Juni 2014
| von Philip Bittermann, Redaktion
Das Gasfeld befindet sich rund 200 km westlich der australischen Küste. Bild: niroworld - Fotolia.com

Das Gasfeld befindet sich rund 200 km westlich der australischen Küste. Bild: niroworld - Fotolia.com

Die Anlage soll bereits in diesem Jahr die Produktion aufnehmen und ab dann rund 8 % der globalen Flüssiggas-Menge liefern. Und das für einen längeren Zeitraum: Anfängliche Schätzungen beliefen sich auf eine Förderzeit von 30 Jahren, mittlerweile gehen die optimistischsten Studien von bis zu 60 Jahren aus. Zugegeben, das Delta zeigt, dass hier wieder viel in die Kristallkugel geblickt wurde. Trotzdem steht fest: Das Greater-Gordon-Gasfeld ist eines der lukrativsten Erschließungsgebiete der Welt. Und zieht gleich mehrere Big Player in seinen Bann: Das Vorhaben ist mehrheitlich den Konzernen Chevron, Exxon Mobil sowie Shell zuzuordnen. Letzterer hat für das Gebiet gleich zwei Eisen im Feuer: Neben dem Projekt, dem sich dieser Artikel im Detail widmet, baut der Öl-Multi zeitgleich eine schwimmende LNG-Anlage, das sogenannte Prelude-Projekt, das wir bereits im Januar diesen Jahres in einem Einblick-Artikel vorstellten.

Abnehmer in allen Richtungen
Auf den ersten Blick mag das Prelude-Projekt an dieser Stelle vielleicht ein wenig spektakulärer klingen; aber das Gorgon-Projekt muss sich in keiner Hinsicht verstecken. Im Grunde besteht das Vorhaben aus einem Offshore- und einem Onshore-Abschnitt: Teil eins liegt in einer Tiefe bis 1.300 m – hier sollen in den kommenden Jahren zwischen 20 und 30 Bohrungen entstehen, mit denen die Betreiber das Gas fördern wollen. Verbunden sind diese Bohrungen mit der Australien vorgelagerten Insel Barrow Island. Hier entstehen drei Anlagen, die gemeinsam künftig rund 15 Mio. t LNG/a produzieren soll. Der Name Barrow, zu Deutsch so viel wie Schubkarren, ist sicher auch kein unpassender Name, denn nach erfolgter Verflüssigung wird das Gas von hier in alle Welt verschifft. Bereits bis August 2010 summierten sich die zumeist sehr langfristigen Lieferverträge (zwischen 15 und 25 Jahren) auf rund 200 Mrd. AUD; die Abnehmer entstammen mehrheitlich dem asiatischen Raum. Aber auch in Indien, Indonesien sowie Mexiko finden sich die Zielhäfen der LNG-Schiffe. Lieferaufträge über weitere 100 Mrd. AUD sind laut Experten zu erwarten. Daneben wird ein Teil des geförderten Gases aber gar nicht erst verflüssigt, sondern mit einer 70 km langen Unterwasser-Pipeline auf das australische Festland transportiert. Dies zementierte die lokale Regierung im sogenannten „Barrow Island Act“, der die Lieferung von insgesamt 2.000 Petajoule vorsieht.

Den Blick Richtung Süden
Neben der Ausbeutung des Gasfeldes gibt es noch ein weiteres Vorhaben, das in die Reihen der Superlative eingeht: Die Verantwortlichen wollen im Erschließungsgebiet insgesamt rund 2 Bn. ft³ CO2 in 2.500 m Tiefe verpressen – und damit zum weltgrößten Anwender der CO2-Injektionsmethode aufsteigen. Damit würde der Betreiber seine Bilanz an Treibhausgasen um zirka 40 % verbessern. Nichtsdestotrotz scheiden sich, wie bei jedem Förderprojekt, an dem Vorhaben die Geister: Umweltorganisationen wie der WWF kritisieren, dass das Ökosystem der als Klasse-A Naturschutzgebiet eingeordneten Barrow-Inseln durch die Arbeiten stark in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, vor allem den Bestand endemischer Tierarten wie der Wallriffschildkröte sehen sie gefährdet. Der Betreiber reagierte mit der Ankündigung, insgesamt 40 Quarantäne-Offiziere einzustellen deren Aufgabe es ist, die Fracht an den Ausgangshäfen für Materiallieferungen auf Tiere und Pflanzen hin zu untersuchen. So soll das Einschleppen fremder Flora und Fauna unterbunden werden. Australien machte hier in der Vergangenheit bereits negative Erfahrung mit der Aga-Kröte, als die Regierung im Jahr 1935 Exemplare der Amphibie zur biologischen Schädlingsbekämpfung aussetzte. Und woraufhin die Bestände des Arguswarans um 90 % einbrachen. Branchenkenner vermuten darüberhinaus, dass sich die Betreiberfirmen mit einem unfallfreien Erschließen des Greater-Gordan-Gasfeldes nicht nur die dortigen Ressourcen sichern, sondern auch gleichzeitig für künftige Explorationen in der Antarktis qualifizieren wollen – denn die Bedenken, in das dortige Ökosystem einzugreifen, sind derzeit noch stärker ausgeprägt als im Fall von Barrow Island.

Kostenfalle oder Goldgrube?
Über Geld spricht man nicht, daran halten sich auch die Verantwortlichen des Gorgon-Projektes. Trotzdem gibt es natürlich schon seit Längerem Schätzungen darüber, was das Fördervorhaben die Betreibergemeinschaft am Ende kosten wird. Und an denen man auch eine derzeitige Entwicklung verfolgen kann, die den Anlagenbau in aller Welt beschäftigt: Der Schiefergas-Boom hat zwar die Gaspreise (vor allem in den USA) in den Keller gehen lassen; gleichzeitig schossen aber die Baukosten durch das metaphorische Dach des gleichen Hauses. Fachkräfte sind für die aktuellen Megaprojekte teilweise auf Jahre gebunden und damit nicht mehr verfügbar. Den Gesetzen der freien Marktwirtschaft folgend, stiegen mit der Verknappung die Preise: Beliefen sich die Gesamtkosten für das Projekt vor der Küste Australiens im Jahr 2003 noch auf 11 Mrd. AUD, werden sie derzeit mit rund 43 Mrd. AUD taxiert. Eine ähnliche Kostenentwicklung kann nur der Pannenflughafen BER nachweisen. Dennoch sehen die Beteiligten – allen voran die australische Regierung – optimistisch in die Zukunft, sollen doch rund 3.500 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen; in der Bauphase sogar 10.000. Darüber hinaus wird das Projekt das australische Bruttosozialprodukt den Erwartungen nach im Laufe der kommenden 30 Jahre um 64 Mrd. AUD bereichern. Nicht zuletzt gehen Fachleute davon aus, dass die Energienachfrage der asiatisch-pazifischen Region in den kommenden 25 Jahren um 65 % steigen wird. Damit hätten die Betreiber eine logistisch optimal positionierte Tankstelle direkt vor Ort.

Informationen zu dem Projekt finden Sie sowohl bei Wikipedia als auch bei Exxon.

Unseren bereits Anfang des Jahres erschienen Artikel über das Prelude-Projekt finden Sie hier.

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