Auf dem Prüfstand

CT-Produktfokus:Neue Entwicklungen bei Dichtungen

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22.11.2009 Spezielle Anwendungsprobleme führen bei Dichtungen zu immer neuen und verbesserten Konstruktionen. Dabei stehen neue Werkstoffe, aber auch Langzeitstabilität, Montagefreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit im Mittelpunkt des Interesses. Gerade in jüngster Zeit gab es wieder zahlreiche Entwicklungen, über die wir in unserem Produktfokus berichten.

Verträgt CIP und SIP Der EPDM-Werkstoff AP 302 von Otto Gehrckens erfüllt die Unbedenklichkeitsprüfung gemäß FDA 21 CFR § 177.2600 und die Freigabe nach USP Class VI im Chapter 88. Dabei wurde der Werkstoff bis 121°C geprüft – eine zusätzliche Sicherheit in kritischen Bereichen. Der Werkstoff wurde speziell für den Einsatz mit flüssigen und fetthaltigen Medien konzipiert und für einen Temperaturbereich von 40 bis 150°C ausgelegt. Dichtungen, die in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie eingesetzt werden, müssen auch den Wechselwirkungen im Produktionsprozess widerstehen. Speziell CIP und SIP stellen hier höchste Ansprüche an die Dichtungen. Der Werkstoff AP 302 kann über deutlich längere Einsatzzeiträume standhalten als herkömmliche Materialien; der Druckverformungsrest liegt bei 15% (22h/100°C).

Vorteile bei der Sterilisation Die Gleitringdichtung Typ 900 S von Chetra wurde speziell für Anwendungen mit Reinigungs- und Sterilisierprozessen (CIP/SIP) in der Pharma- und Lebensmittelindustrie entwickelt. Typische Anwendungen sind die Herstellung von Pasten und Emulsionen, zum Beispiel in Exzenterschneckenpumpen oder auch in der Mahltechnik. Der Produktraum von Pumpen und Mühlen ist mit dieser Dichtung spalt- und totraumarm gehalten. Die Dichtungen können bei Reinigungsprozessen gut gespült werden und entsprechen EHERDG-Anforderungen. Die Dichtung ist druckentlastet und mit zusätzlichen, für die Reinigung optimierten Nebendichtungen ausgestattet. Ein geschütztes Federpaket verhindert Verschmutzung und Beeinträchtigung der Dichtfunktion.

Mit glatter Außenkontur Im Lebensmittel- und Pharmabereich müssen problemlose Reinigung und Sterilisierbarkeit sämtlicher Bauteile nach den gängigen Verfahren gewährleistet sein. Die Sterildichtung HN 435 STD von Hecker Werke ist eine totraumfreie Gleitringdichtung mit glatter Außenkontur und geschlossenem Federraum. Dadurch werden Anhaftungen verringert, ein Zusetzen mit Feststoffen verhindert und die Reinigung erleichtert. Die Dichtung ist entlastet und für Einbauräume KU nach EN 12756 konzipiert. Sämtliche produktberührenden Werkstoffe haben FDA-Zulassung.

Kontrolliert vorgepresst Bei Gylon Bio-Pro von Garlock handelt es sich um eine vorgeformte und kontrolliert vorgepresste Dichtung für alle Tri-Clamp-Normabmessungen mit sehr guter chemischer Beständigkeit. Sie ist vor allem für die gestiegenen Anforderungen in der Lebensmittel-, Pharma- und Biotechnologie geeignet. Sie ist temperaturbeständig – zum Beispiel von 5 bis 180°C; auch häufige Temperaturzyklen haben keinen negativen Effekt. Die Dichtung verfügt nach Angabe über eine nahezu universelle chemische Beständigkeit, ist FDA-konform und entspricht den Vorgaben der USP Class VI. Mit Gylon Bio-Eco bietet der Hersteller Dichtungen für Milchrohrverschraubungen, mit Gylon Bio-Asept Formdichtungen für die Aseptik. Bei Gylon Bio-Line handelt es sich um speziell hergestellte Formdichtungen aus dem Werkstoff Gylon Style 3504. Die Dichtungen verfügen über umfangreiche Zulassungen, unter anderem FDA, USP Class VI und EN 1935.

Für außergewöhnliche Anwendungen Insbesondere bei empfindlichen Bauteilen wie elastomeren Dichtungen führt der Kontakt mit aggressiven Medien häufig zu Beschädigungen. Otto Gehrckens hat einen FKM-Dichtungswerkstoff mit der Bezeichnung HF 875 entwickelt. Durch die Verwendung eines hochfluorierten Basispolymers weist dieser Werkstoff eine sehr gute Chemikalienbeständigkeit auf. Selbst in getesteten Medien wie Salpetersäure und Natriumhydroxid sind die Werkstoffveränderungen gering. Der Werkstoff ist für eine Vielzahl von Industrieanwendungen, wie etwa Rohre, Pumpen, Ventile oder Motoren, geeignet.

Uneingeschränkte Lagerfähigkeit Mit der Hand- und Mannlochdichtung Perel von Hecker Werke sind aufgrund der Dauerelastizität saubere und dauerhafte Verbindungen gegeben. Einsatzgebiete sind die Prozesstechnik der chemischen und pharmazeutischen Industrie sowie verwandte Gebiete. Durch die guten Dichteigenschaften bei geringer Flächenpressung ist ein problemloses Abdichten möglich. Die Dauerelastizität der Dichtung ermöglicht sen Einsatz unter anspruchsvollen Betriebsbedingungen, etwa bei wiederholtem Öffnen und Schließen. Die Dichtung härtet nicht aus und unterliegt keinem Alterungsprozess.

Reibungswärme sicher abführen Die Tandem-Sicherheits-Gleitringdichtung Typ 770 von Chetra wurde entwickelt, um Wärmeträgeröle bis 360 bzw. 400°C ohne Fremdkühlung abzudichten. Sie ist eine doppeltwirkende Metallfaltenbalg-Gleitringdichtung in Tandem-Anordnung und Cartridge-Bauweise. Das Gehäuse ist mit Kühlrippen versehen; um Verkrackung und Bildung von Öl-Kohle zwischen den Gleitflächen zu verhindern, wird die Dichtung mit kaltem Wärmeträgeröl beaufschlagt. Die optimierte Führung des Quenchmediums sorgt so für Umspülen des produktseitigen Gegenringes und sichert somit das Abführen von Reibungswärme zwischen den Gleitflächen.

Fit für den kryogenen Einsatz Emerson Process Management stellt eine kryogene Dichtung für seine Hochleistungs-Füllstand-Messumformer der Serie 5300 vor. Die Dichtung erlaubt genaue, zuverlässige Füllstandmessungen kondensierter und verflüssigter Gase bei sehr niedrigen Temperaturen (bis -196°C). Sie ist daher geeignet für Prozesstanks, Bezugsgefäße, Lagertanks oder Transportfahrzeuge. Die neue Dichtung für den Messumformer schützt auf zwei Ebenen: Durch eine Temperatur- und eine Druckschranke in einer flexiblen Montageeinheit hält sie Kräfte ab, die durch die Bewegung der Sonde oder Änderungen der Temperatur induziert werden. Eine zweite, hermetisch abschließende, gasdichte hartgelötete Dichtung bietet zusätzlichen Schutz. Das gesamte Bauteil ist zum Zwecke hoher Widerstandsfähigkeit in eine Edelstahlmanschette eingeschweißt.

Umbau von Dichtungssystemen Die Atex-konforme Gleitringdichtung ESD32T von Ekato ist einfachwirkend und trockenlaufend. Die Dichtung verfügt über eine Technologie, die die Temperatur kontinuierlich messen und die Funktionsfähigkeit der Messeinrichtung überwachen kann. Damit entspricht die Dichtung allen gesetzlichen Vorschriften für die Kategorie 1/2 (Zone 0/1). Dabei wird die geforderte Redundanz, statt über zwei unabhängige Systeme, mit nur einem Sensor gewährleistet.

Designvorgaben nach Category 1 erfüllt
Die Baureihe Apitex von Burgmann umfasst einfach- und doppeltwirkende O-Ring-Dichtungen nach „Category 1“ der API 682, 3rd Edition/ISO 21049 für die chemische Industrie. Die Designvorgaben der Category 1 wurden bei der Konstruktion der Dichtung komplett berücksichtigt. Die Einsatzgrenzen liegen bei 22bar und 40 bis 260°C (>22°C nach Rücksprache), 23m/s. Wichtigste Kennzeichen sind eingeschrumpfte Gleitringe, solide Gegenringe, produktgeschützte Federn, Umkehrtauglichkeit und Pumpring.

Heftausgabe: September 2009

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Lind
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