Juni 2015
| von Armin Scheuermann, Redaktion

CT: Welche Regionen verändern sich derzeit besonders dynamisch?
Nowicki: Russland und die USA sind aktuell die dynamischsten Regionen für den Chemieanlagenbau. In Amerika reagieren Investoren tendenziell kurzfristiger, dort scheint derzeit Abwarten angesagt zu sein – sowohl wegen des gesunkenen Ölpreises als auch aufgrund der gestiegenen Baukosten. In Russland gibt es eine Menge Gas, aber die Devisen werden knapp. Außerdem wird dort die Lokalisierung massiv vorangetrieben, d.h. immer mehr Leistungen müssen vor Ort eingekauft und erbracht werden. Wenn man aber ein cleveres Lokalisierungs- und Finanzierungskonzept vorweisen kann, dann ergeben sich auch derzeit in Russland viele Chancen. 

CT: Welche Komponenten des Linde-Portfolios sind derzeit für den US-Markt besonders interessant?
Nowicki: Getrieben durch die Erdgas-Förderung gehen Cracker, Syngas- und Wasserstoffanlagen derzeit besonders gut. Viel Erfolg haben wir auch mit einem eigenen Prozess für kleine Ammoniak-Anlagen. Es gibt in den USA viele kleinere Unternehmen, die bislang Ammoniak zugekauft haben, und die diesen Rohstoff aufgrund des billigen Erdgases nun selbst herstellen wollen.

Mittelfristig könnten dort auch kleine LNG-Anlagen für Mobilitätsanwendungen interessant werden. Große Spediteure denken darüber nach, Teile ihrer Logistikflotten auf LNG umzurüsten. Durch den niedrigen Ölpreis ist die Differenz zwischen Erdgas- und Ölpreis deutlich kleiner geworden, aber langfristig sehen wir hier einen guten Markt.

CT: Wie fühlen Sie sich in diesem für den Anlagenbau sehr volatilen Umfeld?
Nowicki: Der Anlagenbau war schon immer volatil – das ist für uns also nichts Neues. Unser hoher Auftragsbestand gibt uns ein beruhigendes Sicherheitspolster. Ich glaube, dass sich die gesamte Industrie derzeit neu orientiert. Es gibt speziell in den USA Unternehmen, die ganz bewusst antizyklisch investieren und die derzeit die eine oder andere Lücke im Markt nutzen. Aufgrund der Breite unseres Portfolios sind wir gut aufgestellt und deshalb auch weiter positiv gestimmt.

Zum Unternehmen
Linde Engineering

Linde Engineering (LE) ist die Anlagenbau-Division des Gas- und Anlagenbaukonzerns The Linde Group. Im internationalen Projektgeschäft Anlagenbau konnte Linde ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2014 verzeichnen. Der Umsatz in der Engineering Division stieg um 7,9 Prozent auf 3,106 Mrd. Euro. Mit 9,7 Prozent erzielt LE eine deutlich über dem Branchendurchschnitt liegende Marge. 2014 wurden Aufträge im Wert von 3,206 Mrd. Euro gewonnen. Mehr als die Hälfte der Neuaufträge entfiel auf die Region Europa. Aus Nordamerika stammten rund 25 Prozent des Auftragseingangs, weitere gut 10 Prozent aus Asien. Der Auftragsbestand der Engineering Division lag Ende Dezember 2014 bei 4,672 Mrd. Euro.

Zur Person
Jürgen Nowicki

Jürgen Nowicki (51) hat an der TU Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen studiert und trat 1991 bei Linde ein. Nach verschiedenen Positionen im Finanzmanagement in Deutschland, Tschechien und den USA ist Nowicki seit 2011 Mitglied der Geschäftsleitung der Linde Engineering Division. Er ist Sprecher des Gremiums und verantwortlich für die Sicherheit, die finanziellen und administrativen Funktionen sowie für die vier Hauptregionen China, Südostasien, Mittlerer Osten und Russland. Nowicki ist verheiratet und hat zwei Kinder. Top3715

Achema 2015 Halle 9.1 – D4

 

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