An „Prism“ bricht sich die Cloud: die dunkle Seite

CT-Spotlight – Leak des Monats

18.07.2013 „Der größte Nutzen der Cloud liegt in der zentralen Datenhaltung“ lautet ein zentrales Ergebnis einer aktuellen Mitgliederumfrage der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik. Das haben auch die Schlapphüte der amerikanischen NSA und der britischen GCHQ erkannt – und führen uns auf die dunkle Seite der Cloud.

Juli 2013

Bild: © ProMotion – Fotolia.com_50996651_Subscription_XXL

Jeder Mensch ist ein Mond, der seine dunkle Seite niemandem zeigt. Die Erkenntnis von Mark Twain inspirierte 1973 die Rockband Pink Floyd zu ihrem Album „The Dark Side of the Moon“. Ein Schelm der Böses dabei denkt und einen Zusammenhang zwischen dem Überwachungsprogramm „Prism“ und dem Prisma auf dem Plattencover sieht. Auch die NSA wollte die dunkle Seite ihrer Überwachungscloud bislang lieber nicht ausgeleuchtet sehen…

Let´s go naked
Aber mal ehrlich: Wozu die mediale Aufregung? Dass eMails für jeden einsehbare Postkarten sind, wussten wir doch schon immer. Dass allein das Mitführen eines Handys ausreicht, um selbst aus anonymisierten Datensätzen präzise Bewegungsmuster eines Users zu erstellen, wissen wir seit einigen Monaten ebenfalls. Und bei Facebook & Co. wird sowieso jeder Nutzer zum virtuellen Stripper. Also, was soll´s? Let´s go naked!

Übertragen wir diese Einstellung einfach auf die chemische Prozesstechnik: Die amerikanische NSA, der britische GCHQ, der russische SWR und die chinesische Stasi werfen ihre Cyber-Kompetenz in einen Topf und gründen gemeinsam das Netzwerk „plantbook“. Alle Unternehmen der Prozessindustrie werden per Gesetz dazu verpflichtet, ihre Kommunikation künftig ausschließlich über „plantbook“ abzuwickeln und ihre Prozessdaten in der plantbook-Cloud zu speichern. Über die Suchmaschine „pläänle.com“ lassen sich alle Planungs-, Konstruktions- und Produktionsdetails jederzeit von jedem einsehen. Patente werden genauso abgeschafft wie der Begriff „intellectual property“ – Entwickler werden verpflichtet, neue Ideen innerhalb eines Tages auf „plantleaks.com“ zu whistleblowen. 

Best Practices werden zum Allgemeingut, individuelle Wettbewerbsvorteile werden genauso abgeschafft, wie Aktienbesitz, Hauptversammlungen, Vorstandsgehälter, Monats- und Quartalsberichte. Schließlich werden globale Produktionsziele nur noch von der UNO ausgegeben, über die EU-Kommission an die Nationalregierungen weitergereicht und von dort über die Branchenverbände an die einzelnen Produktionsunternehmen kommunizert.

Und schließlich wird so die Frage beantwortet, die zum Album „Dark Side of the Moon“ führte: Was braucht es, um sensible Menschen in den Wahnsinn zu treiben? [AS]

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Heftausgabe: Juli 2013

Über den Autor

Armin Scheuermann
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