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Zum Werkzeugkasten für die Geräteverifikation gehört die Software Opticheck DTM, die Gerätebeschreibungen nach der FDT-Systematik nutzt und wie ein normaler DTM beispielsweise via Laptop oder Wartungskonsole eingesetzt werden kann. Bilder: Krohne

| von Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK
  • Krohne hat einen umfassenden Werkzeugkasten für die Unterstützung der Inbetriebnahme und die Geräteverifikation entwickelt.
  • Mit den Opticheck-Tools kann die Funktion von Messgeräten in drei unterschiedlichen Prüftiefen verifiziert werden.
  • Besonders wichtig ist die Verifikation und Prüfung bei Geräten, die in Sicherheitseinrichtungen eingesetzt werden.

Wenn ein Messgerät im Betrieb falsche Werte anzeigt, dann ist guter Rat oft teuer: Liegt ein Defekt vor, der einen Gerätetausch erfordert, oder kann das Gerät im eingebauten Zustand wieder in Gang gebracht werden? Und oft hilft an dieser Stelle erst die Unterstützung durch den Gerätehersteller. Gut, wenn der Anwender dann vor Ort in die Lage versetzt wird, die Situation zu beurteilen und die nächsten Schritte einzuleiten.

Bei Krohne hat man dafür einen umfassenden Werkzeugkasten entwickelt, der auf die Unterstützung der Inbetriebnahme, die Geräteverifikation im eingebauten Zustand und das Gerätemonitoring zielt. Gebündelt werden die dafür beim Hersteller bereits vorhandenen und zum Teil auch neu entwickelten Werkzeuge und Services unter dem Namen myDevice. Das System beinhaltet beispielsweise die unter dem Namen Opticheck vermarkteten Hard- und Software-Tools zur Überprüfung von Messgeräten in drei verschiedenen Prüftiefen. Dazu kommt die Unterstützung durch Online- und Präsenztrainings, in denen die korrekte Planung, Installation und Inbetriebnahme von Feldgeräten vermittelt wird. Aber auch der Vor-Ort-Zugriff auf Informationen zum Gerät – „Pick“ genannt – gehört zum Maßnahmenpaket. Zudem lassen sich Schulungsvideos zu einem Gerät abrufen, wobei der Umfang der Videotutorials (ICV) von der Geräteauswahl für eine Anwendung über das Auspacken der Geräte aus einer Transportverpackung bis hin zur Inbetriebnahme und der Geräteprüfung reichen.

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Alexander Best, Global Manager Technical Services bei Krohne: "Häufig werden bei Anlagenrevisionen gleich mehrere Geräte ausgebaut und kalibriert. Beim Wiedereinbau kommt es immer wieder zu Verwechslungen, mit der Folge, dass falsch parametrierte Geräte eingesetzt werden."

„Die Kunden erwarten von uns längst mehr als nur die Lieferung von Messgeräten. Sie wollen über alle Phasen des Anlagen- und Gerätelebenszyklus mit einem vollständigen Serviceangebot begleitet werden“, erläutert Alexander Best, Global Manager Technical Services bei Krohne, und sein Kollege Lothar Gellrich, Leiter Marketingkommunikation, ergänzt: „Zu unserer Antwort gehören die myDevice-Werkzeuge, die den Anwender über den kompletten Lebenszyklus einer Messstelle unterstützen.“

Verschiedene Prüftiefen

Mit den Opticheck-Tools kann die Funktion von Messgeräten in drei unterschiedlichen Prüftiefen verifiziert werden: So ermöglicht beispielsweise die App Opticheck Mobile via Bluetooth-Kommunikation den drahtlosen Zugriff, indem Smartphones oder Tablet-Computer genutzt werden. Die Software Opticheck DTM nutzt die Gerätebeschreibungen nach der FDT-Systematik und kann wie ein normaler DTM beispielsweise via Laptop oder Wartungskonsole eingesetzt werden. Die höchste Prüftiefe erreicht der Opticheck Master, eine Art Oszilloskop bzw. ein spezi

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Lothar Gellrich, Leiter Marketingkommunikation bei Krohne: "Jede im Hinblick auf den organisatorischen und finanziellen Aufwand vertretbare Maßnahme, welche die Sicherheit der Anlage erhöht, sollte auch durchgeführt werden."

elles Prüfmittel für Feldgeräte, mit dem sehr tiefgehende Einblicke in die Diagnosefunktionen sowie die Elektrik und Elektronik der Geräte des Herstellers und schließlich eine vorausschauende Wartung möglich sind.

„Die einfachste Verifikation eines Gerätes ist die Frage, ob es überhaupt noch funktioniert. Das leisten alle Opticheck-Varianten. Mit dem Master ist zudem noch eine deutlich tiefere Verifikation möglich“, beschreibt Best. Gerade in sehr weitläufigen Anlagen, beispielsweise in der Wasserwirtschaft, geht es oft um sehr einfache Fragen: Welcher aktuelle Messwert liegt momentan an? Wie lange wird die Batterie eines Gerätes noch halten? Für solche Fragestellungen enthält der myDevice-Werkzeugsatz die Option Opticheck Remote. Damit lassen sich Geräte auch über das Mobilfunknetz (GSM) anbinden.

Prüfzyklen bei Sicherheitseinrichtungen verlängern

Von entscheidender Bedeutung ist die Verifikation und Prüfung bei Geräten, die in Sicherheitseinrichtungen eingesetzt werden. Hier ermöglicht die laufende Prüfung des eingebauten Gerätes, beispielsweise über Opticheck DTM, die Zyklen für eine umfangreiche Geräteprüfung zu verlängern. Denn während bei der niederschwelligen Prüfung der Stufe 0 der Messbetrieb nicht unterbrochen wird, ist bei der Stufe 1 eine Unterbrechung von wenigen Minuten notwendig. „Für Sicherheitseinrichtungen ist das aber nicht tragisch, weil auch diese Prüfung kurz genug ist“, erklärt Gellrich: „Die Risikoanalysen zeigen in der Regel Eintrittswahrscheinlichkeiten von 20 bis 30 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass während einer wenige Minuten dauernden Unterbrechung des Messbetriebs etwas passiert, geht deshalb gegen Null.“

Theoretisch möglichen Prüfzyklen von 10 Jahren und mehr erteilt Gellrich allerdings eine Absage: „Die Teilprüfungen erreichen zwar eine Prüftiefe von 85 %, und damit würde man gemäß der PFD-Berechnung nach IEC 61508 locker auf ein Prüfzyklus von 10 Jahren kommen, doch der Haken dabei ist, dass dann immer die gleichen 15 % Unsicherheit fortgeschrieben werden.“ Und schließlich sind es weniger die Unsicherheiten am Messgerät, sondern meistens systematische Fehler im Prozess, die zu einem Ausfall führen. Sind die regelmäßigen Teilprüfungen dann also sinnlos? „Nein“, sagt Lothar Gellrich: „Ich denke, jede im Hinblick auf den organisatorischen und finanziellen Aufwand vertretbare Maßnahme, welche die Sicherheit der Anlage erhöht, sollte auch durchgeführt werden. Deshalb können unsere Tools hilfreich sein, um Prüfintervalle moderat zu verlängern.“ „In der Praxis wird selbst bei Kalibrierungen von Geräten auf dem Prüfstand keine Prüftiefe von 100 % erreicht“, kommentiert Gellrich mit Verweis auf Erkenntnisse des TÜV Rheinland und verdeutlicht mit einer Analogie: „Ein Auto ist auch nicht neuwertig, wenn man beim TÜV war.“

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Über die App Opticheck Mobile kann via Bluetooth-Kommunikation per Smartphones oder Tablet-Computer drahtlos auf das Feldgerät zugegriffen werden.

Dass es mithilfe der Diagnosewerkzeuge möglich ist, Veränderungen am Gerät zu detektieren, erklärt Alexander Best: „Sowohl die Variante DTM als auch die Variante Master bieten eine historische Betrachtung. Alle Verifikationen werden gespeichert und in einer Datenbank abgelegt, die man zu Analysezwecken nutzen kann. Dadurch lässt sich feststellen, ob beispielsweise in einem magnetisch-induktiven Durchflussmessgerät der Spulenwiderstand steigt“, erklärt Best, und legt den Finger noch in ein anderes Problem in der Praxis: „Häufig werden bei Anlagenrevisionen gleich mehrere Geräte ausgebaut und kalibriert. Beim Wiedereinbau kommt es immer wieder zu Verwechslungen, mit der Folge, dass falsch parametrierte Geräte eingesetzt werden.“ Ganz fatal wird eine solche Verwechslung, wenn Geräte für den Betrieb mit 24 Volt an einer 230-Volt-Leitung angeschlossen werden. „Am besten gar nicht ausbauen“, lautet hier der Rat. Tools wie der Opticheck Master können dazu genutzt werden, die geforderte Prüftiefe auch durch Tests im eingebauten Zustand zu erreichen.

Automatische Geräte-­Identifikation

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In sehr weitläufigen Anlagen, beispielsweise in der Wasserwirtschaft, ermöglicht es Opticheck Remote, Geräte auch über das Mobilfunknetz (GSM) anzubinden.

Viel Gehirnschmalz hat der Hersteller auch in die Unterstützung der Anwender mit Messtechnik-Know-how investiert: Gemeinsam mit anderen im Verband ZVEI organisierten Geräteherstellern wurde eine Identifikationssystematik entwickelt, mit der künftig Feldgeräte automatisiert und eindeutig identifiziert werden können. Mit dem „AutoID“ genannten System ist es möglich, vor Ort einen QR-Code am Typenschild des Feldgeräts zu scannen und darüber auf die in der Gerätedatenbank des Herstellers hinterlegten Dokumente zu diesem Feldgerät zuzugreifen.

So kann Anlagen- und Wartungspersonal beispielsweise per Mobilgerät vor Ort Bedienungsanleitungen, Materialzertifikate oder Videoanleitungen abrufen und sich dadurch Schritt für Schritt den Umgang mit dem Gerät erklären lassen. Bereits im Planungsprozess können solche Videos außerdem dazu genutzt werden, die richtige Geräteauswahl zu treffen und beispielsweise den Einbau und die Positionierung der Geräte zu planen. „Damit schließen wir den Gerätelifecycle für den Anwender“, erklärt Alexander Best. Doch nicht nur die Hilfe zur Selbsthilfe ist gefragt: „Immer mehr Unternehmen der Prozessindustrie, insbesondere solche aus dem Mittelstand, gehen zudem dazu über, uns die Verantwortung für die Wartung ihre Messgeräte komplett zu übertragen“, erklärt Best: „Der Anwender hat also die Wahl: sich mit unseren myDevice-Werkzeugen selbst helfen, oder unseren Rundum-Service nutzen.“

 

SPS 2019 Halle 4A – 441

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