| von Berger

Ohne die komplette Kolumne noch einmal zu wiederholen – interessierte Leser können diese unter www.chemietechnik.de abrufen – hier noch einmal die Kernpunkte, die Dieter Schaudel in CT 10 dargelegt hat:

  • „Es gibt für die Prozessautomatisierung wichtigere Themen als Wireless.“
  • „Die noch druckfeuchte Namur-Empfehlung NE 133 wird es – so professionell sie auch auftritt – nicht leisten können, der Diskussion einen neuen Spin zu geben.“
  • „Die ineinander verbissenen Hauptkontrahenten (Hart vs. ISA 100) sind paralysiert und haben in 2007 gar nicht bemerkt, dass in China die ,Wireless Networks for Industrial Automation Union‘ (WIA) gegründet wurde.“
  • „Die NE 133 kommt meiner Meinung nach und der vieler anderer mindestens fünf Jahre zu spät!“
  • „Wir werden auf absehbare Zeit mit der Vielfalt leben müssen – sie wird sogar noch größer werden. Da kann der Anwender noch so sehr mit ,Kaufverweigerung‘ drohen.“
  • „Solange sich mit Komponenten und Systemen für die Prozessautomatisierung solche Margen im Markt erzielen lassen wie in der Vergangenheit und derzeit wieder, solange gibt es für die Anbieter überhaupt keinen Standardisierungsdruck.“
  • „Obwohl Geräteintegration das viel wichtigere Thema ist, bahnt sich auf dem Gebiet Vergleichbares an.“

Dr. Gunther Kegel, Geschäftsführer Pepperl+Fuchs
„Die Bälle flach halten“

Ihre Kolummne bringt es auf den Punkt. Die Hersteller von Automatisierungsgeräten und Komponenten liebäugeln und experimentieren schon lange mit drahtlosen Systemen zur Datenübertragung bis hin zur Energieübertragung. Diese proprietären Speziallösungen haben vielfältig Einzug in die Industrie – auch die Prozessindustrie – gefunden. Um den drahtlosen Technologien allerdings zu einem breiten Durchbruch zu verhelfen braucht es vor allem eins: Einen klar bezifferbaren Kundenvorteil. …Die gezeigten Exotenanwendungen brauchen aber weder Multivendorsysteme noch den dazu notwendigen gemeinsamen Standard. Beides braucht man nur, wenn ein nennenswerter Teil der heute verdrahteten Prozess-Sensorik und Aktuatorik drahtlos angebunden werden soll – hier fehlt bisher aber leider eine nachvollziehbare Nutzenargumentation.
Insofern sind beide – Hersteller wie Anwender – gut beraten „die Bälle flach zu halten“! Die Hersteller sollten … den wirklichen Kundennutzen im Auge behalten. Die Anwender sollten keine falsche Hoffnung wecken, dass die Lösung der Probleme „gemeinsamer Standard“ und „zuverlässige Geräteintegration“ schlagartig zu einer breiten Akzeptanz und Anwendung von drahtlosen Systemen führen wird. Auch und gerade für den Anwender ist das Nutzenargument zum Schluss das einzig Ausschlaggebende.

Prof. Roland Werthschützky, Technische Universität Darmstadt
„Viel Wildwuchs“

Ich unterstütze Ihren Standpunkt voll. Es ist wirklich schade, dass die Namur erst jetzt die Anwenderanforderungen vorlegt. Es gibt bereits viel „Wildwuchs“ und die Gefahr, dass die deutschen Firmen ins Hintertreffen kommen, ist hoch…

Hartmut Wallraf, Technology Adviser Invensys, Chairman FDT Group
„Es fehlt das durchgängige Systemkonzept“

Ihre Einschätzung teile ich bezogen auf die Egoismen und die vertane Zeit. Die Größe des Marktpotentials sehe ich allerdings nicht so positiv. Nach meiner Erfahrung der letzten Monate hat sich bei den Herstellern, die HART 7 propagieren, ein sehr starker Fokus auf die Gerätekommunikation ergeben und man hat die Systemseite vernachlässigt. Das ist auch die Crux zwischen dem 100.11 Lager und HART 7 Lager… Die Fronten zwischen beiden Lagern sind aber so groß, dass eine Vereinheitlichung nicht zu erwarten ist. Die WIA-PA ist eine gute Synthese von beidem und ich sehe hier ein hohes Erfolgspotential… Das Problem sehe ich im Marktpotential. Selbst wenn in der Zukunft in Asien mehr Investiert wird, fehlt selbst bei der WIA-PA das durchgängige Systemkonzept… Und FDI wird nicht zu einer einheitlichen Integration der Feldgeräte führen sondern FDI und FDT werden weiter parallel zum Gerätemanagement genutzt werden. Das hat mit den Interessen der beteiligten Firmen zu tun und ist auf ein zu kurz gedachtes Konzept zurückzuführen. Es wird sicherlich Verbesserungen geben aber leider zu lange dauern. Auch hier beobachte ich fehlende Weitsicht bezüglich dessen was Geräte und Systeme benötigen, um den Integrationsbedarf abdecken zu können.

Thomas Meier-Künzig, Senior Engineer, DSM Nutritional Products
„Fehler des Feldbus-Kriegs werden wiederholt“

Ich habe ihre Zeilen wieder mit Genuss gelesen. …Von wegen Normung sind wir dabei, die Fehler des Feldbus-Kriegs bei Wireless zu wiederholen, was ja für die Menschheit „Common-Practice ist“

Rolf Marten, Geschäftsführer Yokogawa Deutschland
„Trägermedium sollte zweitrangig sein“

Ihr Kommentar – gerade zu diesem Thema – hebt sich derart wohltuend und sachlich fundiert vom Marketinggehabe ab, dass kaum adäquate Gegen- und/oder Ko-Kommentare zu erwarten sind. …Ich bedauere grundsätzlich, dass von eher produkttechnisch geprägten Anwendern und Herstellern vordringlicher über die Begrifflichkeit „drahtlos“ anstatt „gleicher Qualität“ (und Standardisierung!) des Informationsinhaltes (Planung, Engineering, Messen, Diagnose, Verfügbarkeit) zwischen Feld und Steuerung ein Grabenkampf ausgetragen wird. Das Trägermedium sollte hierbei zweitrangig sein. Den nutzengeprägten Anwendern der Prozessindustrie wird Standardisierung von Feldbus und Gerätebeschreibung viel wichtiger sein, da liegt ein eindeutig höherer Nutzen auf der Hand…

Klaus Koch, CAT-Consulting für Automatisierungstechnik
„Richtlinien dauern zu lange“

Ich glaube nicht, dass wir durch rechtzeitige Standardisierung die Vielfalt der Lösungen eindämmen können. Das hat schon die Vielfalt bei den Feldbuslösungen gezeigt. … Wichtiger ist vielmehr, dass die (vielen) Varianten in Standards spezifiziert werden, um eine einfache Interoperabilität innerhalb dieser Lösungen zu gewährleisten. …Nachdem der Wind im Markt mittlerweile kräftiger entgegenweht, erscheint es angebracht, dass Anwender und Hersteller enger zusammenrücken und neben der Technik auch die politischen Aspekte (Richtlinien, Normen) stärker bewerten und auf diesem Gebiet schneller Positionen beziehen. Oder warum muss – wie in einem anderen Fall geschehen – die Erstellung einer Richtlinie fünf bis sechs Jahre dauern? Bei solch langen Entstehungszeiten haben wir keine Chance, Richtlinien in die internationale Normung einzubringen, weil diese dann schon längst geschrieben sind.

 

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