Lästige Pflicht wird zum Sparstrumpf

Energetische Inspektion von Klimaanlagen

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16.05.2019 Inspektion ist pflicht: Klimaanlagen mit mehr als 12 kW Kälteleistung müssen alle 10 Jahre von einer fachkundigen Person energetisch inspiziert werden. Was nach einer weiteren lästigen Prüfung klingt, bietet Betreibern jedoch die Chance, ihre Betriebskosten für die Klimatisierung deutlich zu senken.

Entscheider-Facts für Betreiber

  • Klimaanlagen mit mehr als 12 kW Kälteleistung müssen alle zehn Jahre von einer fachkundigen Person energetisch inspiziert werden.
  • Häufig fallen bereits Messwarten oder auch Büro- und Verwaltungstrakte mit wenigen klimatisierten Büros darunter.
  • Oft helfen schon einzelne Maßnahmen, den Energieverbrauch deutlich zu drosseln. Die häufigsten Maßnahmen sind Lüfter erneuern, Wärmerückgewinnung nachrüsten und Einstellungen prüfen.

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Die energetische Inspektion von Klimaanlagen muss nicht immer schwierig und aufwendig sein. Mit den richtigen Ansatzpunkten kann interessantes Einsparpotenzial realisiert werden. Bild: LovePhy – AdobeStock

§ 12 der Energieeinsparverordnung 2014 (EnEV) fordert „Betreiber von in Gebäude eingebauten Klimaanlagen mit einer Nennleistung für den Kältebedarf von mehr als 12 kW […]“ (EnEV §12 Abs.1) dazu auf, die Anlagen alle zehn Jahre von einer fachkundigen Person einer energetischen Inspektion unterziehen zu lassen. Diese Inspektion muss erstmals im zehnten Jahr nach der Inbetriebnahme durchgeführt werden. Der Wert von 12 kW ist schnell erreicht. Häufig fallen bereits Messwarten oder auch Büro- und Verwaltungstrakte mit wenigen klimatisierten Büros darunter. Nicht betroffen sind Anlagen in Wohngebäuden, aber auch Klimaanlagen, die vornehmlich Prozessabwärme abführen sollen, wie die Klimatisierung von EDV-Räumen.

Ziel der seit 2014 bestehenden Verordnung ist es, ineffiziente Anlagen zu finden, Verbesserungspotenziale aufzudecken und somit den Energiebedarf von Klimaanlagen insgesamt zu senken. Gerade in der letzten Zeit vermerken viele Auditoren im Rahmen von Energieaudits erstmals das Fehlen eines solchen Inspektionsberichts. Wird auf die Inspektion verzichtet, kann es zu einer Abweichung kommen, was im schlimmsten Fall dazu führt, dass das Zertifikat nicht erteilt wird. Doch auch wenn die Prüfung zunächst Mehraufwand bedeutet, lohnt sie sich aus mehreren Gründen. Denn viele bestehende Anlagen sind nicht mehr auf den aktuellen Bedarf zugeschnitten. Büros sind hinzugekommen oder werden nun anders genutzt. Auch im Rahmen der betrieblichen Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten fällt nicht immer auf, ob die Ventilatoren effizient laufen oder die Frischluftmenge dem aktuellen Bedarf entspricht. Durch die Inspektion der Anlage können energetische Schwachstellen aufgedeckt werden.

Selbst prüfen? Das sind die Voraussetzungen

Als Inspektoren verlangt die EnEV fachkundige Personen mit Hochschulabschluss und mehrjähriger einschlägiger Berufserfahrung, zum Beispiel Absolventen der Versorgungstechnik oder technischen Gebäudeausrüstung, aber auch Verfahrens- oder Elektrotechniker, Maschinenbauer und Bauingenieure sind zugelassen. Wer seine Klimaanlagen zum ersten Mal energetisch inspiziert, weiß oft nicht, wo er ansetzen soll. Zunächst ist zu entscheiden, ob es sich lohnt, Mitarbeiter auf diesem Themengebiet zu schulen und die Prüfungen selbst durchzuführen. Wenn ja, bietet die DIN SPEC 15240 (Energetische Inspektion) eine wichtige Orientierungshilfe, um bei späteren Überprüfungen auf der sicheren Seite zu sein. Sie gibt den Umfang einer solchen Inspektion an und verweist auf weitere Normen. Einige Organisationen, wie BTGA, DMT oder VDMA, bieten praxisnahe Kurse an, die Sie in das Thema einführen.

Zunächst sollte man sich mit der vorhandenen Lüftungstechnik vertraut machen. Denn bei einer komplexen Klimaanlage, die in mehreren Räumen oder ganzen Gebäuden für die gewünschte Temperatur sorgt, ist anders vorzugehen als bei einfachen Klimaanlagen, wie zum Beispiel Split-, oder Multi-Split-Klimaanlagen. Schlüsselfragen dazu sind: Ist die Klimaanlage im Verhältnis zum aktuellen Kühlbedarf des Gebäudes richtig dimensioniert? Sind Gebäudebereiche weggefallen oder hinzugekommen? Wurden Büros zu Lagern umfunktioniert? Oder wird das Gebäude insgesamt anders genutzt? Wurde seit dem Einbau der Klimaanlage etwas an der Außenfassade verändert? Eine zusätzliche Beschattung der Fenster kann sich beispielweise durchaus positiv auf den Kühlbedarf des Gebäudes auswirken.

Um die einzelnen Komponenten zu bewerten, die den Wirkungsgrad beeinflussen, sind verschiedene Messungen erforderlich: So sollte der Volumenstrom, den die Anlage erzeugt, gemessen werden und der Wirkungsgrad des Lüfters ermittelt werden. Letzteres geschieht, indem der Luftdruck vor und nach dem Ventilator erfasst und die elektrische Leistungsaufnahme des Ventilators ermittelt wird. All diese Werte tragen dazu bei, sich ein Bild über die aktuellen Werte Ihrer Klimaanlage zu verschaffen. Dazu kommt die Frage, wie die Anlage eingestellt ist. Manche Klimaanlagen laufen durch, ganz gleich, ob sich nachts oder am Wochenende Personen im Gebäude befinden. Wird die Anlage jedoch zeitweise gedrosselt oder zu bestimmten Zeit ganz heruntergefahren, können dadurch deutlich Kosten gespart werden – eine simple Sache, die im Alltag häufig vergessen geht.

Die drei häufigsten Ansatzpunkte für Verbesserungen

Entspricht eine Klimaanlage nicht mehr dem heutigen Bedarf, muss das nicht immer heißen, dass sie komplett erneuert werden muss. Oft helfen schon einzelne Maßnahmen, den Energieverbrauch deutlich zu drosseln. Die häufigsten Maßnahmen sind:

  • Lüfter erneuern,
  • Wärmerückgewinnung nachrüsten,
  • Einstellungen prüfen.

Lüfter zählen zu den klassischen „Problemkindern“ in einer Klimaanlage. Viele Lüfter verschleißen über die Jahre und bauen so nicht mehr den erforderlichen Druck auf. Oft verbrauchen sie das Zwei- bis Dreifache eines modernen Lüfters. In vielen Fällen hilft der Tausch dieses Bauteils daher bereits, Betriebskosten zu sparen.

In vielen alten Klimaanlagen wird die Außenluft aufbereitet und nach der Nutzung einfach wieder nach außen geleitet, ohne die bereits vorgekühlte oder vorgewärmte Luft zu nutzen. Mit einem zusätzlichen Wärmetauscher lässt sich die einströmende Luft vorwärmen bzw. an heißen Tagen die heiße Luft vorkühlen. Eine Maßnahme, die die Energiebilanz Ihrer Anlage deutlich verbessern kann.

Zudem sollten die Einstellungen der Klimaanlage an die tatsächlichen Erfordernisse angepasst werden. Oft reicht es, in den Sommermonaten 26 Grad als Temperatur zuzulassen, bevor sich die Kühlung einschaltet. Auch abends und nachts muss in unbesetzten Büros keine Klimaanlage laufen. Neuere Anlagen sind in der Regel bereits energiesparend vorprogrammiert. Doch auch bei älteren Modellen ist es möglich, eine solche Zeitschaltung nachzurüsten – und zwar vergleichsweise günstig.

Die energetische Inspektion von Klimaanlagen muss also nicht immer schwierig und aufwendig sein. Mit den richtigen Ansatzpunkten kann interessantes Einsparpotenzial realisiert werden.

Heftausgabe: Mai/2019

Über den Autor

Der Artikel basiert auf einem Whitepaper von Infraserv Knapsack
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