Oktober 2011

Mit insgesamt vier Umfragen unter Anwendern und Herstellern von Füll- und Grenzstandmessgeräten haben wir das Thema über das vergangene Jahrzehnt hinweg so gut untersucht und dokumentiert wie kein anderes Segment der Betriebsausrüstung.  Nach 2000, 2004 und 2007 wollten wir nun auch im August 2011 wissen, welche Messprinzipien im Trend liegen, welche Kriterien bei der Auswahl dominieren, wie der Nutzen der Wireless-Technik bewertet wird und welche technischen Entwicklungen besonders interessant sind.
Spannend war aber in der aktuellen Untersuchung nicht nur der Vergleich über die Jahre sondern auch der Vergleich zwischen Sicht der Anwender und der Geräteanbieter. Von 118 angeschriebenen Unternehmen haben bis zum Stichtag 21 Anbieter  an der Umfrage teilgenommen. Wir hatten diese – genauso wie die 2.030 befragten Anwender (19 Antworten) – gebeten, die Entscheidungskriterien bei der Anschaffung zu bewerten und auch nach der Bedeutung der Wireless-Kommunikation in der Standmessung befragt. Zudem wollten wir wissen, welche technischen Entwicklungen als besonders wichtig erachtet werden.

Gute Übereinstimmung mit früheren Umfragen
Insgesamt lässt sich sagen, dass die Ergebnisse – trotz der vergleichsweise geringen Fallzahl – sehr gut mit den Resultaten aus den früheren Befragungen korrelieren. Bezogen auf die Anwendersicht kann festgestellt werden, dass die Geräteanbieter die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Kunden zum Teil sehr genau kennen. So stimmen beide Gruppen exakt überein, dass die Zuverlässigkeit der Messgeräte das wichtigste Entscheidungskriterium ist – und das war in den Jahren 2007, 2004 und 2000 genauso.   Interessant sind allerdings die Punkte, bei denen Hersteller- und Anwendersicht deutlich voneinander abweichen. Auf Rang zwei sehen die Anwender das Atex-Zertifikat; ein Ergebnis, das kaum verwundern dürfte, da alle teilnehmenden Anwender aus der Chemie kamen. Hier weicht die Herstellersicht allerdings ab. Da diese aber nicht nur die Chemie beliefern sondern viele Industrien, erklärt dies. Hier könnte auch die abweichende Meinung in Bezug auf die SIL-Konformität begründet sein. Immerhin 19 Prozent der Hersteller halten diese für weniger wichtig, während alle Anwender hier ein „wichtig“ oder „sehr wichtig“ vergeben hatten.
 
Anwender wünschen sich Zertifikate und niedrige Wartungskosten
Auch die Wartungs- und Instandhaltungskosten haben Anwender naturgemäß stärker im Fokus als die Geräteanbieter. Letztere könnten dieses Kriterium allerdings als Differenzierungsfaktor im Wettbewerb nutzen. Erstaunt hat uns in der Redaktion allerdings die aktuelle Bewertung der „technischen Eigenschaften“. Nach Rang 3 in 2004 über Rang 9 in 2007 ist dieses Entscheidungskriterium inzwischen auf Rang 13 abgerutscht und liegt damit an drittletzter Stelle. Während die Anwender diesen Punkt noch unisono als wichtig/sehr wichtig erachten, halten bereits 38 Prozent der Anbieter die technischen Eigenschaften für weniger wichtig. Das lässt Raum für Interpretationen. Eine könnte heißen, dass die Technik als funktionierend vorausgesetzt wird und bei der Auswahlentscheidung deshalb eine untergeordnete Rolle spielt.
Erstaunlich auch die Ergebnisse bei der Frage nach der Relevanz von Serviceleistungen. An erster Stelle sehen sowohl Anwender als auch Anbieter die Innovationsfähigkeit des Herstellers, gefolgt von Lieferzeit und Beratungskompetenz. Gleich an vierter Stelle folgt aus Anwendersicht die globale Präsenz des Anbieters. Auch dies mag mit der Unternehmensstruktur der teilnehmenden Anwender zusammenhängen, dies waren vor allem Fachleute aus international tätigen Chemieunternehmen. Den überwiegend mittelständischen Anbieter von Füllstandmessgeräten wird dies allerdings zu denken geben, denn bislang halten 27 Prozent der befragten Hersteller die globale Präsenz für weniger wichtig. Für die Zukunft sehen die Anwender vor allem die Aspekte Wartungsintervalle und Instandhaltungskosten mit steigender Bedeutung.

Hersteller überschätzen Nutzen
der Wireless-Kommunikation

Natürlich darf in einer aktuellen Befragung zu Themen der Feldgerätetechnik auch nicht der Aspekt „Wireless-Kommunikation“ fehlen. Hier interessierte uns in erster Linie das Nutzenpotenzial und dessen Einschätzung durch Hersteller und Anwender. An erster Stelle wird hier die Überwindung von Strecken gesehen, für die eine Verkabelung zu teuer wäre. Auch der Nutzen für den temporären Einsatz sowie die vorübergehende Gewinnung zusätzlicher Prozessinformationen wird von beiden Befragtengruppen ähnlich bewertet. Dagegen unterschätzen die Hersteller das Nutzenpotenzial drahtloser Kommunikation für mobile Anwendungen der Instandhaltung und halten dagegen die Nutzung von Diagnosefunktionen für deutlich wichtiger als die Anwender. Ganz besonders deutlich sind die Unterschiede bei der Einschätzung des Nutzens von Wireless-Geräten für Regelungsaufgaben: Diesen halten alle Anwender für gering bzw. sehr gering, immerhin 40 Prozent der Anbieter sehen hier ein hohes bis sehr hohes Nutzenpotenzial.
Fazit:  An erster Stelle steht als Entscheidungskriterium die Zuverlässigkeit, bei den Servicekriterien die Innovationsfähigkeit des Herstellers. Die technischen Eigenschaften haben als Entscheidungskriterium über die Jahre deutlich an Bedeutung verloren, was den  Schluss nahelegt: Technik wird Commodity.

Im zweiten Teil unserer Analyse zum Thema Füllstandmessung, der in der November-Ausgabe erscheinen wird, berichten wir über aktuelle technische Entwicklungen und sagen, welche Messprinzipien in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden.

Entscheider-Facts
Für Anwender und Hersteller

An erster Stelle steht als Entscheidungskriterium die Zuverlässigkeit.
Bei den Servicekriterien wird die Innovationsfähigkeit des Herstellers ganz wichtig
erachtet.
Die technischen Eigenschaften haben als Entscheidungskriterium über die Jahre deutlich an Bedeutung verloren.
Das größte Nutzenpotenzial der „Wireless-Kommunikation“ wird für die Überwindung von Strecken gesehen, für die eine Verkabelung zu teuer wäre.

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