Wachstum in volatilem Umfeld

Großanlagenbau im Plus

26.03.2019 Nach Jahren des Rückgangs ist der deutsche Großanlagenbau im vergangenen Jahr erstmals wieder gewachsen. Vor allem der Export von Chemieanlagen legte zu - dabei stand vor allem ein Land im Fokus. Grund zum Optimisumus, aber keine echte Trendwende sehen die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im VDMA.

Jürgen Nowicki_Sprecher AGAB

„Wir stellen fest, dass sich die Bemühungen des Großanlagenbaus zur Erschließung neuer Geschäftsfelder – etwa im Service, in der Digitalisierung oder im Betrieb von Anlagen – immer stärker auszahlen“, kommentiert Jürgen Nowicki, Sprecher der AGAB und Sprecher der Geschäftsleitung von Linde Engineering, die aktuelle Entwicklung.

Drei Prozent mehr Aufträge und ein Volumen von 18,3 Mrd. Euro – lautet das Fazit der VDMA Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau (AGAB) für das Jahr 2018. In einem volatilen Umfeld, das von starkem Preis- und Wettbewerbsdruck sowie vielfältigen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägt ist, konnte der VDMA-Großanlagenbau damit den ersten Anstieg seiner Bestellungen seit 2013 verbuchen. Dieses Wachstum ist auf ein solides Auslandsgeschäft sowie auf eine Reihe von Megaaufträgen für Chemieanlagen zurückzuführen. „Darüber hinaus stellen wir fest, dass sich die Bemühungen des Großanlagenbaus zur Erschließung neuer Geschäftsfelder – etwa im Service, in der Digitalisierung oder im Betrieb von Anlagen – immer stärker auszahlen“, kommentiert Jürgen Nowicki, Sprecher der AGAB und Sprecher der Geschäftsleitung von Linde Engineering, die aktuelle Entwicklung.

Auftragsplus im Ausland durch Megaaufträge

Die Bedeutung des Auslandsgeschäfts im Großanlagenbau nimmt weiter zu. 2018 lag die Exportquote bei 81 Prozent, das Auftragsniveau stieg von 14,0 Milliarden Euro (2017) auf 14,8 Milliarden Euro. Russland war aufgrund mehrerer Megaaufträge der wichtigste Auslandsmarkt für den VDMA-Großanlagenbau. Darüber hinaus wurden hohe Bestellungen aus China, Ungarn, den USA und Großbritannien gemeldet. Eine deutliche Erholung der Nachfrage gab es ferner im Mittleren Osten, wo sich die Bestellungen um 50 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro erhöhten (2017: 1,4 Milliarden Euro).

Steigende Nachfrage nach Modernisierungen und Services

Die inländischen Buchungen sanken 2018 um 7 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro (2017: 3,8 Milliarden Euro). Hauptgrund hierfür war die anhaltend schwache Nachfrage im Markt für thermische Kraftwerke, die mit rund 500 Millionen Euro auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren absackte. Angesichts des absehbaren Endes der Kohleverstromung in Deutschland wird sich dieser Trend voraussichtlich weiter fortsetzen. Demgegenüber entwickelte sich das Geschäft mit Modernisierungen und Services mit einem Plus von 42 Prozent erfreulich.

Hoffnung auf das Nachhaltigkeitsthema

In den Plänen vieler Staaten, den Klimanwandel einzudämmen, sieht der Großanlagenbau Chancen für Projekte in nachhaltiger Energieerzeugung. „Ein Chemieunternehmen in Deutschland denkt sogar über den Bau eines Crackers mit Elektroheizung nach“, berichtete Helmut Knauthe, Chief Technology Officer bei Thyssenkrupp Industrial Solutions. Allerdings fehlt es an politischem Gestaltungswillen – nicht nur national sondern international. „Die Wirkungen von CO2-Projekten sind global, die Investitonen aber lokal“, adressiert Nowicki ein Problemfeld. Die Unternehmen des Großanlagenbaus haben dafür die Technik, allerdings fehlen bislang die politischen Rahmenbedingungen, damit diese wirtschaftlich werden.

Vorsichtig optimistischer Ausblick

Für die nahe Zukunft überwiegt in den Unternehmen des Großanlagenbaus trotz vielfätiger Unsicherheiten der Optimismus: 60% der Mitgliedsunternehmen rechnen auch 2019 mit steigenden Auftragseingängen. Nowicki: „Von einer Trendwende wollen wir noch nicht sprechen, aber die Nähe des Bodens sehen wir schon.“

(as)

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