Die Schere geht weiter auf

Baupreisindex PCD: Wie entwickelt sich der Chemieanlagenbau?

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14.08.2020 Die Stagnation bei den Preisen für Chemieanlagen hat sich im ersten Halbjahr 2020 weiter verfestigt. Doch interessanterweise ist die Entwicklung je nach Gewerk durchaus unterschiedlich. Zwischen dem größten Preisanstieg und dem heftigsten Rückgang liegen im Jahresvergleich über 15 Prozent!

Entscheider-Facts

  • Preise für Chemieanlagen stagnieren.
  • Rohrleitungsmaterial deutlich billiger, Apparate teurer.
  • Sicherheitsinstallationen haben sich deutlich verbilligt.

Businessman holding a giant pair of scissors

Bild: ajr_images / seksan94– stock.adobe.com

Der Aufwärtstrend bei den Preisen für Chemieanlagen legt bereits seit dem letzten Quartal 2019 eine Atempause ein. Deuteten die Zahlen zu Jahrensanfang sogar noch auf einen rückläufigen Trend hin, schwankt der Gesamtindex zuletzt um einen Wert von 107,8 Indexpunkten. Was allerdings nach einer Entwicklung auf breiter Front klingt, offenbart beim Blick auf die Details extreme Unterschiede. Um dies zu verdeutlichen, vergleichen wir zunächst die Indexgruppen: So kletterten die Preise für Montageleistungen zwischen Q2 2019 und Q2 2020 um 2,29 %.

Im selben Zeitraum verzeichnete die Indexgruppe „Rohrleitungen“, in der Rohre und Armaturen zusammengefasst sind, einen Rückgang um 6,26 %. Und während auch Bautechnik sowie Dämmung und Beschichtung mit je 1,8 bzw. 1,7 % im Plus lagen, gingen die Preise für Prozessleittechnik um weitere 1,6 % zurück. Dass der PCD im Vergleich der beiden Q2-Quartale dennoch um 0,95 % zulegen konnte, liegt unter anderem auch an den weiterhin steigenden Preisen für Ingenieurleistungen.

Rohrleitungsmaterial und Automatisierungssysteme weiter im Rückwärtsgang

PCD 1

Preisentwicklung der im PCD-Index zusammengefassten Gewerke des Chemieanlagenbaus und Gesamtindex PCD. Bilder: CHEMIE TECHNIK

PCD 2

Veränderungen der Preise für Indexgruppen im Bau von Chemieanlagen im Quartalsvergleich (Q2-2020 gegenüber Q2-2019).

PCD 3

Die größten Abweichungen bei Einzelgewerken im Zeitraum Q2-2020 gegenüber Q2-2019.

Ein Blick auf die Details zeigt, wo die Knackpunkte der aktuellen Entwicklung liegen. Insbesondere die stark gesunkenen Stahlpreise wirken sich auf die Kosten für Rohrleitungsmaterial aus: Mehr als drei Indexpunkte sank der Stahlpreis zwischen Q1 und Q2 2020. Im Jahresvergleich hat sich Rohrleitungsstahl sogar um -11 % verbilligt. Bei Automatisierungssystemen steht im Jahresvergleich inzwischen sogar ein Minus von 12,3 % zu Buche. Spannend erscheint auch die Preisentwicklung beim Einzelgewerk Sicherheitsinstallation: Hier gaben die Preise im Jahresvergleich um 4 % nach. Eine Ursache dafür dürfte die nachlassende Projekttätigkeit im Öl- und Gasgeschäft sein, das in der Corona-Pandemie von der stark gesunkenen Nachfrage betroffen ist.

Dass die Entwicklung nicht auf breiter Front greift, dürfte an der weiterhin lebhaften Projekttätigkeit in der Chemie liegen. Ein Indiz dafür sind relativ stark gestiegene Preise für Apparate wie Reaktoren und Kolonnen sowie Behälter: Diese legten zwischen Q2 2019 und Q2 2020 um 2,8 bis 3,2 % zu. Auch die verfahrenstechnischen Grundeinheiten zum Trocknen, Mahlen und Rühren haben sich überproportional verteuert und legten um 3,2 bis 3,4 % zu.

Der Preisindex für Chemieanlagen in Deutschland (PCD) wird vierteljährlich aktualisiert. Er dient als Trendbarometer für Planer von Chemieanlagen sowie Betreiber, die die Kosten von Projekten näherungsweise abschätzen wollen. Im PCD werden nach einer vom Arbeitskreis Cost Engineering in der Dechema / Process Net entwickelten Methode die Gewerke Apparate und Maschinen, Rohrleitungen und Armaturen, MSR-Einrichtungen, Isolierung und Anstrich, elektrotechnische Ausrüstung sowie Bauteilkosten zu einem Index berechnet, dessen Basis das Jahr 2015 (=100) bildet.

Aus der Gewichtung der Einzelgewerke resultiert ein Index für die Preisentwicklung von Chemieanlagen. Die detaillierten Daten senden wir Ihnen per E-Mail gegen Rechnung gerne zu. Anfragen an: susanne.berger@huethig.de.

Heftausgabe: August 2020

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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