Chemie-Gemüse aus dem Park

CT-Spotlight – Erweitertes Serviceangebot mit grüner Chemie

06.03.2018 Unter dem Motto „Produce in Germany´s Chemical Parks“ präsentieren sich die führenden Chemieparks aus Deutschland auf der Achema 2018 in Frankfurt als Partner für Investoren aus dem Ausland. Im angelsächsischen Sprachraum mag das vorübergehend für Verwirrung sorgen, bedeutet „produce“ als Substantiv gebraucht dort doch auch so viel wie „Obst und Gemüse“.

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gemüse im labor

Bild: Schlierner – adobe.stock

Das könnte Umwelt- und Verbraucherschützer auf den Plan rufen, die bereits den nächsten Lebensmittelskandal wittern. Während möglichst gesunde und natürliche Nahrungsmittel an Beliebtheit und Aufmerksamkeit gewinnen, hat die Chemie in diesem Bereich keinen besonders guten Ruf. Schwarzheidelbeeren, Zartbitterfeld-Schokolade, Gerst(hof)ensaft oder ein Knapsack voll Kartoffeln dürften zunächst keinen unmittelbaren Kundenansturm im Supermarkt erwarten.

Stoffverbund mit der Kantine

Aber warum eigentlich nicht? Der Trend zur grünen Chemie hat schließlich das Wachstum einer Bohnenranke. Das Motto könnte ein Hinweis auf den subtilen Wandel sein, den die Branche derzeit durchmacht: Selbst der bislang zurückhaltende Chemieriese BASF mischt mittlerweile im Agrargeschäft mit, fischt sich aus der Kielwelle der Bayer-Monsanto-Hochzeit einen Batzen Bayer-Saatgut und macht den Bock zum Gärtner.

Dementsprechend könnten auch die Betreiber der deutschen Chemieparks ihr Angebot an Dienstleistungen um eine Obst- und Gemüseabteilung erweitern. Das Einsparpotenzial in der Betriebskantine durch Grünzeug aus eigenem Anbau ist enorm. Hinzu kommt: „Bei den Exporten ist Deutschland auch bei der Chemie die Nummer 1 in Europa“, jubelt Jürgen Friedrich, Sprecher der Geschäftsführung von Germany Trade & Invest. Und wer wäre besser geeignet, der unter Preisverfall und EU-Regularien ächzenden deutschen Landwirtschaft unter die Arme zu greifen, als das Export-Zugpferd chemische Industrie?

Doch um die Produktion auf deutschem Chemieparkboden anzukurbeln, sind Investoren nötig. Diese umwirbt Jürgen Vormann, Vorsitzender der Fachvereinigung Chemieparks im Verband der Chemischen Industrie (VCI): „Aus einem umfangreichen Serviceangebot können Unternehmen, die sich in einem Chemiepark in Deutschland ansiedeln möchten, maßgeschneiderte Leistungen auswählen.“ Dieses Angebot reicht bislang „von A wie Abfallmanagement bis Z wie Zollkompetenz“. An attraktiven Investitionsmöglichkeiten könnten aber bald A wie Apfel bis Z wie Zwiebel hinzukommen.

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Heftausgabe: März/2018

Über den Autor

Ansgar Kretschmer, Redaktion
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