, Principal bei A.T Kearney und Autor der Studie. Typischerweise kann der Rohstoffeinkauf den Fokus des strategischen Kategorienmanagements nicht auf diese 20 Prozent legen. Er verschenkt dadurch jedoch ein Millionen-Euro-Potenzial. Viland dazu: „Der Einkauf läuft hier oftmals sehr unstrukturiert ab. Folgen sind dann stark fragmentierte Lieferantenportfolios und eine kaum zu vertretende Komplexität.“

Der Ansatz, den A.T. Kearney nun entwickelt hat, nutzt drei Werthebel für C-Chemikalien: Erstens direkte Einsparungen durch effektivere Materialienkombinationen und eine flexible Form der Marktbearbeitung, zweitens eine gesteigerte Effizienz im Einkauf und gesenkte Prozesskosten durch global optimierte Lieferanten-Konsolidierung, und drittens eine stärkere Fokussierung auf ausgewählte Lieferanten und damit weniger Lieferantenwechsel, verbesserte Lieferantenbeziehungen und höhere Liefertreue. „Für ein nachhaltig effizientes C-Chemikalien-Management müssen einige Prozesse und Verantwortlichkeiten neu definiert werden“, erläutert Chemieexperte Viland. „Das bedeutet zum Beispiel, ausgewählte Aufgaben von lokalen Einkäufern an zentrale Teams zu übertragen und stärker analytisch geprägte Kompetenzen in der Organisation aufzubauen.“ Auch Tobias Lewe ist sich sicher: „Nur Unternehmen, die bereit sind, aktiv Organisationsstrukturen zu verändern, werden in der Lage sein, das Potenzial der C-Chemikalien voll auszuschöpfen.“

Die Studie „Unlocking the Hidden Value of ‚Tail‘ Spend in the Chemicals Industry“ können Sie hier herunterladen.

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