Transformation der Luftfahrtindustrie

Flughafen Rotterdam will erste Anlage für grünes Kerosin bauen

28.05.2019 Der Flughafen Rotterdam Den Haag will gemeinsam mit einem Anlagenbaukonsortium die Herstellung von erneuerbarem Flugtreibstoff vorantreiben. Die Demonstrationsanlage mit einer Produktionskapazität von 1.000 l/d wäre nach Angaben der beteiligten Unternehmen die erste ihrer Art, die über den Labormaßstab hinausgeht.

Flugzeug im Sonnenuntergang

Die Luftfahrtindustrie könnte mithilfe von aus erneuerbaren Energien hergestellten, synthetischen Kraftstoffen ihre Klimabilanz verbessern. (Bild: Thomas Söllner – AdobeStock)

Vereinbart hat das Konsortium, das von der EDL Anlagenbau Gesellschaft geleitet wird, zunächst eine entsprechende Studie. Diese soll das Konzept und das Basic Engineering für die lokale Produktion von erneuerbarem Flugtreibstoff aus Luft auf dem Gelände des Flughafens festlegen. Außerdem soll die Studie eine Kostenschätzung für den Bau der Anlage und den Treibstoff ermöglichen, was für die weitere Projektentwicklung entscheidend sein wird. Für die Errichtung der Anlage und weitere Projekte haben der Flughafen und die Stadt Rotterdam die Gesellschaft Rotterdam The Hague Innovation Airport (RHIA) gegründet.

Verschiedene Technologien und Anlagenbauer beteiligt

Die Energie für den Gesamtprozess in der Anlage stammt aus erneuerbaren Quellen, vor allem aus Sonnenkollektoren am Flughafen. Geplant ist, zunächst CO2 mit Hilfe der Direct-Air-Capture-Technologie des Schweizer Unternehmens Climeworks aus der Umgebungsluft zu entnehmen. Elektrolysezellen des Dresdner Elektrolyse-Spezialisten Sunfire sollen dieses CO2 in Synthesegas umwandeln. Dann wird das Synthesegas in einer Fischer-Tropsch-Synthese von Ineratec, einer Ausgründung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), in synthetische Kohlenwasserstoffe konvertiert. Für den Prozess zur Umwandlung der synthetischen Kohlenwasserstoffe in Flugtreibstoff zeichnet schließlich der Anlagenbauer EDL verantwortlich. Das Unternehmen übernimmt auch Leitung des Gesamtprozesses sowie die Anlagenintegration.

Zukunft: Großtechnische Produktion am Hafen Rotterdam

Ein erster potentieller Kunde für das grüne Kerosin steht laut dem Konsortium mit der niederländische Fluggesellschaft Transavia schon bereit. Für die Zukunft ist ein Upscaling von der Demonstrationsanlage auf die großtechnische Produktion geplant. Dazu wird eine Integration in bestehende Raffinerien ins Auge gefasst. Das Projekt zielt deshalb auch darauf ab, eine Lösung für die Transformation des petrochemischen Komplexes im Hafen Rotterdam zu liefern. (jg)

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