Deutschlands Ausscheiden bei der WM

CT-Spotlight: SIL verfehlt!

29.06.2018 Der Deutsche Fußballbund (DFB) funktioniert leider nicht wie die BASF oder Bayer. Wenn er dies täte, dann hätten wir Fans uns das dreimalige Zittern und Bangen vor dem Fernseher ersparen können. Denn mit einer ordentlichen SIL-Einstufung hätte sich bereits im Vorfeld der Fußball-WM herausgestellt: Das frühe Ausscheiden der Nationalmannschaft war abzusehen.

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Das Abschneiden der Nationalmannschaft hätte man bereits im Vorfeld berechnen können. (Bild: Redaktion)

Unser Grafik zeigt, wie sich das Risiko eines Ausscheidens der Nationalmannschaft genau berechnen lässt. (Bild: Redaktion)

Zu schwer wogen die bereits in der Vorbereitung erkennbare Formschwäche zahlreicher Weltmeister von 2014 und vor allem die Misere um den „Fuß der Nation“ von Kapitän Manuel Neuer. Das Thema der funktionalen (Pass-)Sicherheit scheint jedoch im Fußball noch nicht angekommen zu sein. Statt das Risiko genau zu quantifizieren und so mögliche SIL-zertifizierte Gegenmaßnahmen ergreifen zu können, folgte man beim DFB wohl eher dem vom Ex-Nationalspieler Andi Möller geprägten Motto: „Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl.“ So reichten die Mittel nicht einmal aus, ein Ausscheiden im Low Demand Mode, der bei der Fußball-WM unter dem Begriff „Vorrunde“ läuft, zu verhindern. An den High Demand Mode gegen Mannschaften wie Brasilien, Frankreich oder Belgien wollen wir gar nicht erst denken.

WM-Quali ist keine Betriebsbewährung

Das Ergebnis bei der Nationalmannschaft hat uns eines gezeigt: Auch eine perfekte Qualifikation kann nicht als Betriebsbewährung für das folgende Turnier gelten. Hätte der GAU in Form des Vorrundenaus aus Sicht der funktionalen Sicherheit dennoch verhindert werden können? Jogi Löw hat für seinen Kader die Komponenten mit dem höchsten S(P)I(E)L-Level ausgewählt, die zu diesem Zeitpunkt auf dem deutschen Markt verfügbar waren. Über SIL 1 ist bei der WM aber leider kein Nationalspieler hinausgekommen – nicht einmal der Hoffnungsträger Mesut Ö-SIL. Die Möglichkeit, diesem Umstand durch – am besten diversitäre – Redundanz in der Aufstellung abzuhelfen, scheiterte leider bereits am strengen Regelwerk: Im Fußball sind pro Mannschaft lediglich elf Spieler auf dem Platz und drei Auswechslungen erlaubt.

Als Trost bleibt nur: Die Nationalmannschaft hat nun bis zum nächsten Turnier zwei Jahre Zeit, die Innovationen aus der Prozessindustrie endlich in ihr Spiel zu übernehmen. Wie wäre es beispielsweise damit, den eigenen Strafraum sauber zu halten, indem man ihn zum Reinraum erklärt – mit den entsprechenden Schutzvorrichtungen natürlich. Auch wenn in Sachen Digitalisierung noch nicht alles rund läuft, kann unsere Branche den Nationalspielern sicher auch bei den von allen Seiten geforderten fußballerischen „Automatismen“ behilflich sein und sie so auf das nächste Level heben. Nationalmannschaft 4 zu 0 sozusagen.

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Heftausgabe: Juli/2018

Über den Autor

Jona Göbelbecker, Redaktion
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