Chemie-Tarifrunde 2014: Verhandlungen ohne Ergebnis vertagt

16.12.2013 Die IG BCE-Verhandlungsgruppen und die Chemiearbeitgeber haben ihre Verhandlungen in allen 9 Tarifbezirken in der vergangenen Woche ohne Ergebnis vertagt. Die Verhandlungen werden am 15. Januar in Darmstadt auf Bundesebene fortgesetzt.

Chemie-Tarifrunde 2014: Verhandlungen ohne Ergebnis vertagt

In allen 9 regionalen Tarifbezirken praktisch das gleiche Ergebnis: Kein Ergebnis. Somit werden Tarifverhandlungen am 15. Januar in Darmstadt auf Bundesebene fortgesetzt (Bild: Marcel Hasübert)

Bei der Entgeltforderung der IG BCE von 5,5 % mehr Entgelt, einer Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 60 Euro und einer unbefristeten Übernahme der Auszubildenden konnten sich die Tarifparteien auch im Bezirk Nordost (der letzten von insgesamt 9 Verhandlungsrunden auf regionaler Ebene) nicht annähern – so wie zuvor schon in den 8 anderen Tarifbezirken. Christian Jungvogel, Leiter der Abteilung Tarifpolitik und Verhandlungsführer der Gewerkschaft „Die Arbeitgeber mauern, reden das Ende der Wettbewerbsfähigkeit ihrer Unternehmen herbei, wenn die Entgelte steigen. Die Zahlen aber sprechen eine ganz andere Sprache: Die Lage der Unternehmen ist gut, die Konjunktur zieht an – auch in Ostdeutschland. Alle Erwartungen für das kommende Jahr setzen klare Signale nach weiterer Gewinnsteigerung. Für diesen Erfolg sorgen die Beschäftigten mit großem Einsatz und enormem Know-how. Die Kolleginnen und Kollegen fordern jetzt ihren Anteil. Unsere Forderung von 5,5 Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von 12 Monaten ist mehr als gerechtfertigt und realistisch!“

Ausgesprochen kontrovers wurde nach Darstellung der Gewerkschaft in der Verhandlung die Frage der unbefristeten Übernahme der Auszubildenden diskutiert. Die IG BCE fordert langfristige Perspektiven für die jungen Menschen. Dazu Jungvogel: „Mit der Praxis der ständigen Befristungen für die ausgelernten jungen Menschen muss endlich Schluss sein. Gerade im Tarifgebiet Nordost haben die Unternehmen heute schon Schwierigkeiten, genügend Fachkräfte zu bekommen. Unsere Forderung nach mehr unbefristeten Übernahmen zielt auch auf die Zukunftssicherung unserer Industrie. Junge, gut ausgebildete Menschen brauchen Perspektiven. Wir wollen die jungen Fachkräfte an unseren Standorten halten und so früh wie möglich eine gesicherte Zukunft für sie erreichen – das ist die unbefristete Übernahme!“

Teil des Forderungspaketes der Gewerkschaft in dieser Tarifrunde ist eine Weiterentwicklung für den erfolgreichen Tarifvertrag „Zukunft durch Ausbildung“. Dieser Ausbildungstarifvertrag verpflichtet bislang die Arbeitgeber in der chemischen Industrie, deutschlandweit durchschnittlich 9.000 Ausbildungsplätze anzubieten, davon rund 700 Ausbildungsplätze im Tarifgebiet Nordost. Er läuft Ende dieses Jahres aus. Die Arbeitgeber signalisierten einzig in der Frage des Ausbildungstarifvertrags in der Verhandlung Gesprächsbereitschaft.

Aus dem Arbeitgeber-Lager
„5,5 % sind aus unserer Sicht weit überhöht“, sagte beispielsweise Hans Oberschulte, Vorsitzender der Tarifkommission beim Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz in Ludwigshafen. Heute liege die chemische Industrie in der Produktion noch immer unter dem Vorkrisenniveau von 2007, aber die Lohnkosten seien seither kräftig weiter gestiegen. Diese Schere müsse sich erst schließen, bevor man über kräftige Lohnerhöhungen reden könne, sagte Oberschulte.

Viele Branchenbetriebe in Rheinland-Pfalz müssten zudem Umsatzrückgänge hinnehmen und steigende Energiekosten verkraften. Ein kräftiges Wachstum der Branche als Grundlage für eine kräftige Lohnerhöhung sei weit und breit jedoch nicht zu sehen. In der Einschätzung der wirtschaftlichen Lage der Chemiebranche, speziell für 2014, liegen Gewerkschaften und Arbeitgeber nach Darstellung von Oberschulte sehr weit auseinander; so sehen die Arbeitgeber in der chemischen Industrie die wirtschaftliche Entwicklung im kommenden Jahr eher verhalten.

„Die Gewerkschaftsforderung steht im Gegensatz zur wirtschaftlichen Realität in der Ostchemie“, erklärte Dr. Georg Rheinbay, der Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbandes Nordostchemie zu den Tarifverhandlungen. „Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Unsere Firmenumsätze stagnieren und unsere Kosten steigen“, führte Rheinbay weiter aus und warnte: „Die Schere zwischen Tariferhöhungen und der rückläufigen Produktivität darf nicht noch weiter aufgehen, sonst leidet die Wettbewerbsfähigkeit.“

Eine aktuelle Umfrage des Arbeitgeberverbandes zeigt nach Darstellung des Verbandes, dass die wirtschaftliche Lage keinen Anlass zur Freude biete. Die Hoffnungen zu Jahresbeginn seien nicht erfüllt worden, die Ostchemie trete weiter auf der Stelle. Das Umfeld sei in den letzten Jahren nicht stabiler geworden. Europas Wirtschaft stehe nach wie vor am Scheideweg, in Deutschland seien die Unternehmen darüber hinaus durch die Energiewende starken Belastungen ausgesetzt. Das Rückschlagspotential sei hoch.

„Die Positionen liegen derzeit weit auseinander. Das ist zu Beginn einer Tarifrunde aber nicht verwunderlich,“ kommentiert Rheinbay die Situation. Es gäbe ja auch weniger strittige Bereiche. So sind beide Seiten an einer Fortführung des Tarifvertrages „Zukunft durch Ausbildung“ interessiert. Die Arbeitgeber betonen lediglich, dass der Grundsatz „Ausbildung geht vor Übernahme“ weiter Bestand haben muss. Eine Übernahmegarantie schloss er aus.

(dw)

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