„Service beginnt mit der Inbetriebnahme“

Interview mit Dr. Bernd Garbe, KSB

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CT: Betreiber wollen möglichst große Gewerke aus einer Hand beziehen. Welche Services umfasst ihr Angebot?
Garbe: In der Chemie ist die Situation recht unterschiedlich: Es gibt Unternehmen, die nach wie vor noch ihre eigenen Pumpenwerkstätten betreiben und über eigenes Servicepersonal verfügen. Dort bieten wir unsere Leistungen beispielsweise für Umbau- und Optimierungsmaßnahmen an. So können wir dabei helfen, die Energieeffizienz zu steigern. Bei anderen übernehmen wir den Service für das komplette Rotating Equipment – also nicht nur Pumpen, sondern auch Kompressoren, Motoren und andere Antriebe. Das gilt auch für Armaturen – dort decken wir mit unseren Services alle Aspekte ab – von der Absperrarmatur über Regelventile und Sicherheitsventile bis hin zu Armaturenantrieben. Und natürlich nicht nur für unsere eigenen Armaturen, sondern auch für Fremdfabrikate. Hier übernehmen wir auch komplette Stillstände und sind mit mobilen Werkstätten vor Ort in der Anlage. Über Akquisitionen haben wir sogar Unternehmen im Portfolio, die sich mit der Wartung von Kompressoren oder Getrieben für Windkraftanlagen beschäftigen.

CT: Ein wichtiger Aspekt ist die Ersatzteilversorgung. Wie stellen Sie diese für Fremdfabrikate sicher?
Garbe: Dafür haben wir uns aufgestellt und auch investiert. Mit  Reverse Engineering können wir Ersatzteile in hoher Qualität und in kurzer Zeit bei uns im Haus fertigen. Dafür haben wir in Deutschland und in den USA speziell eingerichtete Gießereien. Damit erreichen wir sehr schnelle  Lieferzeiten. Das gilt für eigene und für auch fremde  Produkte. Insbesondere dort, wo es die Originallieferanten der eingebauten Produkte nicht mehr gibt, ist dies vom Kunden gern gesehen. Wo man im normalen Fertigungsprozess zum Teil zwölf Monate und mehr warten müsste, können wir das Ersatzteil auch schon mal in ein bis zwei  Monaten per Reverse Engineering herstellen.

CT: Was spricht generell dafür, Service von einem Lieferanten von Anlagenkomponenten zu beziehen, und nicht zu einem Industriedienstleister zu gehen?
Garbe: Das Know-how über die Komponenten. Wir liefern auch komplizierte Arbeiten solide und mit guter Qualität ab. Dazu kommt, dass wir mit unserer Technikkompetenz Vorschläge machen, wie das Equipment auf dem neuesten Stand der Technik gehalten werden kann. Dadurch steigt der Sicherheitsstandard oder können Revisionszyklen verlängert werden. Eine Dichtung wechseln, das kann heute fast jeder. Aber die Auswirkungen von alternativen Dichtungen bewerten und die Vorteile darstellen, das kann eigentlich nur der Hersteller selbst.

CT: Wie ergänzen sich Produktgeschäft und Servicegeschäft?
Garbe: Die Synergien sind natürlich da. Im Idealfall fängt der Service mit der ersten Inbetriebnahme der Pumpe an. Bei großen technischen Komponenten ist die Inbetriebnahme sowieso die Eintrittskarte – in Kraftwerksprojekten werden Inbetriebnahme-Services gleich mitgekauft. Bis zur ersten Revision ist dann oft Ruhe. Im Bergwerksbereich geht es oft schon nach zwei bis drei Monaten mit Servicearbeiten und Ersatzteillieferungen los. Wir wollen künftig unsere Servicestrategie darauf ausrichten, dass wir das Servicegeschäft gemeinsam mit dem Projektgeschäft entwickeln und den Betreibern aktiv anbieten.


Zum Service
Einsparpotenziale systematisch analysieren

In der Regel verschiebt sich der Arbeitspunkt von Flüssigkeitspumpen im Laufe des Lebenszyklus einer Anlage: Oft werden Pumpen bereits im Engineering überdimensioniert, außerdem ändern sich Prozessbedingungen, wenn die Anlage an veränderte Marktgegebenheiten oder Fahrweisen angepasst wird. Deshalb ist die Optimierung von Pumpensystemen eine Aufgabe auf Dauer. Um Einsparpotenziale an Pumpen zu identifizieren und umzusetzten, hat KSB das Serviceangebot SES entwickelt. Die drei Buchstaben stehen für „System Effizienz Service-Analyse“. Dabei wird durch Experten des Herstellers die gesamte Pumpenanlage systematisch unter die Lupe genommen und werden Möglichkeiten zur Optimierung aufgezeigt. Ziel ist es, neben einer höheren Energieeffizienz auch längere Standzeiten zu erreichen, und die Technik an veränderte Förderdaten anzupassen. Vor Ort werden dazu mittels Datenlogger gleichzeitig Prozess- und Schwingungsgrößen aufgenommen, um den aktuellen Lastzustand mit der Auslegung abzugleichen. Daraus resultieren Handlungsempfehlungen wie zum Beispiel die Nachrüstung per Retrofit. Diese erstrecken sich über die Hydraulik, über mechanische Komponenten sowie den Einsatz anderer Werkstoffe. Special1503, Top3415

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Heftausgabe: März 2015
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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