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Planungs- und Betriebsphase stärker zu vernetzen, verspricht Anwendern und Anbietern von CAE-Software Kostenvorteile. Bild: Andrei Merkulov– Fotolia

| von Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK
  • Engineering-Daten sind nicht nur für die Planungsphase wichtig, sondern werden auch im Anlagenbetrieb immer wichtiger.
  • Für die Wartung und Instandhaltung eröffnet die Integration von Planungsdaten und Analyse von Echtzeit-Sensordaten neue Einsparpotenziale im Betrieb.
  • Auch die Baustellenabwicklung bietet noch großes Potenzial für Einsparungen und Produktivitätssteigerungen.
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Im Anlagenbau liegtdie Produktivität auf der Baustelle meistim Argen.Bild: Shutterstock

Günter Mauss

Günter Mauss, Senior Vice President, Intergraph PPM, "Da die Technik weiter voranschreitet, werden die Grenzen zwischen digitaler und physischer Welt weiter verschwimmen."

Die vergangenen zwei Jahre waren für Anbieter von Engineering-Werkzeugen schwierig: Der Verfall des Ölpreises hat dazu geführt, dass zahlreiche Projekte in der Öl- und Gasindustrie gestoppt oder verschoben wurden. Auch im Bergbau ist die Investitionsbereitschaft gesunken – Überkapazitäten in der Stahlproduktion und ein schwächeres Wachstum der chinesischen Wirtschaft drücken die Nachfrage nach Erzen und Kohle.

Beim CAE-Anbieter Intergraph führte das in 2016 zu einem Umsatzrückgang von rund acht Prozent. Obwohl das Unternehmen infolge dessen Sparmaßnahmen eingeleitet hat, ist der Softwareanbieter langfristig optimistisch: Weltweit wird die Zahl der Megaprojekte, so die Annahmen, in den kommenden Jahren deutlich steigen. Treiber sind einerseits Investitionen in alternde Infrastruktur sowie der mit dem Bevölkerungswachstum steigende Bedarf an Energie, Chemikalien und Konsumgütern. „Das Schlimmste ist vorbei“, konstatierte Mattias Stenberg, Präsident des Intergraph-­Geschäftsbereichs Process, Power & Marine (PPM), auf einer Pressekonferenz am Rande der Anwenderkonferenz Cegug im März.

Integration von Software- und Hardwarelösungen

Auch um die Volatilität im Projektgeschäft abzumildern, will der Softwareanbieter künftig vor allem im Geschäft mit Betreibern wachsen. „Wir erzielen derzeit 30 Prozent unseres Umsatzes mit Owner-Operator-Unternehmen, diesen Anteil wollen wir deutlich steigern“, erklärt Stenberg, der bei Intergraph im Januar die Nachfolge von Gerhard Sallinger angetreten hat. Der Schwede erläuterte auf der Anwenderveranstaltung in Darmstadt die künftige Strategie des Unternehmens: „Wir wollen die Kosten senken, die Anstrengungen in Forschung und Entwicklung erhöhen, strategische Aquisitionen tätigen und die Synergien zu unserer Muttergesellschaft Hexagon ausbauen.“

Letzteres bedeutet insbesondere die Integration von Software- und Hardwarelösungen wie den Sensoren, die Hexagon zur As-built-Aufnahme von Anlagen anbietet. Intergraph will zudem eigene Lösungen zur Datenanalyse anbieten, die auch die vorausschauende Wartung von Anlagenkomponenten beinhalten. So sollen beispielsweise Augmented-Reality-Lösungen in der Instandhaltung auch auf die Engineering-Daten des Softwareanbieters zugreifen und so das Anlagen- und Wartungspersonal bei der Arbeit unterstützen. „Das kommt der Sicherheit des Personals beim Arbeiten in gefährlichen Umgebungen zugute, und die Qualität steigt, weil weniger Fehler passieren“, verdeutlicht Günter Mauss, der als Senior Vice President bei Intergraph PPM für Zentral- und Osteuropa zuständig ist.

Der Anbieter verfolgt für die Entwicklung solcher Lösungen seit Jahren einen datenzentrierten Ansatz: So werden Daten, Dokumente und Zeichnungen aus verschiedenen Quellen beispielsweise über die Smart-Enterprise-Portal-Lösung integriert und Engineering- und Anlagenpersonal über das Internet zur Verfügung gestellt. „In Verbindung mit Augmented Reality-Lösungen bieten diese ‚Zero Footprint-Applikationen‘ den Betreibern einen noch nie da gewesenen Zugang zu Echtzeitdaten der Produktionsanlagen“, erklärt Mauss.

Um menschliche Fehler zu vermeiden, hat der Anbieter außerdem ein System entwickelt, das den automatisierten Informationsaustausch zwischen Maschinen erlaubt (Smart Production). Dabei werden Engineering-Informationen genutzt, um beispielsweise Teile oder Schweißbaugruppen zu fertigen und Arbeiten zu planen. Daten aus dem Engineering werden zudem für die wichtigsten Fertigungstechniken wie Schneiden, Sägen und Spalten verwendet. Der automatisierte Prozess verhindert manuelle Fehler und verbessert so Effizienz und Produktivität.

Mehr Effizienz auf der Baustelle

Neben solchen Lifecycle-Lösungen sieht der Softwareanbieter auch auf der Baustelle noch Wachstumspotenzial. „Während sich die Produktivität in der Fertigung in den vergangenen 20 Jahren nahezu verdoppelt hat, stagniert sie im Baubereich und war zeitweise sogar rückläufig“, erklärt Stenberg. Und Probleme auf der Baustelle sind, so Stenberg, auch die Ursache dafür, dass bei fast allen Megaprojekten die Kosten aus dem Ruder laufen oder sich die Fertigstellung verzögert.

Neue Softwarelösungen und die verstärkte technische Integration von Baustelleninformationen sollen helfen, die Produktivität auf der Baustelle zu steigern. Mit Smart Build hat der Softwareanbieter im vergangenen Jahr eine „Enterprise Construction Management“-Software auf den Markt gebracht, mit der Baufortschritt und Abweichungen in Echtzeit überwacht werden und die dabei helfen soll, Workflows zu verbessern und Kosten einzusparen. Die Nutzung von Open BIM als Austauschformat von Bauinformationen (Building Information Model) soll zu einer höheren Produktivität und Qualität auf der Baustelle beitragen. „Da die Technik weiter voranschreitet, werden die Grenzen zwischen digitaler und physischer Welt weiter verschwimmen“, fasst Günter Mauss die Entwicklung zusammen.

 

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Mattias Stenberg, Präsident desGeschäftsbereichs Process, Power& Marine (PPM) bei Intergraph,"Wir wollen in Zukunft noch stärker mit Produkten für den ganzen Lebenszyklus einer Anlage wachsen."

Interview mit Mattias Stenberg, Intergraph

„Die Integration von Sensorik und Software wird stark an Bedeutung gewinnen“

CT: Welches sind derzeit die wichtigsten Wachstumsfelder für Intergraph?
Stenberg: Wir wollen in Zukunft noch stärker mit Produkten für den ganzen Lebenszyklus einer Anlage wachsen – zum Beispiel für die Wartung und Instandhaltung von Anlagen. Die gute Nachricht ist, dass wir bereits ein Drittel unseres Umsatzes mit Betreibern von Anlagen generieren. Die weniger gute: das ist bereits seit Jahren so. Um hier noch bessere Produkte anbieten zu können, wollen wir die Arbeitsabläufe der Kunden besser verstehen. Dazu haben wir in den vergangenen Jahren zahlreiche Fachleute aus Betreiberunternehmen eingestellt. Deren Gedanken sind bereits in einige der Produkte eingeflossen, die wir in Kürze vorstellen werden.

CT: Anlagenservices und die Software dazu sind ein ganz anderes Geschäft, als Planungssoftware für den Anlagenbau. Wie groß ist der Anteil am Intergraph-Umsatz?
Stenberg: Das stimmt – bislang macht das vielleicht zehn Prozent unseres Gesamtumsatzes aus. Aber das ist der Bereich, in dem wir in den kommenden Jahren stark wachsen wollen.

CT: Sie wollen die Synergien zur Intergraph-Mutter Hexagon künftig verstärken. Worin bestehen diese?
Stenberg: Es gibt traditionell eine starke Verbindung zwischen den Laser-Scan-Lösungen von Hexagon und der Software von Intergraph. Die Integration von Sensorik und Software wird stark an Bedeutung gewinnen. Insbesondere Lösungen für die vorausschauende Wartung haben wir dabei im Blick. Die Integration von Sensordaten in unsere Systeme und die Analyse dieser Daten sind wichtige Kernkompetenzen. Für die Zukunft sehen wir hier auch Potenzial für Systeme, die künstliche Intelligenz zur Echtzeit-Datenanalyse und zur vorausschauenden Wartung nutzen.

CT: Werden Sie auch eigene Asset-Management-Lösungen anbieten?
Stenberg: Auf jeden Fall. Unsere Softwareprodukte stellen bereits heute die Verbindung zwischen Planung, Beschaffung und Materialwirtschaft bereit – da ist es nicht weit, dass wir auch Bestellvorgänge für Ersatzteile handhaben, wenn diese im Rahmen von Wartungsvorgängen benötigt werden. Und die Auswertung von Wartungs- und Maschinendaten wird in der Zukunft mit cloud-basierten Lösungen geschehen.

CT: Dennoch erfordert die vorausschauende Wartung und die Analyse von Maschinendaten auch Prozesswissen.
Stenberg: Das ist richtig – in jedem Fall muss der Prozessbetreiber die Grenzwerte und Parameter für die vorausschauende Wartung setzen, und entscheiden, welche Soll-Abweichungen noch akzeptabel sind. Aber bereits heute sehen wir den Trend, dass diese Aufgaben bei den betreibereigenen Engineering-Abteilungen immer näher an die Planung heranrücken und integriert werden.

Zur Person: Mattias Stenberg

Mattias Stenberg hat bei Intergraph im Januar 2017 als Präsident des Geschäftsbereichs Process, Power & Marine (PPM) die Nachfolge von Gerhard Sallinger angetreten. In der Funktion verantwortet Stenberg die strategische Ausrichtung und die Geschäftsentwicklung der Hexagon-Tochter. Stenberg ist seit 2009 in verschiedenen Funktionen bei Hexagon tätig, zuletzt als Chief Strategy Officer. Der Betriebswirt und Absolvent der Computerwissenschaften war zuvor bei einem Automobilzulieferer sowie einem Softwareunternehmen für Telekommunikation beschäftigt. Stenbergs Vorgänger Gerhard Sallinger hat bei Hexagon die Aufgaben des Senior Vice President of Strategic Alliances übernommen.

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