Unternehmensstrategie

BASF: Mehr Wachstum durch Nachhaltigkeit und Digitalisierung

23.11.2018 Starkes Wachstum ohne zusätzliche Treibhausgas-Emissionen: Die BASF setzt sich mit einer neuen Unternehmensstrategie ehrgeizige Ziele. Möglich werden soll dies unter anderem durch Prozess-Digitalisierung in über 350 Anlagen und ein neues Exzellenzprogramm. Der Verbund und optimaler Anlagenbetrieb bleiben wichtige Standbeine.

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Nachhaltigkeit, Digitalisierung, neue Segmentstruktur: Die BASF will mit ihrer künftigen Strategie weiterhin schneller wachsen als der Markt. (Bild: BASF)

Nachhaltigkeit, Digitalisierung, neue Segmentstruktur: Die BASF will mit ihrer künftigen Strategie weiterhin schneller wachsen als der Markt. (Bild: BASF)

„Mit unserer neuen Strategie setzen wir die Segel auf Wachstumskurs“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dr. Martin Brudermüller bei der Präsentation der neuen BASF-Strategie in Ludwigshafen. Er betonte dabei die positive Entwicklung der vergangenen Jahre: „Seit 2012 wuchs unser Ergebnis der Betriebstätigkeit vor Abschreibungen und Sondereinflüssen mit durchschnittlich 8 % – und damit deutlich über den Fixkosten von jährlich 3 %.“ Das Ergebniswachstum von BASF lag damit auch über dem jährlichen Wachstum der weltweiten Chemieproduktion von 3,7 %. Vor allem Umsatzentwicklung und Mengenwachstum sollen mit der Neuausrichtung der Strategie vorangetrieben werden.

China bestimmt das Wachstum der globalen Produktion

Für schnelleres Wachstum will der Konzern auf organisches Geschäftswachstum setzen, sich noch stärker auf seine Kunden ausrichten und für sie maßgeschneiderte Angebote erarbeiten. Mit dem Ziel, flexibler und schneller zu werden, wird das Unternehmen Strukturen und Prozesse deutlich vereinfachen, das Portfolio schärfen und den Verbund stärken. „Wir werden unsere Organisation verändern für mehr Kundenorientierung und Flexibilität“, so Brudermüller.

Eine wichtige Rolle in dieser Wachstumsstrategie spielt der asiatische Markt, wo sich der Konzern gut aufgestellt sieht: China ist mit einem Anteil von über 40 % am Weltmarkt der größte Chemiemarkt und bestimmt das Wachstum der globalen Chemieproduktion. „Bis 2030 wird der Anteil Chinas auf knapp 50 % wachsen und wir wollen daran partizipieren“, so Brudermüller. „Unser neuer Verbundstandort in Zhanjiang, in der Provinz Guangdong, sowie die Erweiterung des Standorts Nanjing werden unser Wachstum in diesem dynamischen Markt maßgeblich voranbringen.“

Die Ziele der vorgestellten Strategie sind ehrgeizig, sowohl finanzielle als auch nichtfinanziell. BASF will weiterhin schneller wachsen als der Markt, das EBITDA vor Sondereinflüssen soll um 3 bis 5 % jährlich steigen. Führend will der Konzern auch in den Augen ihrer Anteilseigner sein und im Vergleich zur chemischen Industrie überdurchschnittlichen Wert für sie schaffen. „Konsequenterweise bedeutet das, dass wir die Dividende pro Aktie getragen durch unseren starken freien Cashflow jährlich steigern wollen“, so Finanzvorstand und stellvertretender Vorstandsvorsitzender Dr. Hans-Ulrich Engel. Um diese anspruchsvollen Ziele zu unterstützen, will BASF von 2019 bis 2021 ein neues Exzellenzprogramm umsetzen und damit ab Ende 2021 einen jährlichen Ergebnisbeitrag von 2 Mrd. Euro erzielen. Das Programm wird Maßnahmen in den Bereichen Produktion, Logistik, Forschung und Entwicklung sowie für Digitalisierungs- und Automatisierungsaktivitäten und organisatorische Weiterentwicklung umfassen.

„Emissionen vom organischen Wachstum entkoppeln“

Ambitioniert sind auch die nichtfinanziellen Ziele: „BASF verpflichtet sich, die eigenen Treibhausgasemissionen bis 2030 auf dem Niveau von 2018 konstant zu halten, trotz eines angestrebten deutlichen jährlichen Produktionswachstums“, so Brudermüller. „Das bedeutet, dass wir unsere Treibhausgasemissionen vom organischen Wachstum entkoppeln.“ Das Ziel schließt geplante Großinvestitionen, wie zum Beispiel den neuen Verbundstandort in der südchinesischen Provinz Guangdong, mit ein. Dazu wird BASF die Steuerung, Effizienz und Integration von Anlagen verbessern und beim Einkauf von Strom zunehmend stärker, wo möglich, auf erneuerbare Energiequellen umsteigen. „Das Ziel ist angesichts des bereits sehr hohen technologischen Standards unserer Anlagen sehr ambitioniert und erfordert außerordentliche Kreativität, Dinge anders zu machen“, so Brudermüller. Er wies darauf hin, dass dazu ein geeignetes regulatorisches Umfeld in Deutschland, Europa und weltweit nötig ist. Der Chemieriese hat seit 1990 seine absoluten Treibhausgas-Emissionen bereits um 50 % reduziert, bei gleichzeitig verdoppeltem Produktionsvolumen. Neben dem Ziel, bis 2030 CO2-neutral zu wachsen, will BASF im Jahr 2025 rund 22 Mrd. Euro Umsatz mit sogenannten Accelerator-Produkten erzielen – also mit Produkten, die einen substanziellen Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette leisten.

Dr. Martin Brudermüller übernimmt ab Mai 2018 den Vorstandsvorsitz bei BASF. (Bild: BASF)

„Unsere Kunden sollen BASF neu erleben“, verspricht Konzernchef Dr. Martin Brudermüller mit der neuen Unternehmensstrategie. (Bild: BASF)

„Unsere Kunden sollen BASF neu erleben“, sagte Brudermüller. Daher wird BASF ihre Organisation weiterentwickeln, um effektiver und effizienter zu arbeiten und sich noch stärker auf ihre Kunden konzentrieren zu können. „Wir wollen die Begeisterung für unsere Kunden in der gesamten Organisation stärken. Wir möchten ihre Bedürfnisse künftig schneller erkennen und erfüllen“, so Brudermüller. Indem das Unternehmen seine Expertise mit den Kompetenzen ihrer Kunden zusammenbringt, können beide gemeinsam sowohl profitable als auch verantwortungsbewusste Lösungen entwickeln. Dafür will der Konzern eine Reihe von Maßnahmen treffen, die unter anderem die Transparenz für den Kunden erhöhen, den Kundenservice verbessern und gemeinsame Wachstumspotenziale ausloten. BASF konzentriert sich hierbei auf die Schwerpunkte: Portfolio, Mitarbeiter, Innovationen, Nachhaltigkeit, Produktion und Digitalisierung.

Segmentstruktur auf dem Prüfstand

Nach einer Überprüfung will der Chemiekonzern zum Jahresanfang 2019 seine Segmentstruktur verändern: „Wir wollen unser Portfolio gezielt schärfen und unsere Kapitalallokation deutlicher auf Wachstums-Arbeitsgebiete ausrichten“, so Brudermüller. „Mit dieser neuen BASF-Segmentstruktur schaffen wir eine höhere Transparenz über die Aussteuerung unserer Geschäftsaktivitäten, die Bedeutung von Wertschöpfungsketten und die Rolle unseres Verbunds.“

Vom 1. Januar 2019 an wird BASF sechs Segmente mit jeweils zwei Unternehmensbereichen haben, außer im Segment Agricultural Solutions, das weiterhin einen Bereich umfasst:

  • Chemicals: Petrochemicals und Intermediates
  • Materials: Performance Materials und Monomers
  • Industrial Solutions: Dispersions & Pigments und Performance Chemicals
  • Surface Technologies: Catalysts und Coatings
  • Nutrition & Care: Care Chemicals und Nutrition & Health
  • Agricultural Solutions

Ziel ist es, die BASF-Geschäfte von ihren Wettbewerbern abzuheben und eine noch leistungsstärkere BASF zu schaffen, die sich auf dem immer wettbewerbsintensiveren Markt erfolgreich behaupten kann. Mit Investitionen und Innovationen will BASF vorwiegend organisch wachsen, aber auch, wo notwendig, durch Akquisitionen. „Das Hauptaugenmerk werden wir darauf legen, Prozesse effizient und zuverlässig zu gestalten. Geschäftsbereiche, in denen ein solcher Fortschritt nicht erreicht werden kann, werden wir gegebenenfalls veräußern“, so Brudermüller.

Verbund von zentraler Bedeutung

Der Verbund ist für BASF nach wie vor von zentraler Bedeutung. Das BASF-Portfolio genießt einzigartige Vorzüge durch physische, aber auch technologische, marktbezogene und digitale Verbundvorteile. Der Verbund trägt dazu bei, technologische Vorteile über alle Segmente hinweg zu realisieren und Kunden mit einem breiten Portfolio zu unterstützen. Auch Wertschöpfungsketten seien nur im Verbund wirklich effizient zu betreiben. Durch die integrierte Produktion im Verbund spart der Konzern jährlich mindestens 1 Mrd. Euro, zum Beispiel bei Rohstoffen, Energie und in der Logistik. Aber auch Emissionen werden dadurch in erheblichem Umfang vermieden. BASF will weiterhin eine Vorreiterrolle beim Aufbau und der Entwicklung von Verbundstrukturen sowie bei der Konsolidierung an wenigen, hocheffizienten Standorten einnehmen.

Um BASF erfolgreich zu verändern, verbessert das Unternehmen auch die internen Abläufe und die Art der Zusammenarbeit. Die Mitarbeiter sind dabei der Schlüssel, um die neue Strategie erfolgreich umzusetzen. Flexible Strukturen sollen den Mitarbeitern die nötigen Mittel und Kompetenzen an die Hand geben, damit sie den Kunden differenzierte und auf sie abgestimmte Leistungen bieten können. „Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, noch schneller und agiler und damit effizienter und effektiver zu agieren als bisher“, so Engel. Zur Zufriedenheit der Mitarbeiter steckt sich der Konzern ebenfalls ein festes Ziel: „Wir streben an, dass über 80 % unserer Mitarbeiter der Meinung sind, dass sie sich bei BASF entfalten und ihre bestmögliche Leistung erbringen können“, verspricht Konzernchef Brudermüller.

Der Supercomputer Quriosity soll der BASF verstärkt in der Forschung und bei der Digitalisierung helfen. Im Bild Dr. Stephan Schenk (links) und Marcel Michael bei der Inbetriebname des Computers in Ludwigshafen. (Bild: BASF)

Der Supercomputer Quriosity soll der BASF verstärkt in der Forschung und bei der Digitalisierung helfen. Im Bild Dr. Stephan Schenk (links) und Marcel Michael bei der Inbetriebname des Computers in Ludwigshafen. (Bild: BASF)

Bei Services, Forschung und Entwicklung sowie in der Unternehmenssteuerung verschlankt sich der Konzern und gliedert wesentliche Teile der funktionalen Services in die Unternehmensbereiche ein, um die Mitarbeiter näher zu den Kunden zu bringen. Überdies werden die übrigen funktionalen Service- und Forschungsaktivitäten effizienter aufgestellt. Rund 20.000 Mitarbeiter weltweit werden direkt oder indirekt von der Reorganisation betroffen sein. „Von all diesen Maßnahmen versprechen wir uns eine bessere Differenzierung der Geschäftseinheiten sowie wesentliche Produktivitätssteigerungen“, so Engel. Wo immer sinnvoll, wird den Geschäftseinheiten mehr Entscheidungsbefugnis übertragen. Engel: „Es werden mehr unternehmerische Freiheiten geschaffen, aber auch klare Verantwortlichkeiten zugewiesen.“ BASF verbessert damit die Effektivität von Geschäftseinheiten und folglich auch die Kundenzufriedenheit. Um sicherzustellen, dass BASF ihre Marktchancen in allen Ländern nutzt, sollen die Modelle für die Markterschließung erweitert werden. Die Unternehmensbereiche werden künftig festlegen, welche lokalen Märkte als Schwerpunktmärkte direkt betreut werden – und in welchen sie ihre Geschäftstätigkeiten an die jeweiligen Landes-Organisationen übergeben. Zudem hat BASF eine Task Force zur Prozessvereinfachung eingerichtet, die sich darauf konzentriert, Schlüsselprozesse weniger kompliziert zu gestalten. Prozesse sollen vereinfacht und verkürzt werden und schnellere Entscheidungen ermöglichen.

400 Mio. Euro für optimalen Anlagenbetrieb

„Unsere Kunden erwarten von uns, dass wir Produkte nach Maß und rechtzeitig liefern“, sagte Engel. „Dazu müssen wir unsere Produktion sicher, effizient und zuverlässig betreiben.“ BASF wird die Zuverlässigkeit ihrer Anlagen erhöhen und die Flexibilität verbessern. Deshalb hat BASF das Budget zur Steigerung der Operational Excellence auf jährlich 400 Mio. Euro erhöht. Dieser Betrag liegt deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Mit der Digitalisierung eröffnen sich für den gesamten Lebenszyklus seiner Anlagen ungeahnte Möglichkeiten, so das Unternehmen. Beispielsweise lassen sich unterschiedliche Prozesse oder Investitionsideen mit geringem Kostenaufwand auf Computern simulieren. Mitarbeiter werden bereits jetzt durch Augmented-Reality-Lösungen im Betriebsalltag unterstützt. Bis 2022 möchte BASF die Prozesse in mehr als 350 ihrer Anlagen weltweit digitalisieren. Digitalisierung soll fest im BASF-Geschäft verankert werden. BASF wird damit neuen Wert für ihre Kunden schaffen, ihr Geschäft ausbauen und ihre Effizienz durch Digitalisierung steigern. In der Forschung wird dadurch auch die Kreativität erhöht, nicht zuletzt durch eine noch intensivere Nutzung des Supercomputers Quriosity. Um die vorhandenen Daten bestmöglich verwerten zu können, wird der Chemiekonzern die Datenverfügbarkeit und -qualität verbessern, die erforderliche Infrastruktur zur Vernetzung ihrer Backend-Systeme aufbauen und bestehende Daten in Entscheidungsprozessen nutzen.

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