Die (Ab)Wanderjahre?

Deutsche Chemie relokalisiert Investitionen

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09.12.2013 Die schon länger gehegten Befürchtungen werden Realität:  Die deutsche Chemie verschiebt ihre Investitionen mehr und mehr ins Ausland.

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Eine aktuelle Datenerhebung des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) ergab für das Jahr 2012 ein um 25 % gestiegenes Investitionsaufkommen im Ausland, das sich nun auf 7,7 Mrd. Euro aufsummiert. Gleichzeitig stagnieren die Investitionen innerhalb Deutschlands bei 6,3 Mrd. Euro. Damit ergibt sich erstmals seit dem Jahr 2001 die Situation, dass die Auslandsinvestitionen der Chemischen Industrie die Summe der Inlandsinvestitionen übersteigen.

Gelder überqueren den Atlantik
Für die nahe Zukunft sieht der Verband hier keine Entspannung; die Wachstumsprognosen in Europa bezeichnet er als „verhalten“. Gleichzeitig steigt die Chemienachfrage im Ausland wohl auch in den kommenden Jahren, allen voran in den Schwellenländern. So stiegen die Investitionen nach Asien und Lateinamerika im vergangenen Jahr bereits um 27 % auf jetzt 2,6 Mrd. Euro. Gleichzeitig beflügelten die großen Schiefergasfunde in den USA und die hierdurch resultierenden Senkungen der Energie- und Rohstoffpreise eine regelrechte Renaissance strategischer Investitionen innerhalb der Vereinigten Staaten. In den vergangenen drei Jahren investierten die deutschen Chemieunternehmen dort insgesamt 6,5 Mrd. Euro sowohl in Neuanlagen als auch in Anlagenerweiterungen. Zusätzlich befeuert wurde diese Abwanderungsentwicklung durch die gestiegenen Preise für Energie und Rohstoffe innerhalb Deutschlands, die derzeit rund 2,5 mal so hoch sind wie in Übersee. Dadurch wurde aus der Investitionsabwanderung eine regelrechte Flucht. Im Jahr 2012 alleine stiegen die Investitionen in die Staaten um 54 % auf 3,2 Mrd. Euro. Damit gehen derzeit 41 % aller deutschen Auslandsinvestitionen in die USA. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 waren es gerade 28 %.

Reisende sollte man aufhalten
Daher warnte VCI-Hauptgeschäftsführer Dr. Utz Tillmann noch einmal eindringlich: „Unsere Unternehmen sind wegen der Kostensteigerungen für Energie am Standort Deutschland erheblich unter Druck. Im Ausland – besonders den USA – finden sie offensichtlich bessere Produktionsbedingungen vor, mit denen sie ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern können. Damit aus dieser Entwicklung kein Trend wird, muss die Politik die Energiewende bezahlbar machen.“[pb]

Zur original Pressemeldung samt Excel-Rohdaten der Erhebung finden Sie hier.

Zum Internetauftritt des VCI gelangen Sier hier.

Heftausgabe: Dezember 2013

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pb
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