Strom aus dem Knie

CT-Spotlight – Energiesammler soll Sensoren und Gadgets antreiben

18.07.2012 Forscher des Energy Harvesting Network arbeiten an einem Kniebügel, der die Bewegung des menschlichen Beins in Strom umsetzen soll. Dieser soll in Zukunft verschiedenste Sensoren und Implantate mit Energie versorgen.

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Juli 2012

Strom aus dem Knie – nur ein Traum oder mögliche Realität? Bild: © ag visuell – Fotolia.com

Können Sie sich so etwas vorstellen? Ein Anlagenfahrer steht auf der Kolonne vor seinem Wireless-Sensor und macht Kniebeugen, um diesen mit Strom zu versorgen… Ein schlechter Scherz, denken Sie? Wissenschaftler der University of Cranfield und der University of Liverpool haben ein ringförmiges Gerät entworfen, das äußerlich an das Knie angelegt wird. Das Gelenk bietet ideale Voraussetzungen für das Sammeln von Energie, da es oft schnelle Bewegungen mit relativ großen Winkelveränderungen ausführt.
Derzeit kann der Kniebügel nur etwa 2 mW an Energie erzeugen. Das Forscherteam geht aber davon aus, dass sich mit einigen, durchaus machbaren Verbesserungen eine Leistung von über 30 mW erzeugen lässt. Dies würde bereits ausreichen, um einen GPS-Tracker in Betrieb zu halten.  Und wie sieht jetzt das Beispiel unserer Kolonne aus? Wieviel Strom benötigt ein Sensor?
Ein Wireless-Sensor braucht durchschnittlich 1W an Energie – das würde in unserem Beispiel bedeuten, dass rund 500 Anlagenfahrer auf das Heftigste Kniebeugen machen, um das Teil am Laufen zu halten. Besonders nach der Mittagspause soll ja ein bisschen Bewegung schließlich nicht schaden. „Es handelt sich um ein Projekt zur Herstellung eines kompakten und wirklich tragbaren Harvesters“, so Pozzi, Leitautor der Studie. „Im Moment nutzen wir präzise, aber kosteneffiziente Produktionstechniken für die Schale und die Plektren und rechnen damit, dass alle anderen Bestandteile industriell gefertigt werden können.“ Er geht davon aus, dass das Endprodukt in der Massenproduktion rund 12,30 Euro kosten wird. Bei diesem Spottpreis könnten sich das viele Menschen – nicht nur Anlagenfahrer – leisten. Sie hätten körperliche Bewegung und würden ihren eigenen Strom erzeugen – klarer Fall von Energieeffizienz!

Heftausgabe: Juli 2012

Über den Autor

Birgit Lind
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