Lichtblicke für das Bedienerauge

Auswahl von Schauglasleuchten für Prozessanlagen

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30.10.2018 Trotz fortschreitender Automatisierung in der Prozessindustrie: Das geschulte Auge eines Mitarbeiters ist durch keine technischen Überwachungsmethoden zu ersetzen. Deshalb ist die richtige Ausleuchtung einer Apparatur besonders wichtig. Bei der Auswahl und Anordnung einer geeigneten Schau­glasleuchte spielen verschiedene Kriterien eine Rolle.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Keine technische Überwachungsmethode kann das geschulte Auge eines Mitarbeiters ersetzen. Die richtige Ausleuchtung der Apparatur ist daher in der Prozessindustrie von entscheidender Bedeutung.
  • Moderne Schauglasleuchten bieten für verschiedene Anwendungsfälle und auch (ex-)gefährdete Umgebungen passende Lösungen.
  • Der Anwender muss bei der Auswahl diverse Kriterien beachten. Neben der Wahl des richtigen Werkstoffes muss er sich etwa zwischen Ein- und Zwei-Flansch-Montage sowie zwischen LED und Halogen entscheiden.

Bild: Jürgen Fälchle – stock.adobe

Das menschliche Auge ist für die Prozessüberwachung noch immer nicht zu ersetzen. Bild: Jürgen Fälchle – stock.adobe

Wenn sich Anwender an einen Hersteller von Beleuchtungstechnik und Schauglasarmaturen wie Max Müller wenden, steht zunächst die Frage im Raum: Ein- oder Zwei-Flansch-Montage? Erstere ist kostengünstiger, da nur eine Armatur einzuschweißen oder aufzuschrauben ist. Der Nachteil besteht jedoch darin, dass nie die volle Sichtfläche zur Verfügung steht und eventuell unerwünschte Blendwirkungen auftreten können. Wo die Platzverhältnisse es ermöglichen, ist eine Zwei-Flansch-Anordnung vorzuziehen.

Die Wahl zwischen zwei Optionen hat der Anwender auch beim eingesetzten Leuchtmittel. LED-Schauglasleuchten bieten eine hohe Lichtleistung bei geringer Leistungsaufnahme und langer Lebensdauer. Gleichzeitig sind sie aber auch teurer als die entsprechenden Halogenvarianten. Da die LED-Einsätze elektronische Bauteile sind, erreichen sie ihre maximale Temperatur bei ca. 80 °C. Bei beheizten Kesseln mit hohen Flanschtemperaturen und zusätzlicher Wärmeabstrahlung besteht daher die Gefahr, dass die LED-Einsätze ausfallen. Abhilfe kann eine Montage mit genügendem Abstand zum Schauglas schaffen.

Der richtige Werkstoff zählt

Ebenso wichtig ist der verwendete Gehäusewerkstoff: Es stehen korrosionsbeständige Aluminiumlegierungen sowie Edelstahl zur Verfügung. Letzterer überzeugt durch seine Oberflächenqualität und kommt daher oft für Anwendungen in der Steril- und Reinraumtechnik in der Pharmaindustrie zum Einsatz.

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Für Apparaturen mit engen Platzverhältnissen bilden Fiberoptik-Schauglasleuchten eine Lösung. Bild: Max Müller

Ein weiteres bedeutendes Kriterium ist die Anschlussspannung. Diese Entscheidung muss der Betreiber der Anlage treffen. Standard ist meist 230 V AC, aber oft besteht für Steuerungen und die Beleuchtung ein Kleinspannungsnetz von 24 V AC oder DC. Dafür sind teilweise Sicherheitsgründe verantwortlich. Die meisten Schauglasleuchten sind für beide Spannungen erhältlich.
Bei der Betriebsart von Schauglasleuchten unterscheidet man zwischen Dauer-, Momentan- oder Timerbetrieb. Da es oft unnötig ist, dass die Beleuchtung durchgehend in Betrieb ist, empfiehlt sich der Einbau eines Timers in der Schauglasleuchte oder – falls diese für das Betriebspersonal schwer zugänglich ist – ein Timer für Fernansteuerung. Bei Ein-Flansch-Montagen ist ein Momentan-Drucktaster zu empfehlen, den das Personal gleichzeitig mit dem Einblick in die Apparatur bedient.

Lösungen für spezielle Umgebungen

Schauglasleuchten lassen sich auch an spezielle Umgebungsbedingungen anpassen. Bei Apparaturen mit engen Platzverhältnissen kommen nur Schaugläser mit sehr kleinen Durchmessern in Frage. Hier bilden platzsparende Fiberoptik-Schauglasleuchten einen gangbaren Weg. Auch diese sind in moderner und hocheffizienter LED-Technik verfügbar. Für den Einsatz in (Ex-)gefährdeten Bereichen ist die sogenannte Temperaturklasse entscheidend, die der Anlagenbetreiber je nach verarbeiteten Medien festlegen muss. Die entsprechende Skala reicht von T1 bis T6. Ebenfalls zu berücksichtigen ist die Zoneneinteilung. Für Gase sind die Schauglasleuchten zugelassen in den Zonen 1 und 2, für Staub in den Zonen 21 und 22. Für sehr gefährliche Prozesse oder Reinraum-Anlagen lassen sich nebst der Schauglasleuchte Kamerasysteme zur Fernüber­wachung aus einem Kontrollraum installieren. Die Systeme ermöglichen eine analoge oder digitale Bildverarbeitung, sind in Alu- oder Edelstahlgehäusen, mit Fix- oder variablem Fokus und ent­spre­chendem Zubehör wie Monitor/Video­server oder (Ex)-Touchscreen-Bedienpult ver­fügbar.

Heftausgabe: November/2018

Über den Autor

Dr. Hans Georg Müller ist Präsident des Verwaltungsrats der Max Müller-Gruppe
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