Virtuell wird real

Allgaier packt zur Powtech Trenn- und Trocknungstechnik in einen VR-Showroom

13.03.2019 Digitalisierung ist in aller Munde, doch in der Schüttguttechnik gibt es noch keinen breiten Trend. Umso erstaunlicher ist deshalb, dass der Trenn- und Trocknungstechnik-Spezialist Allgaier auf der Powtech eine Virtual-Reality-Lösung nutzen will, um seine Produkte ins Licht zu setzen. Dass es dabei nicht um einen einmaligen Show-Effekt geht, sondern VR Teil der Digitalisierungsstrategie ist, erklären Dr. Christian Watzelt, Geschäftsführer Gesamtvertrieb, und Dr. Mathias Trojosky, Leiter F&E, Allgaier Process Technology, im CT-Interview.

Dr. Christian Watzelt, Leiter Gesamtvertrieb, Allgaier

Dr. Christian Watzelt, Geschäftsführer Gesamtvertrieb bei Allgaier Process Technology: „Wenn ein Kunde mit einer bestimmten Problemstellung zu uns kommt, können wir sofort Beispiele anhand von realen, bereits realisierten Projekten zeigen.“

CT: Virtual Reality einzusetzen, ist für einen Anbieter von Anlagen zur Schüttgutverarbeitung ungewöhnlich. Was hat Sie dazu bewogen, einen VR-Showroom einzurichten?
Watzelt: Wir konstruieren unsere Anlagen schon seit einiger Zeit komplett digital und in 3D. Virtual Reality ermöglicht es uns darauf aufsetzend, den Kunden unser breites Portfolio und die Engineering-Fähigkeiten zu zeigen.

CT: Welchen Zusatznutzen hat die VR-Darstellung gegenüber der 3D-Zeichnung?
Watzelt: Der Eindruck, den man von einer Anlage in der virtuellen Realität gewinnt, ist ein ganz anderer. Wenn ein Kunde mit einer bestimmten Problemstellung zu uns kommt, können wir sofort Beispiele anhand von realen, bereits realisierten Projekten zeigen. Dadurch steigt die Qualität in der Beratung und auch im späteren Engineering.

Trojosky: Es ist ganz selten, dass Anlagenprojekte auf der grünen Wiese realisiert werden. In der Regel sollen unsere Maschinen in bestehende Anlagen integriert werden, mit limitiertem Raum. Oft ist die Bauhöhe das Problem. In 3D können wir zeigen, wie wir die Ausrüstung in das Gebäude einbringen werden. Und oft sprechen wir auch nicht mit Ingenieuren, die die Zeichnungen lesen können, sondern auch mit Einkäufern oder mit der Geschäftsführung, die per VR einen besseren Eindruck vom Projekt gewinnen.

190227-APT-Dr. Trojosky

Mathias Trojosky, Leiter F&E Process Technology bei Allgaier: „Mit der Datenbrille können wir einen perfekten Eindruck von den Anlagen und deren Funktionsweise vermitteln. Die Anlagen sind im VR-System animiert, wodurch man die Verfahren sehr gut verstehen kann.“

CT: Was versprechen Sie sich von der VR-Präsentation auf der Powtech?
Trojosky: Auf der Powtech nutzen wir das System als Marketinginstrument. Unsere Ausstellungsfläche ist begrenzt, einen 25 m langen Trommeltrockner mit vier Metern Durchmesser kann man dort nicht zeigen. Mit der Datenbrille können wir einen perfekten Eindruck von den Anlagen und deren Funktionsweise vermitteln. Die Anlagen sind im VR-System animiert, wodurch man die Verfahren sehr gut erklären und verstehen kann. Gleichzeitig ermöglicht uns der Virtuelle Showroom, unser umfangreiches Portfolio mit den Marken Allgaier, Mogensen, Gosag und Mozer ganzheitlich darzustellen und auf Messen – nicht nur auf der Powtech – einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Watzelt: Neben dem Marketingaspekt wird VR relativ schnell zu einem Verkaufsinstrument werden. Denn für komplexere Anlagenprojekte investieren die Auftraggeber in der Regel in eine Vorplanung. Wenn man die Ergebnisse und Daten aus dieser Phase später bei der Realisierung der Anlage nutzen kann, dann steigt nicht nur die Qualität in der Planung, sondern es wird auch Zeit gespart. So ist bereits unmittelbar vor der Auftragsvergabe bekannt, wo beispielsweise Fundamente gegossen werden müssen oder welche Genehmigungen der Kunde einholen muss.

CT: Wie wichtig ist der Aspekt der Differenzierung im Wettbewerb?
Trojosky: Dieser Gesichtspunkt wird immer wichtiger. Denn neben einzelnen Anlagenkomponenten werden wir immer mehr zum Systemlieferanten für komplexe Anlagen. Und wir wollen natürlich möglichst viele unserer eigenen Komponenten in den unterschiedlichsten Projekten liefern.

Watzelt: Weitergehende Services werden in Zukunft immer stärker zum Entscheidungskriterium bei der Auftragsvergabe werden. Virtual Reality oder auch Augmented Reality können zur Schulung der Mitarbeiter an entlegenen Orten eingesetzt werden oder das Wartungspersonal unterstützen. Dadurch steigt die Effizienz, und alle Beteiligten können im Wartungsfall schnell reagieren. Auch die Sicherheit und Zuverlässigkeit steigt, weil das Personal an einem realen Abbild der Anlage lernt und sich mit den Arbeitsabläufen vertraut macht. In Zusammenarbeit mit Augmented Reality wird es deshalb auch neue Geschäftsmodelle für Services gegeben. VR und AR ermöglichen es uns, unser Engineering-Know-how zu bündeln und den Kunden mit einer neuen Facette als Mehrwert darzustellen.

CT: Ab welchem Projektvolumen lohnt sich der Einsatz von VR-Systemen?
Watzelt: Dies hängt natürlich von der Komplexität der Aufgabenstellung ab. Aus unserer Sicht lohnt sich das für Projekte mit einem Umfang ab einer Million Euro.

CT: Was sind die Voraussetzungen für die VR-Lösung?
Trojosky: Wir übergeben aus unserem 3D-Planungssystem ein Step-File, das die dynamischen 3D-Daten enthält. Für die Programmierung und die Umsetzung in den virtuellen Raum greifen wir noch auf einen externen Anbieter zurück. Dieser animiert die Daten zur virtuellen Realität. Zum Teil erstellen wir zuvor einen Laserscan der bestehenden Anlage und nutzen diese Daten, um unsere Ausrüstungen virtuell in den exakt vermessenen Raum einzubringen.

CT: Welches sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse aus dem VR-Projekt?
Watzelt: Die Schnittstelle zwischen 3D-Planung und VR muss erst gelernt werden. Danach ist die Umsetzung in den virtuellen Raum relativ einfach in Abhängigkeit der darzustellenden Detailtiefe. In den ersten Projekten vor einigen Jahren sah die Grafik noch wie in einem Computerspiel aus den 90er Jahren aus. Mit den heute verfügbaren, auch portablen Rechnern wird bereits eine fotorealistische Darstellung erreicht. Der Fortschritt ist enorm und lässt für die Zukunft noch Großes erwarten.

Zur Technik: Virtueller Showroom

VR-Arena

Bilder: Allgaier

Der Geräteaufwand für den Aufbau des virtuellen Showrooms ist vergleichsweise gering: In einem Raum werden zwei Sensoren platziert und die VR-Brille an eine Workstation angeschlossen. Deutlich größer ist der Aufwand für die Bereitstellung der Daten aus der 3D-Planung: Vor allem die Datenübergabe an der Schnittstelle zur VR-Software muss zunächst abgestimmt werden. Ist dies erfolgt, lassen sich neue Projekte vergleichsweise einfach von der 3D-Planung in die VR-Welt übertragen. Im virtuellen Showroom auf der Powtech können Besucher in einer animierten Industriehalle insgesamt sieben Produkte des Herstellers im Detail betrachten – darunter auch Produktneuheiten wie den Trommeltrockner TK-D und die Siebmaschinen Msizer.

Powtech 2019 Halle 4A – 315

Weitere CT-Artikel zum Thema.

Heftausgabe: März/2019
Loader-Icon