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CT-Umfrage Füll- und Grenzstandmessung: Technik und Entscheidungskriterien – Teil 2

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05.11.2011 Im ersten Teil der Auswertung unserer Umfrage hatten wir in CT 10 die Entscheidungskriterien sowie die Bedeutung der Wireless-Kommunikation analysiert. Im zweiten Teil geht es nun um die aktuellen Entwicklungsschwerpunkte der Gerätehersteller sowie die Wünsche der Anwender. Und nicht zuletzt auch um die Frage, welche Messprinzipien in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden.

Entscheider-Facts Für Anwender


und Hersteller

  • An erster Stelle steht als Entscheidungskriterium die Zuverlässigkeit.
  • Bei den Servicekriterien wird die Innovationsfähigkeit des Herstellers als ganz wichtig
  • erachtet.
  • Bei der Grenzstanderfassung dominieren nach wie vor die Vibrationssonden, während zur kontinuierlichen Messung insbesondere Radar am Seil mehr und mehr gefragt ist.
  • Zu den wichtigsten Entwicklungen zählen aus Herstellersicht die vereinfachte Bedienung, Diagnosefunktionen sowie die Entwicklung von SIL-Geräten.
  • Die Anwender wünschen sich Geräte mit längerer Lebensdauer sowie Selbsttestfunktionen.

Bei der „Standmessung“ müssen zunächst die beiden groben Anwendungsbereiche „Grenzstand“ und „kontinuierliche Messung“ unterschieden werden. Eine Frage, die wir den Anwendern in jeder unserer Umfragen, in 2000, 2004, 2007 und nun in 2011, vorgelegt hatten, lautete „Wie schätzen Sie die Bedeutung der folgenden Messprinzipien ein?“ Für Grenzstandmessgeräte scheint die Antwort seit einem Jahrzehnt in Stein gemeißelt: Auf Rang 1 rangiert die Vibrationssonde, die auch noch in diesem Jahr von 50 Prozent der Befragten Anwender (19 Antworten, 230 Befragte) mit steigender Bedeutung gesehen wird. Darauf folgen die Prinzipien „kapazitiv“, „Membran“, „Radiometrie“ und schließlich Drehflügelgeräte“. In diesem Jahr haben lediglich radiometrische Geräte und Membranschalter die Plätze getauscht.
Ganz anders ist dagegen die Dynamik bei den kontinuierlichen Geräten: Hier hatten sich Freistrahl-Radargeräte vom Rang 3 im Jahr 2000 bis zur vorletzten Befragung auf Platz 1 vorgearbeitet und die ehemalige Nummer 1 (gravimetrische Geräte) inzwischen auf Rang 6 verwiesen. In diesem Jahr allerdings haben geführte Mikrowellengeräte („Radar am Seil“) das Freistrahl-Radar in der Anwendergunst überholt. Mit eher abnehmender Bedeutung werden Lotsysteme und magnetostriktive Geräte bewertet.

SIL-Entwicklungen gefragt
Bei der Einschätzung zu aktuellen Entwicklungsschwerpunkten für Füll- und Grenzstandmessgeräte war wiederum der Vergleich zwischen den Schwerpunkten der Hersteller und den Wünschen / Meinungen der Anwender interessant. Während beide Zielgruppen der Befragung die Entwicklung nach DIN/EN 61508 (SIL) für sehr wichtig und insgesamt an zweiter Stelle sehen, geben die Anwender lediglich einem Entwicklungsschwerpunkt noch größeres Gewicht: Der Verlängerung der Lebensdauer. Ein Hintergrund ist hier der Wunsch nach längeren Revisionszyklen für Konti-Anlagen. Etwas unterschiedlich werden auch Selbsttest-Funktionen bewertet: Anwender halten diese für wesentlich wichtiger als die Hersteller. Weitgehend Einigkeit herrscht bei den Themen Diagnose, Diagnosefunktionen sowie 2-Leiter-Technik.
Bei den Werkstoffen für den Prozessanschluss sehen die Anwender ebenfalls noch Entwicklungsbedarf. Unterschiedliche Bewertungen offenbaren sich auch bei Entwicklungen zur Trennschichtmessung sowie beim Thema Asset Management. Letzteres wird von den Herstellern in seiner Bedeutung für die Geräteentwicklung recht unterschiedlich bewertet. Nicht verwundern dürfte auch die Sicht der Hersteller bei der Plattformstrategie. Diese ist für die Anbieter vor dem Hintergrund von Entwicklungskosten und Standardisierungskonzepten von Bedeutung, während Anwender in puncto Lagerhaltung und einheitlichen Bedienkonzepten profitieren können. Deutlich unterschiedlicher Meinung sind beide Befragten-Gruppen beim Aspekt „Systemlösungen“ – diese halten Hersteller für sehr viel wichtiger als Anwender. Entwicklungsarbeiten in dieser Richtung sind sicher auch dem Wunsch geschuldet, mit Systemlösungen wie beispielsweise kompletten Lagermanagement-Lösungen eine höhere Wertschöpfung zu erzielen als im reinen Geräte- und Komponentengeschäft.
Unterschiede bei der Bewertung von Wireless-Geräten
Interessanterweise ist der Wunsch der Anwender nach der Entwicklung neuer Frequenzbereiche für Radargeräte stärker als auf der Herstellerseite. Anwender erhoffen sich davon offensichtlich Lösungen für schwierige Applikationen in Schüttgütern sowie dampfenden und schäumenden Medien. Auch bei der Entwicklung weiterer Feldbusprotokolle sowie Lösungen zur Messbereichserweiterung gehen die Meinungen der Befragten deutlich auseinander. Beide Entwicklungsschwerpunkte werden von Herstellern als eher wichtig erachtet, während die Anwender hier wenig Bedarf sehen. Dass die befragten Anwender dem Thema Wireless kritisch gegenüberstehen, hatten wir bereits im ersten Teil unserer Analyse aufgezeigt.
Als Entscheidungskriterien sehen die Anwender in Zukunft vor allem Wartungsintervalle sowie Wartungs- und Instandhaltungskosten mit steigender Bedeutung, während Referenzen in ähnlichen Anwendungen sowie technische Eigenschaften wie die Genauigkeit eher an Bedeutung verlieren.
Fazit: Bei der Grenzstanderfassung dominieren nach wie vor die Vibrationssonden, während zur kontinuierlichen Messung insbesondere Radar am Seil mehr und mehr gefragt ist. Zu den wichtigsten Entwicklungen zählen aus Herstellersicht die vereinfachte Bedienung, Diagnosefunktionen sowie die Entwicklung von SIL-Geräten. Die Anwender wünschen sich dagegen Geräte mit längerer Lebensdauer sowie Selbsttestfunktionen.
Der erste Teil unserer Analyse zum Thema Füllstandmessung ist in CT 10/2011 erschienen und beschreibt die aktuellen Entscheidungskriterien beim Gerätekauf.

Heftausgabe: November 2011

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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