Es zählt das, was hinten rauskommt

CT-Spotlight: Kuhgas statt amerikanischem LNG

07.09.2018 Diese Absichtserklärung hat ein „Gschmäckle“: Nach der jüngsten Übereinkunft zwischen EU-Kommissionspräsident Juncker und US-Präsident Trump soll Europa mehr Sojabohnen und auch amerikanisches Erdgas abnehmen. Wir haben eine technologische Alternative: Kuhgas.

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Tierschau - Kuheuter von hinten

Bild: Countrypixel – AdobeStock

Zoll auf Autoimporte finden nicht nur die deutschen Hersteller von Luxuskarossen doof, sondern auch deren zuliefernde Chemieunternehmen. Denn weniger Autos bedeuten weniger Lacke, weniger Weichschaum für Armaturenbretter und Sitze und auch weniger Airbag-Sprengstoff. Deshalb wurden die ausnahmsweise persönlich und nicht per Twitter geführten Verhandlungen zwischen Jean-Claude Juncker und Donald Trump mit Spannung erwartet. Das Ergebnis in aller Kürze: Europa kauft mehr Sojabohnen und verflüssigtes Erdgas, die USA verzichten im Gegenzug auf den Autozoll. Trump kann bei seinen besorgten Landwirten auftrumpfen und die EU bleibt im Unverbindlichen. Aber vielleicht lässt sich der Deal ja noch verbessern? Hier die Alternative: Kuhgas.

Fladen legender Methan-Milchreaktor

Die Lösung liegt auf der Hand: Trump behält sein mühsam gefracktes LNG und verkauft einfach viel, viel, ganz viel mehr Soja an uns Europäer. Wir verarbeiten dieses in Kuhmägen zu Methan und beheizen damit unsere Kraftwerke und Küchenherde. Und weil nebenbei auch noch Milch und Steaks entstehen, wird der Stall zum Verbundstandort, der aus vielen vierbeinigen Gärkesseln besteht – sozusagen dem Fladen legenden Methan-Milchreaktor.

Jetzt brauchen wir nur noch ein Konzept, um das Kuhgas am Ort der Entstehung aufzufangen, von Stallgerüchen zu befreien und in die existierende Erdgas-Infrastruktur einzuspeisen. Aber diese Entwicklung ist sowieso überfällig, denn bislang verpufft der anrüchige Energieträger ungenutzt in die Atmosphäre und heizt diese weiter auf. Denken wir uns den Stall deshalb doch gleich als Reaktor, der die gleiche Aufmerksamkeit und Ausrüstung verlangt wie die landläufige Chemieanlage: von A wie Automatisierungstechnik mit Ex-Zertifikat bis Z wie „zentrale Prozessluftaufbereitung“ inklusive Methanabtrennung. Zu Ende gedacht wird da nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch ein Schuh, ähm, eine Kuh draus.

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Heftausgabe: September/2018

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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