Dezember 2015
  • Auf der diesjährigen Namur-Hauptsitzung in Bad Neuenahr spielte das Thema Industrie 4.0 eine große Rolle. Daher lud der Veranstalter auch zu einem Workshop.
  • In diesem präsentierten die Moderatoren insgesamt fünf Thesen, die sich mit dem Sinn, der Machbarkeit und den sich unter Umständen ergebenden Veränderungen für Anwender und Lösungsanbieter beschäftigten.
  • Es folgte eine offene Diskussion über Chancen für die Prozessindustrie. Aber auch Vorbehalte gegenüber einer Welt, in der die Macht der Daten überhand nimmt, kamen zur Sprache.


These 4:
Automatisierer werden von der IKT geschluckt

Wie bereits gesagt: Künftige Anwendungen und Geschäftsmodelle basieren auf Daten. Und was die Datenverarbeitung angeht, liegt die Kompetenz klar in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) – und aufgrund von lukrativen Massen-Applikationen im Consumer-Bereich auch auseichend Kapital. Eine Gefahr der Übernahme wollten die versammelten Automatisierer (standesbedingt?) erst einmal nicht sehen, da die IKT-Branche zwar viel von Daten, nichts aber von Prozesstechnik verstehe. Eine Übernahme sei wohl erst dann logisch, wenn künftige Entwicklungsfelder faktisch nur noch auf Kommunikation basierten. Denn die IKT baut auf kostengünstige Massenproduktion. Und in dem Moment, in dem prozessspezifische Entwicklungsarbeit investiert werden müsse, sei die Chemie im Grunde zu kleinteilig und damit uninteressant. Ein weiterer Grund gegen eine Übernahme – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – sei die Tatsache, dass noch nicht abzusehen wäre, und hier sei wieder auf These 3 verwiesen, an welchen Stellen künftig die Wertschöpfung liege. Die Felder der klassischen Automatisierung und der IKT würden aber, so die einhellige Meinung, künftig sicher enger zusammenrücken und die Grenzen hier und da verwischen. Data-mining sahen die Teilnehmer als eines der wichtigsten Zugpferde für die Zukunft ihrer Branche. Dabei stünden aber vor allem sie selbst, die Automatisierer in der Pflicht, vorhandene Kooperationsfelder zu suchen und zu realisieren. Denn, so ein süffisant-demütiger Kommentar: Der Floh brauche den Hund, der Hund aber nicht den Floh.

These 5: Vernetzte Sensoren sind eine nette
Vision, wir werden sie aber nicht verwenden

Vernetzte Sensoren liefern die Daten, die Industrie 4.0 in der Prozesstechnik erst möglich machen. Aber haben die Betreiber wirklich Interesse an einer solchen Technologie, von der sie die Angst haben sie nicht kontrollieren zu können? Tatsache ist, dass die Messdaten-Kommunikation heute noch zu 80 % analog funktioniert. Einigen Anwendern grause es gar vor einer Datenflut von 700 Parametern, die ihnen eine moderne Kommunikationstechnologie ermöglichen würden; sie schwören auf ihre guten alten 4…20-mA-Signale. Hier kam allerdings sogleich die Frage auf, ob dies vielleicht auch einfach daran liege, dass 80 % der Automatisierer alt, und 20 % jung seien. Und die Debatte also vielleicht gar keinen technischen Ursprung habe, sondern ein Generationsproblem sei. Völlig unabhängig vom Alter, mangelt es derzeit vielen noch an Standardisierung. Ein Teilnehmer veranschaulichte die Problematik mit dem Bild eines Leihwagens: er möchte einsteigen und losfahren. Solange ein digitaler Sensor nicht ähnlich einfach zu handhaben sei, sei das Interesse in der Prozessindustrie ob der gestiegenen Komplexität nur schwer zu wecken. Wenn nachts um halb drei in der Anlage ein Sensor streike, dann müsse der Facharbeiter vor Ort diesen im Plug & Play-Verfahren austauschen können. Irgendein Anwender müsse sich einfach einmal trauen und der neuen Technologie eine Chance geben; es spreche ja nichts dagegen, beide Technologien zu Beginn parallel laufen zu lassen, wurde sogleich gekontert. Anderen Teilnehmern war die Debatte, ob nun digital oder analog, fast schon egal: Ihnen geht es einzig und alleine darum, dass die Übertragung des Primärsignals stabil und genau vonstatten geht. Raumübergreifende Einigkeit herrschte aber über die Tatsache, dass der Wettbewerb in der chemischen Industrie weltweit zunimmt, gleichzeitig sinken die benötigten Mengen in den Endanwendungen. Es steigt also der Druck zur Optimierung, die ein hohes Maß an Prozessverständnis und Rückverfolgbarkeit zurück in die Wertstoffkette erfordert. Das alles können Betreiber nur mit einem digitalen Netzwerk erreichen. Darum stelle sich die Frage des Ja oder Nein im Grunde gar nicht, so ein Teilnehmer. Die Umstellung sei alternativlos – der Nutzen der neuen Technologie bisher nur noch nicht ausreichend kommuniziert. Hier ging abschließend die Forderung an die verantwortlichen Manager der Betreiberfirmen, dafür zu sorgen, dass künftig immer in die digitale Technologie investiert würde.

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