Januar/Februar 2015 2015
| von Armin Scheuermann, Redaktion
  • Anfang Dezember 2014 hat die Bundesregierung den „Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz" vorgestellt.
  • Bis 2020 sollen in Deutschland jährlich 380 Petajoule Energie eingespart werden.
  • Die Europäische Kommission hat im Oktober 2014 ihr Klima- und Energiepaket verabschiedet, wonach die Energieeffizienz EU-weit bis 2030 um 27 Prozent steigen soll.
  • Die Chemieindustrie ist mit ihren Energiespar- und Effizienzbemühungen bereits weit gekommen, allerdings wurden die „low hanging fruits" in vielen Betrieben bereits geerntet.


Suche nach Einsparpotenzialen wird
immer schwieriger

Doch die Suche nach signifikanten Einsparpotenzialen in Chemieunternehmen wird inzwischen immer schwieriger. Ließen sich bei Currenta im Jahr 2008 mit einem Projekt noch durchschnittlich 1.100 Tonnen CO2 einsparen, so lieferte der gleich große Aufwand 2012 noch 350 Tonnen weniger Emissionen. Die „low hangig fruits“ scheint die Chemieindustrie bereits im Korb zu haben.

Doch wie alle Optimierungsaufgaben ist auch Energieeffizienz keine Frage von Einmal-Maßnahmen, sondern muss ein ständiger Verbesserungsprozess sein. Auch im Hinblick auf die EEG-Abgabe haben vor allem Unternehmen mit hohem Stromverbrauch deshalb in den vergangenen Jahren ein Energiemanagementsystem eingeführt und nach EN ISO 50001 zertifizieren lassen.  Die Anstrengungen zahlen sich aus: Weniger Primärenergie bei gleichem oder höherer Produktivität wirkt sich positiv auf den Profit aus.

Fazit: Der Chemie ist auch vor ehrgeizigen Energieeffizienz-Zielen, wie sie jüngst von EU-Kommission und Bundesregierung formuliert wurden, nicht bange. Doch die „low hanging fruits“ in Sachen Energieeinsparung wurden in den vergangenen Jahren bereits geerntet. Die Branche geht nun vom „Projektmodus“ in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess über. Special1501

Zum Thema
Trendwende bei der Energiewende

In der Energieversorgung in Deutschland wurden im vergangenen Jahr gleich mehrere wichtige Trendwenden vollzogen: Erstmals waren erneuerbare Energien (Windstrom, Solarstrom, Biomasse) mit einem Anteil von 27,3 Prozent die wichtigste Quelle im Strommix. Sie verdrängten die Braunkohle von Platz 1. Gleichzeitig sank der Stromverbrauch trotz eines Wirtschaftswachstums von 1,4 Prozent um satte 3,8 Prozent. Die Energie-Denkfabrik Agora Energiewende sieht darin ein Zeichen dafür, dass sich Investitionen in stromsparende Geräte und Anlagen auszahlen. In einer jüngst veröffentlichten Analyse führt die Organisation außerdem aus, dass ein „Energiewende-Paradox“ genannter Trend nun ebenfalls gebrochen wurde: 2013 war der Kohlendioxid-Ausstoß in Deutschland trotz starkem Zubau erneuerbarer Energien gestiegen. Da in 2014 weniger Steinkohle verstromt wurde, gingen die Klimagas-Emissionen im vergangenen Jahr wieder zurück.

Zur Zertifizierung
Energiemanagementsysteme

Seit der Novelle des Erneuerbare-Energiengesetzes (EEG) ist es energieintensiven Betrieben möglich, besondere Ausgleichsregelungen in Anspruch zu nehmen. Auf Antrag kann die Höhe der EEG-Abgabe von produzierenden Unternehmen mit einem Stromverbrauch von mehr als einer Gigawattstunde und Stromkosten von mindestens 14 % der Bruttowertschöpfung begrenzt werden. Das gilt für Unternehmen mit einem Stromverbrauch von mehr als 10 GWh, die außerdem ein nach EN ISO 50001 zertifiziertes Energiemanagement betreiben.
Schon vor der EN ISO 50001 gab es eine DIN-Norm für Energiemanagementsysteme – die DIN EN 16001. Diese wurde allerdings zum 24. April 2012 durch die DIN EN ISO 50001 ersetzt. Auch im Umweltmanagementsystem Emas wird der Aspekt Energiemanagement beschrieben. Grundlage für das Umweltmanagementsystem ist die Norm ISO 14001. Obwohl Emas einen großen Teil der speziellen Anforderungen abdeckt, erfüllt es nicht automatisch die Voraussetzungen der DIN EN ISO 50001.

Fakten von der IEA
Energieeffizienz bislang unterbelichtet

Die Internationale Energieagentur IEA schätzt in ihrem aktuellen World Energy Outlook vom November 2014, dass derzeit weltweit 130 Milliarden US-Dollar investiert werden, um die Energieeffizienz über das Niveau von 2012 zu heben. Das entspricht rund 13 Prozent der Investitionen, die für die Gewinnung fossiler Energieträger ausgegeben werden. Verglichen mit 240 Mrd. USD aktuellen Investitionen in erneuerbare Energien fehlt den Energieeffizienz-Maßnahmen die Attraktivität. Als organisatorische Hürden sehen die Analysten unter anderem, dass Energieeffizienz-Maßnahmen auf Einsparungen in der Zukunft zielen, während Investitionen in erneuerbare Energien einen planbaren Cash Flow generieren.
Bis 2013 werden sich die Ausgaben für Energieeffizienzmaßnahmen laut IEA auf 550 Mrd. USD vervierfachen. Der Löwenanteil (62 Prozent) entfällt auf Maßnahmen im Transportsektor, 29 Prozent werden in die Sanierung von Gebäuden investiert werden und 9 Prozent entfallen auf die Industrie.

Hier finden sie den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

Hier gelangen Sie zur Plattform Energieeffizienz des BMWi

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