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Dow übernimmt EU-Modellprojekt zum Wasserrecycling

20.10.2016 Dow Water & Process Solutions, ein Geschäftszweig von Dow Chemical, arbeitet am EU-geförderten Projekt „Life + Rewatch“. Dessen Ziel ist die Entwicklung eines Recyclingprogramms mit gesteigerter Wassereffizienz in der Petrochemie.

Am Standort Tarragona erforscht und erprobt Dow im EU-Projekt Life + Rewatch effiziente Technologien zum Recycling von Prozesswasser aus der Petrochemie. (Bild: Dow)

Am Standort Tarragona erforscht und erprobt Dow im EU-Projekt Life + Rewatch effiziente Technologien zum Recycling von Prozesswasser aus der Petrochemie. (Bild: Dow)

Bei dem Drei-Jahres-Projekt handelt es sich um einen Zusammenschluss von Dow Water & Process Solutions, Veolia, dem Technologiezentrum von Manresa, dem Niederländischen Forschungsinstitut für Trinkwasser KWR Water sowie der European Water Supply and Sanitation Technology Platform. Es begann bereits im Januar 2016 mit dem Bau einer Pilotanlage im Dow-Werk am spanischen Standort Tarragona. Die Anlage soll im Juni 2017 einsatzbereit sein und bis Dezember 2019 in Betrieb bleiben.

Das Projekt besteht aus einer Demoanlage, die im Ethylen-Cracker von Dow Chemical in Tarragona installiert werden soll, um petrochemisches Abwasser zu behandeln, unter anderem das herausfordernde ölhaltige Prozesswasser. Die Installation soll außerdem ein neues Behandlungsprogramm für das Recycling von Abwasser, das in petrochemischen Anlagen selbst erzeugt wird, beurteilen und verbreiten. Diese Initiative sei ein beachtlicher Schritt nach vorn für die petrochemische Industrie, so die Beurteilung von Dow – nicht nur wegen des Mangels an Fallstudien in Europa, die sich mit der Frage befassen, wie die Wasserwirtschaft auf diesem Gebiet verbessert werden kann, sondern auch, weil es das erste Projekt ist, dessen Ziel es ist, zu beweisen, dass ein neues Verfahren für Abwasserrecycling von anderen petrochemischen Anlagen in der gesamten Branche wiederholt werden kann.

In der Regel eine energieintensive und teure Behandlung erforderlich

Die von der petrochemischen Industrie erzeugten Abwasserströme enthalten eine solch hohe Menge an organischen Substanzen, dass sie eine komplexe Aufbereitung benötigen, die wiederum einen hohen Energieverbrauch mit sich bringt. Der Ansatz von Life + Rewatch besteht darin, die Umweltbelastungen durch die petrochemische Industrie zu senken, indem es die technische Durchführbarkeit eines Wasserrecyclingprogramms aus mehreren Wasserreinigungstechnologien vor Augen führt. „Petrochemisches Abwasser enthält in der Regel eine Vielzahl von Substanzen, die eine komplexe, energieintensive und teure Behandlung erforderten“, erklärt Alexander Lane, Regional Commercial Director EMEA bei Dow Water & Process Solutions. „Der Einsatz von Membranen bei der Behandlung dieses Abwassers ist eine Innovation, von der wir glauben, dass sie den Unterschied zu herkömmlichen Technologien ausmachen könnte. Dieser neue Ansatz kann Unternehmen dabei helfen, Betriebskosten zu senken und die Nachhaltigkeit zu erhöhen, indem eine Kreislaufwirtschaft gefördert wird, deren Schlüsselbegriffe Recycling und Wiederverwendung sind.“

Blick in die Werkshalle der Life+Rewatch-Projektanlage in Tarragona (Bild: Dow)

Blick in die Werkshalle der Life+Rewatch-Projektanlage in Tarragona (Bild: Dow)

Das angestrebte Behandlungsprogramm vor Ort umfasst die Wasseraufbereitung mit einer physikalisch-chemischen Vorbehandlung, einem Schwebebett-Verfahren (MBBR – Moving Bed Biofilm Reactor), Ultrafiltration (UF), Umkehrosmose (RO) und Ionenaustauschharzen (IER). Die Abwasser durchlaufen zunächst eine Vorbehandlung mit Pulveraktivkohle (PAK) unter Einsatz der Actiflo-Technologie von Veolia und werden dann einem biologischen Prozess unterzogen, um die hohe organische Belastung (MBBR) des Abwassers zu senken. Anschließend werden sie durch eine UF-Phase geschickt, in der die DOW IntegraFlux™ Fasern sowohl die Trübung wie auch jeglichen Bakteriengehalt im Abwasser verringern werden. Die vor kurzem eingeführten DOW IntegraFlux ™ Module sind in der Lage, mit anspruchsvollen Abwasserströmen wie petrochemischem Abwasser fertig zu werden und im Vergleich zu Standard-UF-Fasern bis zu 15 Prozent weniger Energie verwenden zu können. Diese Stufe des Prozesses wurde speziell entwickelt, um einen optimalen niedrigen Energieverbrauch und minimalen Reagenzverbrauch während der Filterzyklen zu gewährleisten. Dies ist einer der herausragenden Aspekte des Projekts, das stets darauf ausgerichtet ist, mehr die Membranfiltrationszyklen zu optimieren als mit einem festen Reinigungszyklus zu arbeiten.

Wasserrecycling spart 6,3 hm3 pro Jahr

Das Life + Rewatch Projekt leistet einen Beitrag zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung von Tarragona, wo einer der größten petrochemischen Industrieparks im gesamten Mittelmeerraum angesiedelt ist. Bei einem Verbrauch von mehr als 10 hm3 Süßwasser pro Jahr aus dem Fluss Ebro durch die Unternehmen des Komplexes ist das Projekt entscheidend für die Verbesserung der Wassereffizienz in der Industrie. Eine Hochrechnung des umfassenden Wasserrecyclingsystems für den gesamten Petrochemie-Park würde zu Einsparungen von 6,3 hm3 pro Jahr bei der Süßwasserversorgung führen. Das ist die Wassermenge, um mehr als 2.500 Olympia-Schwimmbecken zu füllen. Zu den weiteren Vorteilen zählen eine Senkung der Abwassererzeugung sowie der damit verbundenen Behandlungskosten und Abwassergebühren.

Dieses Projekt ist Teil eines umfangreicheren Engagements des Unternehmens für die Entwicklung effizienter Abwasserlösungen in ganz Europa. Neben dem Life + Rewatch Projekt ist in Camp de Tarragona die Demoware- Initiative angesiedelt, ein weiteres von der EU gefördertes Projekt, das von Dow Water & Process Solutions gemanagt wird. Das Projekt strebt an, kommunale Abwässer aus den spanischen Städten Salou, Tarragona und Vilaseca in den industriellen Verfahren einiger Werke im Petrochemie-Komplex von Camp de Tarragona wieder zu verwenden. Da die Unternehmen im Petrochemie-Komplex von Camp de Tarragona eine konstante Versorgung mit frischem, sauberem Wasser benötigen, kann die Wiederverwertung von kommunalem Abwasser Ressourcen aus dem Fluss Ebro frei setzen und so die Verfügbarkeit von Wasser für andere Zwecke wie kommunale Nutzung, Wachstumsprojekte im Tourismus oder für die Landwirtschaft steigern.

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