Der richtige Dreh für Saatgut-Beize

Bayer testet erfolgreich IBCs mit Einweg-Impeller

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08.10.2018 Die Aufbereitung von Saatgut in der Landwirtschaft wird angesichts der wachsenden Weltbevölkerung immer wichtiger. Der Prozess, um dazu eingesetzte Beize aufzumischen und zu homogenisieren, ist aufwendig und birgt das Risiko der Kontamination. Bayer Crop Science setzt daher auf IBCs mit integriertem Einwegrührer.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Das Aufrühren von kritischen Stoffen, wie Beize bei der Saatgut-Aufbereitung, ist aufwendig und birgt ein Kontaminationsrisiko.
  • Die Agrarsparte von Bayer hat die Verpackung seiner Getreidebeizen auf neuentwickelte IBCs mit Einweg- Impeller umgestellt.
  • Diese sorgen für eine effektive Homogenisierung der Beize, vermeiden Restanhaftungen von Füllgut und die aufwendige Reinigung. Der HDPE-Kunststoff der Rührer wird in neuen Produkten wiederverwertet.

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Die Aufbereitung von Saatgut ist seit Jahrhunderten ein wichtiges Thema in der Landwirtschaft. Bild: Bayer

Die Beizung, eine bereits seit dem Altertum angewandte Methode, wird heute auch Seed Treatment genannt. Die Beize wird dabei direkt auf das Saatgut appliziert. Sie erleichtert dessen mechanische Verarbeitung und schützt vor Pilzbefall sowie Schädlingen. Die Bayer-Division Crop Science mit Sitz in Monheim ist auf die Bereiche Saatgut und Pflanzeneigenschaften, chemischer und biologischer Pflanzenschutz sowie Digitalisierung spezialisiert. Die konstante Weiterentwicklung der Prozesse in der Herstellung ist ein wichtiger Aspekt – durch Praxiserfahrungen, kontinuierliche Forschung und einem steten Blick auf die innovativen Lösungen anderer Branchen.

Im Rahmen der Verpackungsmesse Interpack 2017 wurden die Beizingenieure des Seed-Growth-Teams auf den Impeller von Schütz aufmerksam. Denn: Der direkt im IBC integrierte Einwegrührer vereinfacht maßgeblich die Handhabung der Beize. „Diese Formulierungen entmischen sich oft, besonders bei großen Mengen. Nach längeren Standzeiten kann sich das Beizmittel absetzen. Vor der Verarbeitung muss die Saatgutbeize daher aufgemischt und homogenisiert werden. Das ist in einem IBC mit 1.000 Liter Volumen ein aufwendiger Prozess“, so Norbert de Baey, Beizingenieur bei Bayer. Bislang kamen dafür spezielle Pumpen zum Einsatz. Die Verpackung musste stets geöffnet und die Pumpe eingesetzt werden. Das war für die Anwender in vielerlei Hinsicht körperlich anstrengend. Außerdem sind dabei äußere Verschmutzungen der Verpackung kaum zu vermeiden – selbst bei größter Achtsamkeit. Somit bestand das Risiko des direkten Kontakts mit der Beizflüssigkeit.

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Der Impeller ist als Einweg-Bauteil konzipiert und besteht komplett aus dem hochdichten Kunststoff HDPE. Bild: Schütz

Effektiv und sicher homogenisiert

IBCs mit dem integrierten Impeller können jedoch von der Befüllung bis zur Entnahme über die gesamte Supply-Chain hinweg geschlossen bleiben und ermöglichen trotzdem ein bequemes und effektives Aufrühren der Füllprodukte. Das System gibt es für alle 1.000- und 1.250-l-Ecobulk-Typen mit Einfüllöffnung DN 150 und DN 225. Der Einwegrührer ist mit der Schraubkappe des IBCs verbunden und wird schon im Werk eingesetzt. Lediglich zur Befüllung wird das System entweder kurz entnommen oder bleibt fest installiert – je nach Füllprozess und der jeweiligen Konfiguration der Container. Zum Rühren lässt sich ein herkömmliches Antriebssystem ohne größere Änderungs- oder Umbaumaßnahmen anschließen. Dazu wird der Antrieb über der Schraubkappe platziert und mit einem Gestell am Gitterkäfig fixiert. Die Antriebswelle greift formschlüssig durch die Öffnung des Stopfens in die Nabe des Impellers, wodurch die Rotation an den Rührer im Inneren des Containers weitergegeben wird. Seine beweglichen Flügel verändern ihre Position durch die Fliehkraft. Die Drehzahl wird individuell an den Füllstand angepasst. Bei reduzierter Umdrehung sinken sie und sorgen dann auch bei kleineren Restmengen für ein optimales Rührergebnis.

Der Einsatz des Impellers als Einweg-System minimiert zusätzlich auch die Gefahr der Kontamination der Beize durch Restanhaftungen von Füllgut. Denn schon das Eintauchen der bislang genutzten Pumpen stellt ein potenzielles Risiko dar. Eine aufwendige Reinigung und damit verbundene Kosten entfallen ebenfalls. Das gesamte Bauteil des Impellers besteht komplett aus HDPE. Leere IBCs werden inklusive Impeller durch den Ticket-Service abgeholt; Blase und Impeller im Rahmen der Rekonditionierung zu HDPE-Rezyklat verarbeitet. Das gewonnene Material kommt in anderen Produkten wieder zum Einsatz, zum Beispiel in Kunststoffpaletten.

Rührergebnis erfolgreich getestet

Zur genaueren Untersuchung, ob sich das System auch für Seed Treatments eignet, kam es auf dem Gelände des Saatgut-Aufbereiters Klamroth-Börnecke in Sachsen-Anhalt im Oktober 2017 zu einem Rührtest. Bereits eine optische Prüfung im Praxistest zeigte, dass der Impeller das Beizmittel homogen aufgerührt hat, ohne Schaum zu erzeugen. Im Anschluss untersuchten die Experten den Wirkstoffgehalt und dessen Verteilung. Dazu entnahmen sie Proben des Füllguts aus dem unteren, mittleren und oberen Bereich des Containers. Diese verglichen sie im Labor mit Proben vor dem Rührvorgang. Das Ergebnis: Die sonst übliche Ablagerung der schweren Wirkstoffe war nach dem Rühren mit dem integrierten Impeller nicht mehr festzustellen. Alle Stoffe waren auf sämtlichen Ebenen in der Beizbrühe identisch verteilt, die Flüssigkeit somit vollkommen homogenisiert. Aufgrund dieses positiven Testergebnisses stellte Bayer 2018 in Deutschland die Verpackung seiner Premium-Getreidebeizen auf das System IBC plus Impeller um.

Heftausgabe: Oktober/2018

Über den Autor

Jona Göbelbecker, Redaktion
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