Rakete beim Start

(Bild: elen31 – stock.adobe.com)

Fast jedes Mal, wenn die Diskussion um eines der zentralen Probleme unserer Zeit aufkommt, muss ich an einen Helden aus meiner Jugend denken: Captain Jean-Luc Picard, wie er in seinem Kommandosessel auf der Brücke des Raumschiffes USS Enterprise sitzt, schwungvoll den Finger nach vorn ausstreckt und entschlossen den Befehl erteilt: „Energie!“
Zumindest sagte er das damals noch in der deutschen Synchronfassung, mit der ich aufgewachsen bin. Das macht aber nichts – immerhin hat der deutsche Begriff „Energiewende“ sogar einen englischen Wikipedia-Artikel. Wir befinden uns folglich nicht nur in unendlichen Weiten, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat, sondern in einem ziemlich deutschen Thema.

Energisch den Markt hochlaufen

Wenn es doch nur so einfach wäre, mit einem energischen Kommando den Schalter umzulegen (Nein, „Alexa, Licht!“ zählt hier nicht.) und die Energieversorgung sicherzustellen, und darüberhinaus noch genug Saft in der Batterie zu haben, um die Galaxie zu durchqueren. Was haben sich die verrschiedenen Science-Fiction-Autoren nicht alles einfallen lassen, damit interplanetares und sogar interstellares Reisen nicht so lange dauert wie der deutsche Kohleausstieg. So fliegt beispielsweise die Enterprise mit Energie aus der Reaktion zwischen Materie und Antimaterie, im Zaum gehalten durch die fiktiven Dilithium-Kristalle. Diese haben zwar mit dem tatsächlich existierenden Metall Lithium nichts zu tun, doch spielt Letzteres auf dem Energiemarkt neuerdings eine gewaltige Rolle – Zufall?

Das Langstrecken-Zugpferd lässt sich übrigens auch von hinten aufzäumen: Anstatt Energie für lange Strecken bereitzustellen, kann man auch lange Strecken überwinden, um Energie zu beschaffen. So bezieht der Kunststoffhersteller Covestro demnächst 100.000 Tonnen grünen Wasserstoff vom, nun ja, nicht ganz anderen Ende der Milchstraße, aber immerhin aus Australien (hier gehts zur ausführlichen News) – während die deutschen Anlagenbauer ein Wasserstoff-Projekt nach dem anderen aus dem Boden stampfen.
„Markthochlauf“ ist das Schlagwort. Hoch laufen klingt nicht nur energieaufwendig: Sinngemäß soll das Angebot wachsen, um die gewaltige Nachfrage zu bedienen, damit eine Nachfrage am erzeugten Angebot entsteht. Wann es denn endlich soweit ist, darauf lässt sich nur mit einem weiteren Science-Fiction-Helden antworten. In den Worten des von Isaac Asimov ersonnenen Supercomputers Multivac: „Es liegen keine ausreichenden Daten für eine sinnvolle Antwort vor.“

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