Der Weltuntergang wird verschoben

CT-Spotlight: Horrorskop des Monats

05.08.2019 Zumindest die Chemie stimmt. Nur: Stimmt sie uns optimistisch? Pessimistisch? Nachdenklich? Den Zahlen und Prognosen am Anfang dieses Heftes zufolge hat die Chemieindustrie in Europa außer Wettbewerb nicht viel zu fürchten. Aber bis 2050 kann noch eine Menge anderer Dinge schiefgehen.

Space Impact

Bild: sergii rostetskyi – AdobeStock

Ein kurzer Blick auf die Ergebnisse zum Suchbegriff „Jahr 2050“ zeigt eine ganze Reihe von möglichen Katastrophen, die bis dahin noch zu überwinden sind. Allen voran: der Dauerbrenner Klimawandel. Glaubt man den Prognosen der Chemieindustrie, ist dieses kleine Problemchen aber praktisch gelöst: Gie wirtschaftliche Fixierung von CO2 und anschließende Verwertung als kostbarer Rohstoff scheint nur noch eine Formsache. Vielleicht nicht morgen, aber ganz bestimmt bis 2050.

Aber vielleicht kommt es nicht mal so weit. 2029 wird der Asteroid Apophis haarscharf an der Erde vorbeifliegen – wenn sich niemand verrechnet hat. Ansonsten wird der stark exotherm verlaufende Einschlag dieses Asteroiden auf der Erde für extrem aufregende chemische Reaktionen sorgen, an denen sich die unmittelbar Beteiligten jedoch nur kurzfristig erfreuen können, da sie selbst aufs Heftigste mitreagieren werden.

Entscheidung jenseits der Chemie

Unter Umständen entscheiden aber gar nicht die Chemie oder Astronomie über die Zukunft der Menschheit, sondern die Elektronik, genauer: künstliche Intelligenz. Wenn diese weit genug fortgeschritten ist, könnten Computer und Roboter reinen Tisch machen und sich gegen ihre Schöpfer auflehnen, so ein verbreitetes Szenario. Die tatsächliche Bedrohung ist jedoch eine ganz andere: Perfektionierte Maschinen könnten, verglichen mit anderen Menschen, wesentlich umgänglichere und attraktivere Gesellschaft abgeben, wodurch soziale Interaktionen auf ein Minimum sinken würden.

Dies bringt uns von der Elektronik in die Biologie: Die durch fehlenden zwischenmenschlichen Kontakt sinkende Geburtenrate mindert zwar das Problem der Überbevölkerung, führt aber auch zu drastischem demographischen Wandel – beides ebenfalls prominente Punkte im eingangs erwähnten Suchmaschinenergebnis. Doch keine Sorge, die Medizin hält eine Lösung parat: Unsterblichkeit statt Fortpflanzung. Optimistische Zukunftsforscher halten für möglich, dass es in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts keine natürlichen Todesursachen mehr gibt und der Mensch „biologisch unsterblich“ ist, Krankheiten und Alter sind besiegt. Damit entfällt auch die Notwendigkeit zu komplizierten Paarungsritualen und Vermehrung. Und demographischer Wandel ist kein Problem, mit Altlasten und Fossilien wissen wir schließlich umzugehen. [ak]

Heftausgabe: August/2019
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