Spannungsabfall

CT-Spotlight: Power to X – oder auch nix

27.03.2019 „Die Zukunft gehört dem Strom“, sagt eine aktuelle Studie. Doch wo kommt dieser her? Was kann man damit machen? Und wer trägt am Ende den Spannungsabfall raus? Fragen über Fragen, die nach Antworten schreien.

Electronic waste isolated on white

Bild: ©Africa Studio – stock.adobe.com

Power to X elektrisiert derzeit nicht nur hartgesottene Stromer, sondern auch die Chemie. Denn die Variable X lässt sich mit so viel Verheißung füllen: Die Community berauscht sich nicht nur an Wasserstoff und Methan, sondern auch an Methanol und Ethanol. Während Letzteres lecker sein kann, ist bei Vorletzterem Vorsicht geboten (Erblindungsgefahr). Doch Strom soll nicht nur zur Produktion bewusstseinserweiternder Substanzen eingesetzt werden, sondern künftig ganze Branchen antreiben: so zum Beispiel die Transportbranche, die den Saft zuvor in Dosen (LiIon-Akkus) abfüllt.

Kohlendioxid aus Kohle – und wieder zurück

Einen spannenden Ansatz verfolgen auch australische Forscher. Es brauchte schon Experten aus Down Under, um die Entstehung von Kohlendioxid auf den Kopf zu stellen: Die Forscher aus Melbourne nutzen Strom zur Elektrolyse von Kohlendioxid, woraus mit dem richtigen Katalysator bei Raumtemperatur wiederum Kohle und Sauerstoff entsteht. Die Kohle könnte so später wieder im Boden endgelagert werden. Sehr gute Nachrichten für alle Stein- und Braunkohle-Kumpels: Diese können künftig weiter die Lore schieben, lediglich die Richtung ändert sich. Wichtig ist in dem Zusammenhang lediglich eine klitzekleine physikalische – nun, sagen wir mal – temporäre und wenig bedeutende Hürde: Der Gesamtwirkungsgrad. Aber daran wird auf politischer Ebene in Brüssel bereits intensiv gearbeitet. Gut informierten Kreisen zufolge soll dieser demnächst per EU-Richtlinie auf 1,2 festgelegt werden, den Anfang macht die Energieffizienzrichtlinie für Motoren und Pumpenantriebe.

Wirkungsgrad >1, aber wohin mit dem Müll?

Aber einen entscheidenden Haken hat die Sache – und dieser wurde jüngst in der Diskussion um Kunststoffe in den Meeren deutlich: Auch die Stromwirtschaft muss man erst vom Ende her denken. Denn sobald Strom durch ein elektrisches Bauelement fließt, entsteht Spannungsabfall. Und wo dieser entsorgt werden soll, das wissen bislang noch nicht einmal die EU-Bürokrakten. Wenn sich das mal nicht rächt!   [as]

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Heftausgabe: März/2019

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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