Tarifverhandlungen

Chemie-Arbeitgeber fordern mehr Augenmaß

22.06.2018 Die Chemiearbeitgeber und die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) für den Bezirk Nordrhein haben sich nach ersten Verhandlungen ohne Ergebnis getrennt. Die Gewerkschaft bekräftigte ihre Forderung nach 6 % mehr Lohn, die Arbeitgeber warnten vor überzogenen Forderungen.

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Chemie-Tarifrunde: Alle Zeichen auf Streik?

6 % mehr Gehalt und doppeltes Urlaubsgeld fordert die IG BCE, die Chemie-Arbeitgeber fordern mehr Augenmaß. (Bild: Eisenhans – Fotolia.com)

Die IG BCE fordert eine Entgelterhöhung von sechs Prozent auf zwölf Monate. Darüber hinaus soll das Urlaubsgeld deutlich angehoben werden, was einer zusätzlichen Belastung von einem Prozent entspricht, so der Landesausschuss der Arbeitgeberverbände der Chemischen Industrie von NRW. „Die Forderungen von insgesamt sieben Prozent sind aufgrund der sich bereits abschwächenden wirtschaftlichen Dynamik überzogen. Wir haben in der Chemie- und Pharmaindustrie schon ein sehr hohes Lohnniveau für die Tarifbeschäftigten“, warnt Ulrich Bormann, Verhandlungsführer der Chemiearbeitgeber Nordrhein. Zudem sieht er greifbare Risiken wie internationale Handelskonflikte und die Folgen des Brexits. „Diese Herausforderungen sorgen für Verunsicherung“, führt Bormann weiter aus.

Offensichtliche Gefahren für Konjunktur

Entsprechend heißt es im Positionspapier der Chemie-Arbeitgeber, man dürfe sich „von den aktuellen Zahlen nicht blenden lassen“, da sich „die wirtschaftliche Dynamik bereits abschwächt und die Gefahren für die Konjunktur offensichtlich sind. Die Tarifpolitik müsse zukunftsfähig und Tariferhöhungen auch langfristig tragbar sein, auch „wenn die Geschäfte wieder schlechter laufen“. Im Rahmen der Tarifrunde wollen die Arbeitgeber auch „bei der Gestaltung der modernen Arbeitswelt Fortschritte für beide Seiten erzielen“. Dabei gehe es darum, Chanced der Digitalisierung zu nutzen, den Fachkräftebedarf zu sichern, die Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten und die Innovationskraft der Branche zu stärken.

Am 5. September 2018 steht in Hannover die erste bundesweite Tarifrunde an. Bis dahin hofft Bormann, dass „die IG BCE mit mehr Augenmaß an den Verhandlungstisch zurückkehrt, sodass wir einen für beide Seiten tragfähigen Tarifabschluss erzielen können.“ Im Bezirk Nordrhein sind etwa 450 Unternehmen der Chemisch‐pharmazeutischen Industrie mit 100.000 Beschäftigten durch eine Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband im Tarifvertrag gebunden. Der Landesausschuss der Arbeitgeberverbände der Chemischen Industrie von NRW vertritt die tarif- und sozialpolitischen Interessen seiner Mitglieder gegenüber Gewerkschaft, Politik und Öffentlichkeit.

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