Chemie-Tarifrunde 2014: Arbeitgeber wehren sich gegen 5,5 % mehr

29.11.2013 Die Entgelte sollen um 5,5 % steigen, fordert die Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE) für die Chemie-Tarifrunde 2014. „Die Chemie muss beim Entgelt auf die Kostenbremse treten“, konterte Hans-Carsten Hansen, Verhandlungsführer des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC) in Wiesbaden, die Gewerkschaftsforderung.

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Chemie-Tarifrunde 2014: Arbeitgeber wehren sich gegen 5,5 % mehr

11 aufgepeppte Piaggio Ape unterstützen die Aktionen der Chemie-Gewerkschaft IG BCE bei der Chemie-Tarifrunde 2014 vor Ort (Bild: IG BCE/PMinteractive)

Die große Tarifkommission der IG BCE, Hannover, hat am 28. November einstimmig den Forderungskatalog für die Chemie-Runde 2014 beschlossen. Danach sollen die Entgelte um 5,5 % steigen und die Ausbildungsvergütungen um 60 Euro angehoben werden. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll zwölf Monate betragen.

Außerdem will die Gewerkschaft den Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung“ fortschreiben und die Übernahmesituation nach der Ausbildung verbessern. Die Verhandlungen beginnen in den Regionen, der Auftakt erfolgt am 2. Dezember im Tarifbezirk Rheinland-Pfalz. Voraussichtlich im Januar werden die Verhandlungen auf Bundesebene fortgesetzt.

Peter Hausmann, im geschäftsführenden IG-BCE-Hauptvorstand für die Tarifpolitik verantwortlich: „In den Chefetagen der Chemie-Industrie wird gejammert, doch die Schwarzmalerei entspricht nicht der Lage. Die Konjunktur zieht an, die Erwartungen sind auf den höchsten Stand seit Frühjahr 2011 gestiegen. In Deutschland wachsen Zuversicht und Optimismus. Das ist das Ergebnis guter Arbeit, für diesen Erfolg haben die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gesorgt. Wir wollen den Verteilungsspielraum nutzen, wir wollen eine gerechte Verteilung. Deshalb haben wir die Chemie-Tarifrunde unter das Motto ‚Unser Erfolg – unser Lohn‘ gestellt.“

Der zweite Forderungspunkt steht unter der Überschrift „Ausbildung sichern – Übernahme verbessern“. Trotz sinkender Schulabgängerzahlen konnte die Zahl der Ausbildungsplätze in der chemischen Industrie seit 2003 um mehr als zehn Prozent gesteigert und auf hohem Niveau stabilisiert werden. „Das ist“, so Peter Hausmann, „ein Ergebnis unserer Tarifverträge, wir wollen diese Erfolgsstory fortschreiben. Zusätzlich nehmen wir uns jetzt die Übernahme vor. Nur etwa ein Drittel aller Auslernenden erhält einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Das geht so nicht weiter, befristete Übernahme ist von gestern. Damit muss endlich Schluss sein. Wir wollen attraktive Arbeitsbedingungen für junge Leute. Dazu gehören sichere Perspektiven.“

Chemie-Arbeitgeber: kein Anlass zu Lohnoptimismus

Die Chemiearbeitgeber wollen dagegen auf die Kostenbremse treten, sagt deren Verhandlungsführer Hans-Carsten Hansen: „5,5 Prozent mehr Geld wird es nicht annähernd geben.“

Die konjunkturelle Lage der Branche gebe keinen Anlass zu Lohn-Optimismus: „Die Produktion unter Vorkrisenniveau, zehn Quartale ohne Wachstums-Dynamik, sinkende Produktivität – unter dem Strich steht ein stagnierendes Geschäft bei steigenden Kosten“, betonte Hansen. Insbesondere steigende Kosten für Arbeit und Energie erhöhten den Kosten- und Wettbewerbsdruck in den Unternehmen massiv.

„Deshalb muss die Chemie-Tarifrunde 2014 einen Beitrag zur Stärkung unserer Wettbewerbsfähigkeit leisten. Die Schere zwischen kräftigen Tariferhöhungen und rückläufiger Produktivität darf nicht weiter auseinander gehen.“ Hansen mahnte zugleich zur Vorsicht beim Umgang mit Prognosen: „Seit 2011 klaffen Konjunkturprognosen und reale Entwicklung deutlich auseinander. Das Prinzip Hoffnung darf nicht zur Basis der Tarifpolitik werden.“

Hansen kritisierte zudem die Übernahme-Forderung der IG BCE: „Bereits heute werden über 80 Prozent der Ausgebildeten übernommen. Die Entscheidung darüber muss aber in der Verantwortung der Unternehmen bleiben. Jeder tarifliche Zwang würde dazu führen, dass weniger ausgebildet wird. Damit wäre die gemeinsame Erfolgsgeschichte des Tarifvertrags „Zukunft durch Ausbildung“ in Frage gestellt.“ Die Arbeitgeber seien bereit, diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Hansen: „Wesentlicher Teil des gemeinsamen Erfolges ist aber der tariflich verankerte Grundsatz „Ausbildung geht vor Übernahme.“

Tarifbezirke und zeitlicher Ablauf der Verhandlungen
Die Verhandlungen in den Tarifbezirken beginnen im Dezember, der Auftakt erfolgt am 2. Dezember in Frankenthal (Rheinland-Pfalz). Es folgen Nordrhein (4.12.), Hessen (5.12.), Baden-Württemberg (6.12.), Nord (9.12.), Westfalen (10.12.), Bayern (11.12.), Saarland (12.12.) und Ost/Berlin (West) am 13. Dezember.

Die Chemie-Tarifverträge gelten für rund 550.000 Beschäftigte in 1.900 Betrieben der deutschen Chemie-Industrie, die Laufzeiten enden regional unterschiedlich: In den Tarifbezirken Nordrhein, Rheinland-Pfalz und Hessen zum 31.12.2013; in Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Nord und Berlin (West) zum 31. Januar 2014; im Saarland und Ost zum 28. Februar 2014.

(dw)

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