Stange oder Maßanzug?

Hermetic-Pumpen stellt Portfolio neu auf – Expertentool erleichtert Vorauswahl

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01.08.2018 Pumpen in Sonderanfertigung kosten Zeit und Geld. Doch nicht immer benötigen Anlagenbauer und Prozessbetreiber tatsächlich den Maßanzug. Der Spaltrohrmotorpumpen-Spezialist Hermetic Pumpen hat deshalb sein Programm neu aufgestellt und bietet diese als Serienmodelle (V-Line) und individuell ausgelegt als E-Line. Und um die Qual der Wahl zu vereinfachen, hat der Hersteller ein Expertentool entwickelt, das Antworten auf die Frage „Stange oder Maßanzug?“ liefert.

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Entscheider-Facts für Planer und Betreiber

  • Die richtige Pumpe für eine Anwendung auszuwählen, erfordert von den Anwendern spezielles Know-how und den Überblick über die am Markt verfügbaren Technologien.
  • Moderne Softwarewerkzeuge helfen dabei, nicht nur eine Vorauswahl zu treffen, sondern bei der Spezifikation auch Szenarien zu berücksichtigen.
  • Das von Hermetic-Pumpen auf der Achema vorgestellte Expertentool ermöglicht es, Spaltrohrmotorpumpen auch im Hinblick auf Kosten und Lieferzeit optimal auszuwählen.

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Die Spaltrohrmotorpumpe bietet im Vergleich zu konventionellen Pumpen und auch zu magnetgekuppelten Pumpen zwei Sicherheitshüllen. Bilder: Hermetic-Pumpen

Spaltrohrmotorpumpen werden vor allem in kritischen Prozessen immer häufiger als Alternative zur klassischen, per Gleitringdichtung abgedichteten Chemienormpumpe eingesetzt. Die prinzipbedingt hermetisch dichte Pumpe zeichnet sich gegenüber Pumpen mit mechanischer Gleitringdichtung durch einen robusteren Betrieb und geringere Wartungskosten aus. Beim Spaltrohrmotor sind Rotor und Stator des Elektromotors durch ein Spaltrohr getrennt, das sich im Luftspalt zwischen Stator und Rotor befindet. So sind die rotierenden Teile gegenüber der Umwelt hermetisch abgedichtet und bieten im Vergleich zu konventionellen Pumpen und auch zu magnetgekuppelten Pumpen zwei Sicherheitshüllen.

In der Praxis werden Spaltrohrmotorpumpen oft als Sonderausführungen gesehen und individuell für Projekte ausgelegt. Nachteile gegenüber Standardausführungen sind dabei die höheren Kosten und die längere Lieferzeit. „Vor allem die Lieferzeit wird heute immer wichtiger“, erläutert Sebastian Dahlke, Geschäftsführer beim badischen Hersteller Hermetic-Pumpen. Der Anbieter hat deshalb zur Achema sein Pumpenprogramm neu aufgestellt und unterscheidet nun zwei Linen: die individuell nach den Anforderungen des Kunden gefertigten Maschinen der E-Line sowie die V-Line, bei der Lieferzeit und Preis im Vordergrund stehen. Letztere kommen bei einem definierten Anwendungsbereich zum Einsatz, und die Produktion wurde im Hinblick auf die Lieferzeit optimiert.

Auswahlwerkzeug ermöglicht es, Szenarien durchzuspielen

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Der Spaltrohrmotorpumpen-Spezialist.

Mit der E-Line hat der Anbieter besondere Anforderungen durch extreme Einsatzbereiche und gefährliche Fördermedien im Blick, die nicht mit der V-Line abgedeckt werden können. Die Spaltrohrmotorpumpe wird von den Spezialisten des Herstellers individuell entwickelt und im eigenen Prüffeld umfassend getestet. „Jede Pumpe der E-Line ist ein Unikat“, erläutert Dahlke.

Ein solches hatte Hermetic auch auf der Achema gezeigt: die acht Tonnen schwere mehrstufige Spaltrohrmotorpumpe TCAMF 90/3, die das Unternehmen für den Anlagenbauer Linde entwickelt hat. Die Maschine in Tauchpumpenausführung soll künftigt in einer Erdgasraffinerie im Osten Russlands zum Einsatz kommen.

 

Ob maßgeschneidert oder Standardpumpe – diese Frage sollen Pumpenanwender künftig selbst beantworten können. Dazu hat Hermetic ein Expertentool entwickelt. Ausgehend von den Anforderungen wie den Eigenschaften des zu fördernden Mediums, der Förderhöhe und dem geforderten Volumenstrom lassen sich in der Browser-Applikation mit wenigen Klicks passende Pumpen aus dem Programm des Herstellers finden. Der Clou dabei: Die grafische Darstellung der Kennlinien ermöglicht es dem Anwender, relativ schnell zu entscheiden, ob dieser seine Anforderungen so anpassen kann, dass statt einer Sonderanfertigung auch eine Standardpumpe akzeptabel ist. „Das Expertentool zeigt dem Anwender, dass die Spezifikation eventuell gar nicht so weit weg von einer Standardpumpe liegt – und diese hat eine kürzere Lieferzeit und einen attraktiven Preis“, erklärt Dahlke im CT-Gespräch.

Interview mit Sebastian Dahlke, Hermetic-Pumpen

„Die Digitalisierung hat ähnliches Potenzial wie die Erfindung der Dampfmaschine“

Sebastian Dahlke

Sebastian Dahlke ist Geschäftsführer bei Hermetic-Pumpen. „Der Einkaufs- und Verkaufsprozess für Pumpen hat sich deutlich verändert. Ohne digitale Auswahlwerkzeuge wird man in Zukunft nicht mehr erfolgreich sein.“

CT: Das Thema Digitalisierung beherrscht derzeit die Industrie – und wird von jedem Hersteller anders interpretiert. Hermetic hat zur Achema gleich zwei Projekte dazu vorgestellt – das Expertentool und die Star Pump Alliance. Welchen Stellenwert hat die Digitalisierung aus Ihrer Sicht?
Dahlke: Einen enorm großen. Das Potenzial ist riesig – ich vergleiche das mit der Erfindung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert. Damals konnte sich kaum jemand vorstellen, wie diese Erfindung die Wirtschaft revolutionieren wird. Gefühlt stehen wir heute vor der gleichen Situation. Die Zahl der Entwicklungen, die aus der Digitalisierung folgen, werden nicht linear sondern exponentiell wachsen.

CT: Welchen konkreten Nutzen versprechen Sie sich und Ihren Kunden von Ihren Digitalisierungsbemühungen?
Dahlke: Einerseits geht es uns darum, den Vertriebsprozess zu unterstützen; aber auch das Thema vorausschauende Wartung ist ein wichtiger erster Ansatz. Mit dem Expertentool unterstützen wir Ingenieure, die bereits wissen, was sie brauchen und die Vorauswahl in Richtung Spaltrohrmotorpumpe getroffen haben. Diese erhalten als Ergebnis eine Auswahl an Pumpen, die für ihren speziellen Anwendungsfall passen. Oft haben die Anwender in ihren Spezifikationen Puffer vorgesehen, in der Spezifikation für Angebote stehen aber ganz exakte Daten. In der Vergangenheit hat das dann zu individuell ausgelegten Unikaten geführt. Das Expertentool zeigt dem Anwender, dass die Spezifikation eventuell gar nicht so weit weg von einer Standardpumpe liegt – und diese hat eine kürzere Lieferzeit und einen attraktiven Preis.

CT: Wie wichtig ist das Argument Lieferzeit?
Dahlke: Das wird immer wichtiger. Und bei der Ersatzteilbeschaffung wird das sogar zum wesentlichen Faktor. Steht die Anlage, dann verliert der Kunde Geld. Deshalb optimieren wir unsere Abläufe von der Angebotsabgabe bis zur Auslieferung: Wenn der Anwender unser Expertentool nutzt, wollen wir innerhalb von ein bis zwei Tagen mit einem Angebot antworten – Ziel ist es sogar, Angebote automatisch zu erstellen. Außerdem streben wir in der letzten Ausbaustufe des Expertentools an, je nach Baugröße zu einer garantierten Lieferzeit von sechs Wochen zu kommen.

CT: Inwieweit sind organisatorische Abläufe in der Beschaffung ein Treiber für die Digitalisierung?
Dahlke: Auch hier sehen wir deutliche Veränderungen, und das hat vor allem mit der Altersstruktur der Beschaffer zu tun: Der technische Einkauf in großen Konzernen ist oft eine Karrierestation für junge Ingenieure. Diese wollen kein Papier mehr wälzen, sondern erwarten moderne Auswahlwerkzeuge. Das ist auch die Stoßrichtung der Star Pump Alliance, die wir gemeinsam mit Netzsch Pumpen und Systeme und Edur Pumpenfabrik Eduard Riedlien gegründet haben: Während unser eigenes Expertentool für die Auslegung von Spaltrohrmotorpumpen gedacht ist, hilft das Auswahlwerkzeug der Star Pump Alliance dabei, erst einmal die richtige Pumpentechnologie für eine Anwendung zu finden. Als Ergebnis erhält der Interessent dann für die selektierte Technologie ein Angebot von einem Mitglied der Star Pump Alliance.

CT: Inwiefern ist das Konservieren von Expertenwissen eine Motivation für den Aufbau solch digitaler Expertensysteme?
Dahlke: Das ist durchaus ein wichtiger Faktor. Natürlich wird man in der Star Pump Alliance nie über einen bestimmten Detaillierungsgrad hinausgehen. Aber es ist wichtig, dass der Auswahlentscheider die Technologien versteht und für seine Anwendung einschätzen kann. Das leistet die offen im Web zugängliche Software auf jeden Fall. Unser eigenes Expertensystem ist dagegen nicht frei verfügbar, sondern der Zugang wird den Kunden von unserem Vertrieb gezielt zur Verfügung gestellt. Im Hintergrund dieses Expertenwerkzeugs laufen Berechnungen und wird auf unser Spezialwissen zurückgegriffen, das wir natürlich nicht offen legen. Aber auf Basis der Daten, die in dem jeweiligen Tool eingegeben werden, haben wir natürlich eine ganz andere Basis für ein Fachgespräch mit den Kunden.

Hermetic Homepage.

Heftausgabe: August/2018
Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK

Über den Autor

Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK
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