Den Schlamm und nicht den Geldbeutel entwässern

CT-Trendbericht: Dekanter zur Klärschlammeindickung

Die Branche arbeitet deshalb fieberhaft an Lösungen. Eine solche wird vor allem im Einsatz von natürlichen Stärkepolymeren aus Pflanzen wie Erbsen und Kartoffeln gesehen. Sowohl beim Dekanter-Anbieter Hiller als auch beim Hersteller Flottweg hat man hierzu bereits vielversprechende Lösungskonzepte getestet. Gerade beim Einsatz von Stärkepolymeren spielen Dekanter ihre Stärken aus: Gegenüber dem Bandeindicker benötigen sie das stärkebasierte polymere Flockungshilfsmittel in vergleichsweise homöopathischen Dosen. „Wir halten die Entsorgung von Klärschlamm auf dem Ackerland nach wie vor für eine gute Lösung – das Eindicken mit Dekantern und Stärkepolymer ist deshalb für die Zukunft ein Baustein um die Novelle der Klärschlammverordnung zu erfüllen“, verdeutlicht Nils Engelke, PR- und Kommunikationsmanager bei Flottweg.

Kostentransparenz herstellen

Doch neben der Gesetzgebung bleiben die Kosten im Entsorgungsgeschäft ein maßgeblicher Faktor. Wie überall im Anlagenbau spielen bei der Erstausrüstung einer Anlage häufig die Investitionskosten eine übergeordnete Rolle, die späteren Betriebskosten werden nicht immer ausreichend in der Kalkulation zum Entscheidungsprozess bewertet. „Ein besseres Verständnis der Kostenstruktur ist hier entscheidend, um Lösungen zu finden, mit denen die Gesamtkosten minimiert werden können“, erläutert Martin Leodolter, Service Manager Industry bei Alfa Laval Mid Europe: „Selbst ein kleiner Anstieg beim Trockengrad des Kuchens oder eine geringe Abnahme des Polymerverbrauchs kann zu einer deutlichen Kostenreduzierung führen. Die Bedeutung von ein paar Prozentpunkten wird leider oft unterschätzt.“ Der Hersteller hat deshalb ein neues Tool zur Kostenberechnung entwickelt, das dabei hilft, die Gesamtbetriebskosten eines Dekanters über den gesamten Lebenszyklus zu minimieren. Das Programm liefert nach einer Kostenanalyse Vorschläge für Verbesserungsmaßnahmen – von der einfachen Feinabstimmung eines Dekanters über Instandhaltungsprogramme bis hin zu Upgrades der eingesetzten Maschinen.

Automatisierung und Regelung der Dekanter

Auf eine bessere Regelung der Maschinen zielen die jüngsten Entwicklungen der Dekanter-Anbieter. Mit dem Steuerungssystem Centritune von Andritz lassen sich die Kernkomponenten von Zentrifugen und Dekantern so regeln, dass die Maschine auch bei schwankenden Konzentrationen im Zulauf eine konstante Schlammqualität am Feststoffaustrag erreicht. Einerseits geschieht dies, indem bei stabiler Füllgutkonzentration die Relativdrehzahl geregelt wird, andererseits durch Berechnung des Drehzahlsollwerts in Abhängigkeit von der Füllgutkonzentration und dem Drehmoment. „Wir sehen in der Automatisierung der Maschinen einen wichtigen Trend, weil sie ein Schlüssel zur Optimierung bestehender Dekanter ist“, verdeutlicht Andritz-Mitarbeiterin Sabrina Guillerez.

Heftausgabe: August 2016
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Über den Autor

Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK
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