| von Armin Scheuermann , Redaktion

  • Bei Main Automation Vendor Projekten übernimmt der Auftragnehmer die Verantwortung für die Automatisierungstechnik.
  • Besonders bei komplexen Systemen, bei denen die Integration verschiedener Komponenten unterschiedlicher Hersteller notwendig ist, werden MAV-Verträge immer bedeutender.
  • Der Ansatz MAV Plus geht über die Neuinstallation hinaus und erstreckt sich über den gesamten Lebenszyklus einer Anlage.
  • In der hier vorgestellten Lösung übernimmt das Systemhaus Lang+Peitler die MAV-Verantwortung, während Endress +Hauser als Main Instrumentation Vendor für die Schnittstelle zum Prozess zuständig ist.

Die Funktionsvielfalt in der Automatisierungstechnik hat ihren Preis: Die Komplexität steigt. Ob Leitsysteme, Komponenten der Verkabelung (Physical Layer) sowie Messgeräte und Aktoren auf Anhieb richtig zusammenarbeiten, ist mit der Einführung von Feldbussystemen etc. längst nicht mehr selbstverständlich. Und das Horrorszenario eines Prozessbetreibers der seine Anlage nicht in Betrieb nehmen kann sieht ungefähr so aus: Leitsystemlieferant und Feldgeräteanbieter erklären im Falle des Falles unisono, dass das Problem nicht von den eigenen Komponenten verursacht wird. Der Anwender wird zum Spielball.

Um diese Situation zu vermeiden, gibt es grundsätzlich zwei Wege: Der Betreiber wählt einen Lieferanten, der alle Geräte und Systeme aus einer Hand liefern kann, oder er sucht sich einen „Main Automation Vendor“ (MAV), der die Verantwortung für die Automatisierungsstruktur übernimmt, wobei die Geräte von verschiedenen Herstellern stammen können. Der Ansatz „Universal-Lieferant“ zeichnet sich durch erwartungsgemäß wenig Integrationsprobleme aus, wird aber nicht in jedem Fall zum Einsatz der optimal geeigneten Geräte zum jeweils besten Preis führen. Außerdem riskiert der Betreiber eine weitgehende Abhängigkeit von diesem Hersteller. Im Gegensatz dazu ermöglicht das MAV-Konzept die Auswahl der „best in class“-Geräte zu wettbewerbsfähigen Preisen sowie einen weitgehenden Einfluss des Betreibers auf die Geräteauswahl. Das Risiko der Geräteintegration trägt der MAV.
Wie bedeutend dieses ist, wird anhand der rapiden Fortschritte in der Signalübertragung und Buskommunikation deutlich. Von der Remote-I/O-Kommunikation über Profibus und Foundation Fieldbus bis hin zur Ethernet-Kommunikation reicht das Spektrum der Möglichkeiten, das durch Gerätebeschreibungskonzepte wie FDT/DTM oder EDDL flankiert wird, und das längst nicht mehr nur eine Problemstellung der Feld- und Leittechnik ist. Denn mehr und mehr besteht der Wunsch, die Automatisierungsstruktur auch in die übergeordneten Systeme zur Betriebs- und Unternehmensführung (MES und ERP) zu integrieren. Dazu kommt, dass mit schnelleren Innovationszyklen bei den Automatisierungsgeräten in jeweils unterschiedlichen Innovationszyklen die Geräteintegration immer schwieriger wird.

Kosten über lange Zeiträume planbar

Zu Recht fragen Anwender, ob und wie die unterschiedlichen Automatisierungskomponenten in einer Prozessanlage in Zukunft zum Beispiel bei Software-Updates etc. zusammenarbeiten werden. Dazu kommt der Wunsch, die Technik-Kosten einer Anlage möglichst über lange Zeiträume planen zu können, um Sicherheit hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit eines Produktionsprozesses zu gewinnen. Ein weiterer Aspekt ist, dass Anlagenprojekte mehr und mehr von externen Dienstleistern (EPC) geplant und realisiert werden. „Deren Kompetenzen hinsichtlich der neuen Automatisierungstechnologien sind nicht immer ausreichend“, stellt Michael Ziesemer, Direktor für Vertrieb und Marketing bei Endress+Hauser fest. Und so wächst bei manchen Betreibern der Wunsch, nicht nur beim Neubau einer Anlage, sondern über deren ganzen Lebenszyklus, also auch während der Prozessoptimierung, beim Betrieb und bei der Instandhaltung, die Verantwortung für eine funktionierende Automatisierungsstruktur an einen kompetenten Partner zu übergeben.

Unter der Bezeichnung „MAV Plus“ haben der Automatisierungsdienstleister Lang und Peitler und der Instrumentierungsspezialist Endress+Hauser auf der Namur-Hauptsitzung im November einen Ansatz vorgestellt, wie das „Main Automation Vendor“-Konzept für den gesamten Lebenszyklus erweitert werden kann. Während das zur M+W Zander-Gruppe gehörende Engineeringunternehmen Lang und Peitler als MAV-Auftragnehmer auftritt und für die Realisierung der Prozesssteuerung und -führung zuständig ist, besteht die Aufgabe von Endress+Hauser darin, die Prozessschnittstelle optimal zu realisieren (Main Instrumentation Vendor, MIV). „Da im MAV Plus-Ansatz ein Auftragnehmer für die Funktionalität sowie für die Migrations- und Erweiterungsfähigkeit der Gesamtanlage über den gesamten Lebenszyklus verantwortlich ist, erhält der Anlagenbetreiber Investitionssicherheit und kalkulierbare Kosten“, verdeutlicht Günter Lang, Lang und Peitler, den Nutzen.
In der Umsetzung wird die Zusammenarbeit zwischen den Partnern durch langfristige und projektunabhängige Kooperationsverträge geregelt. Voraussetzung für ein erfolgreiches Projekt ist allerdings, dass sich das übergeordnete Management von Betreiber und MAV-Partner zu einer gemeinsamen Zielsetzung bekennt. Der MAV Plus-Partner sorgt durch Kontinuität des betreuenden Personals in der Projekt- und Betriebsphase dafür, dass spezifisches Anlagen-Know-how wächst und die Anlage kontinuierlich und ganzheitlich betreut wird. „Damit die eingesetzten Systeme und Komponenten kompatibel sind und bleiben, arbeiten wir eng zusammen“, beschreibt Günter Lang die Kooperation mit Endress+Hauser. Zusätzlich zu der zwischen den beiden Partnern vereinbarten Kooperation sieht das Konzept vor, weitere Partner aus den Bereichen „Sicherheitsgerichtete Steuerungen“, „Schaltanlagen“, „Aktoren“ und „MES-Systeme“ einzubinden. Für die Verträge erwarten die Anbieter eine Laufzeit von zwei bis drei Jahren, die danach jeweils verlängert werden können.
Fazit: Der Ansatz MAV Plus geht über die bei Main Automation Vendor-Neuanlagenprojekten übliche Lieferung der Automatisierungstechnik aus einer Hand hinaus und soll sich über den gesamten Lebenszyklus einer Anlage erstrecken. Der Betreiber profitiert durch ein Plus an Sicherheit hinsichtlich Kalkulation und Integration unterschiedlicher Komponenten, deren Verantwortung beim MAV-Partner liegt.

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