Auf Tuchfühlung gehen

CT-Spotlight – Gadget des Monats – Gefahrstoff-Handschuh

12.09.2013 Man riecht sie nicht, man schmeckt sie nicht, man sieht sie nicht. Und dann ist es unter Umständen passiert: Unsere natürlichen Sinneswahrnehmungen sind leider nicht in der Lage, jeden Gefahrstoff zu detektieren und einzuordnen. Um Leib und Leben zu schützen, gibt es hierfür zwar bereits Lösungen, doch meist nur in Form aufwendiger Technik. Bisher.

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September 2013

Bild: Fraunhofer EMFT

Das Gute an Schutzhandschuhen ist,  dass sie den Anwender vor Kontaminationen schützen. Das Blöde ist, dass das Gefahren-Bewusstsein dadurch unter Umständen sinkt. In der Folge kann es dann passieren, dass sich eine Person mit einem kontaminierten Handschuh das Auge reibt und dabei Verletzungen zufügt. Um solche und ähnliche Arbeitsunfälle künftig zu vermeiden, entwickeln Forscher des Fraunhofer EMFT (Einrichtung für Modulare Festkörper-Technologien) derzeit einen Stoff, der bei Kontakt mit Gefahrstoffen die Farbe wechselt. Dr. Sabine Trupp leitet die Gruppe Sensormaterialen beim Fraunhofer-Institut, die sich mit dem „intelligenten“ Textil befasst: „Durch Synthese der passenden Sensorfarbstoffe können wir beispielsweise Gase wie Kohlenmonoxid oder Schwefelwasserstoff nachweisen.“

Low-tech-Lösung
Der wohl größte Vorteil der Technologie: Kein Kabel, kein Akku und keine empfindliche Elektronik – die Handschuhe sind immer und überall einsatzbereit. Der Knackpunkt liegt laut Trupp vor allem beim Entwickeln maßgeschneiderter Sensorfarben: „Das Farbstoffmolekül muss gezielt einen speziellen Analyten erkennen, nur dann darf eine chemische Reaktion erfolgen. Außerdem muss der Farbstoff sicher haften, er darf nicht ausgewaschen werden.“ Aber auch weiterführende Lösungsansätze schweben den Wissenschaftlern bereits vor: Ein in das Textil eingebrachter Sensor könnte Gefahrstoffe registrieren, Messwerte speichern und im Anschluss an eine zentrale Einheit übertragen. Dies würde es Betreibern dann ermöglichen zu dokumentieren, wie oft und wann bestimmte Personen mit toxischen Stoffen in Berührung kommen. Aber auch im Foodbereich sieht Trupp Einsatzmöglichkeiten: In die Umverpackung eingebrachte Indikatoren könnten im Discounter den Qualitätszustand der Lebensmittel visualisieren und damit auf Seiten der Konsumenten wie auch des Verkaufs die Sicherheit erhöhen.[pb]

Heftausgabe: September 2013

Über den Autor

Plilip Bittermann, Redaktion
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