Keine Genehmigung für Stahlfusion

Anlagenbau bleibt beim Stahl: Thyssenkrupp sagt Aufspaltung ab

10.05.2019 Rolle rückwärts bei Thyssenkrupp: Im September 2018 hatte der Konzern bekannt gegeben, sein Industriegüter-Geschäft – darunter der Anlagenbau – und die Werkstoffsparte in zwei eigenständige, schlagkräftigere Unternehmen aufspalten zu wollen. Diese Pläne sind nun abgesagt, wie der Konzern bestätigte. Verantwortlich dafür soll die EU-Kommission sein.

Der Thyssenkrupp-Vorstand um Chef Guido Kerkhoff hat die geplante Aufspaltung des Konzerns abgesagt. (Bild: Thyssenkrupp)

Der Thyssenkrupp-Vorstand um Chef Guido Kerkhoff hat die geplante Aufspaltung des Konzerns abgesagt. (Bild: Thyssenkrupp)

Die Werkstoffsparte wollte Thyssenkrupp den ursprünglichen Plänen zufolge mit dem Europageschäft des Konkurrenten Tata Steel zum zweitgrößten Stahlhersteller des Kontinents zusammenschließen. Ähnlich wie bei der Siemens-Spaltung war die Aufgliederung von Thyssenkrupp mit einer schlankeren Struktur und höheren Wettbewerbsfähigkeit der beiden neuen Unternehmen begründet worden. Verschiedene Medien berichteten bereits heute Morgen mit Berufung auf Insider, dass das Unternehmen diese Pläne absagen wollen. Diese Informationen hat Thyssenkrupp inzwischen bestätigt.

Börsenkurs zu niedrig, Auflagen zu hoch

Die Gründe für die Absage hängen nach Konzernangaben vor allem mit der geplanten Stahlfusion zusammen: Nach letzten Gesprächen gingen die beiden Unternehmen davon aus, dass die EU-Kommission das geplante Joint-Venture ihrer Stahlaktivitäten aufgrund von Wettbewerbsbedenken nicht genehmigen werde. Durch die geplatzte Fusion, sind auch die Aufspaltungspläne insgesamt neu zu bewerten. Der Thyssenkrupp-Vorstand wolle daher dem Aufsichtsrat vorschlagen, die ganze geplante Aufspaltung abzusagen. Grund dafür sollen laut Handelsblatt auch die hohen Kosten der Neustrukturierung, für die etwa 1 Mrd. Euro zu veranschlagen gewesen wären.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung hängt der geplatzte Deal jedoch auch mit mit dem sinkenden Börsenwert des Unternehmens zusammen: Die ursprünglichen Pläne sahen vor, das die beiden Unternehmen weiterhin verbunden bleiben sollten: Insbesondere das konjunktursensible Stahlgeschäft sollte durch einen Beteiligung an dem stabileren Industriegüter-Konzern abgesichert werden. Bei dem aktuellen Tiefstand – die Thyssenkrupp-Aktie stand zuletzt so niedrig wie seit 15 Jahren nicht mehr – hätte die Beteiligung jedoch so hoch ausfallen, dass das Konstrukt den Insidern zufolge insgesamt nicht mehr sinnvoll sei.

Neuer Plan sieht Holding vor

Nach dem Platzen der Fusionspläne hat Thyssenkrupp „die strategischen Optionen für das Unternehmen neu bewertet“. Stattdessen wolle sich das Unternehmen nun mit den bestehenden Geschäften durch eine schlankere Holding-Struktur sowie eine stärkere Performance-Orientierung neu ausrichten. Die notwendigen finanziellen Mittel für diese Neustrukturierungen soll derweil ein Börsengang des Fahrstuhl-Geschäfts einbringen. (jg)

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