| von Armin Scheuermann , Redaktion

Ein Vierteljahr bevor die Achema 2009 ihre Pforten öffnet, wollten wir´s wissen: Woran arbeiten die Hersteller von Armaturen und welche Schwerpunkte bestimmen die Entwicklungsbemühungen? 132 Anbieter haben wir gefragt und 22 Antworten zum Stichtag im Januar ausgewertet (Rücklauf: 17%). Und da wir bereits im Frühjahr 2005 eine Umfrage mit zum Teil identischen Fragestellungen durchgeführt hatten, konnten wir vergleichen: Was ist aus den damaligen Erwartungen für zukünftige Entwicklungen geworden? Sind die vor vier Jahren vorgenommenen Einschätzungen auch eingetroffen? Und: Wurden die damaligen Zertifizierungsvorhaben wie TA-Luft, Atex, SIL etc. auch umgesetzt?

Letzteres lässt sich relativ schnell beantworten: Atex- und TA-Luft-Zertifikate sind heute ein klares Muss: 95% der Hersteller bieten nach 94/9/EG zertifizierte Armaturen an, 79% liefern Armaturen mit TA-Luft-Zertifikat aus. Dass die „Funktionale Sicherheit“, SIL, auch für Armaturenanbieter dermaßen zum Thema werden wird, konnten die Lieferanten dagegen vor vier Jahren noch nicht ahnen. Abnehmer aus der Chemie, allen voran die BASF, haben dem durch Spezifikationen und Anforderungen deutlich Vorschub geleistet. Und obwohl – wie im Beitrag „Ende des SIL-Verwirrspiels?“ in dieser Ausgabe beschrieben – ein SIL-Zertifikat für eine Einzelkomponente des Sicherheitskreises nicht viel aussagt, ist der Run auf SIL-Dokumente längst entbrannt: 32% der Hersteller gaben an, bereits Armaturen mit SIL-Zertifikat anzubieten, 42% wollen in Zukunft nachziehen.
Die Widersprüchlichkeit des Ergebnisses passt ins Bild: 26% der Befragten gaben zu, dass in ihrem Unternehmen beim Thema „Funktionale Sicherheit“ noch Unklarheit herrscht, 32% sind zumindest teilweise dieser Meinung. Lediglich 42% der Hersteller fühlen sich beim Thema SIL sattelfest. Immerhin 79% der Hersteller wurden in Angebotsspezifikationen bereits mit der Einhaltung der Normen IEC 61511 bzw. deren Grundnorm IEC 61508 (Klassifizierung nach SIL) konfrontiert. Aber auch bei den Kunden und Betreibern herrscht noch Informationsbedarf: Die Anbieter schätzen, dass bei 84% ihrer Kunden derzeit noch Unklarheit zum Umgang mit dem Thema „Funktionale Sicherheit“ besteht.

Entwicklungsschwerpunkte: Zuverlässigkeit und Temperaturbeständigkeit

An erster Stelle sehen die Armaturenhersteller bei der Frage nach den derzeitigen Entwicklungsschwerpunkten den Aspekt „Zuverlässigkeit“ – gegenüber 2005 hat sich daran kaum etwas geändert. Allerdings wird die Erhöhung der Lebensdauer nicht mehr so bedeutend eingeschätzt, das Entwicklungsziel hat vier Plätze eingebüßt und rangiert jetzt nach den Aspekten „Dichtheit nach außen“ und „Dichtheit nach innen“. Nach wie vor spielen Wartungsaspekte bei der Armaturenentwicklung eine wichtige Rolle. Interessanterweise zeichnet sich ein Trend hin zu höheren Oberflächenqualitäten ab. Dieses Ergebnis korreliert mit dem Entwicklungsziel, die Reinigungseigenschaften der Armaturen zu verbessern und die CIP- sowie SIP-Beständigkeit zu steigern.

Überhaupt ist die Beständigkeit der Armaturen gegenüber den Einsatzbedingungen ein Dauerbrenner. Hier stehen zurzeit vor allem die Entwicklung von Hochtemperatur-Armaturen sowie solchen, die aggressiven Medien standhalten im Vordergrund.
Interessanterweise hat sich die Erwartung der Hersteller von 2005 im Hinblick auf kostengünstige Versionen als Entwicklungsschwerpunkt nicht bestätigt. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass der Boom im Anlagenbau den Wettbewerbsdruck in den vergangenen vier Jahren deutlich entschärft hat. Aber auch die Überwachung der Dichtheit ist nicht zu dem überragenden Entwicklungsziel geworden: Hatten 2005 noch 60% der Anbieter mit einer steigenden Bedeutung dieser Funktion gerechnet, so halten dies heute nur 39% der Befragten für wichtig bis sehr wichtig. 56% rechnen mit einer gleichbleibenden Bedeutung. Auch das aus Kostengründen attraktive Ziel, modulare Konstruktionen einzusetzen, wurde nicht zum Killerkriterium der Entwickler.

Trend zu Low-Cost-Armaturen hat sich nicht bestätigt

Gleiches gilt für die eigene Entwicklung von Antrieben – heute messen lediglich 6% der Befragten diesem Schwerpunkt steigende Bedeutung zu, und auch nur 22% der Hersteller halten die Antriebsentwicklung für gleichbleibend wichtig. Hier hat sich der Trend zur Spezialisierung klar durchgesetzt. Allerdings geht die Mehrheit der Befragten von einer zunehmenden Automatisierung sowie einer steigenden Zahl von Regelungsanwendungen aus und forciert die dafür notwendigen Entwicklungsbemühungen. Auf der Werkstoffseite arbeiten die Anbieter sowohl an neuen metallischen Konstruktionen und setzen außerdem verstärkt Kunststoffe ein.

Ein weiteres interessantes Detail unserer Befragung zeigt sich bei der Frage nach einer validierbaren Reinigung sowie den Selbstentleerungseigenschaften der Armatur – diese Aspekte rangieren im unteren Drittel der derzeitigen Entwicklungsschwerpunkte. Anscheinend sind aus Sicht der Hersteller zwar Armaturen gefragt, die in CIP- und SIP-Prozessen eingesetzt werden können, einen breiten Trend zu Pharma-konformen Ausführungen gibt es dagegen nicht.

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe, mit welchen Entwicklungsschwerpunkten die Armaturenhersteller in Zukunft rechnen.

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