„Deutliche Vorteile in Europa“

Interview mit Dr. Klaus-Dieter Juszak, VCI

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12.03.2012 Die Industrieparkbetreiber der deutschen Chemieindustrie blicken auf zwei gute Jahre zurück. Insbesondere in Deutschland bleibt allerdings die Energiefrage akut. Die CT-Redaktion sprach mit Dr. Klaus-Dieter Juszak, Vorsitzender der Fachvereinigung Chemieparks/Chemiestandorte im Verband der Chemischen Industrie, über die strategische Ausrichtung der Industrieparks, über aktuelle Projekte und Anforderungen im Hinblick auf die Energienutzung.

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März 2012

Dr. Klaus-Dieter Juszak, Vorsitzender der Fachvereinigung Chemieparks/Chemiestandorte im Verband der Chemischen Industrie e.V. Bild: Infracor

CT: Welche Themen beschäftigen die Chemieparks derzeit?

Juszak: Zurzeit bewegen die Mitglieder der Fachvereinigung Chemieparks vor allem energiewirtschaftliche Themen und Regelungen, die sich sowohl an die Chemieparkbetreiber mit eigener Energieerzeugung als auch an die Standortgesellschaften als Energieverbraucher richten. Denken sie an den Klimaschutz mit seiner Regelungsdichte oder an den Ausstieg aus der Kernenergie. Es gibt zum Beispiel große Unterschiede in den Positionen des Umweltbundesamtes und der deutschen Energieagentur. Letztere setzt sich dafür ein, dass der Ausbau der Netze und Energiespeicherlösungen das Tempo der Energiewende mitbestimmen sollen.

CT: Spricht das nicht dafür, dass Chemieparks Energieautarkie anstreben?

Juszak: Vielleicht wird die Politik irgendwann dahin kommen, dass sich die energieintensive Industrie selbst versorgen muss – schon allein aus Gründen der Versorgungssicherheit. Wer heute schon energieautark ist, wird gut daran tun, diesen Zustand zu erhalten. Auf jeden Fall müssen sich Großverbraucher mehr und mehr Gedanken darüber machen, wo die von ihnen benötigte Energie herkommen soll. Die Investoren weltweit achten auf diese Aspekte. Ein Großteil der Chemiepark-Betreibergesellschaften arbeitet schon heute an dem Ziel, die Parks in einem hohen Grad energieautark betreiben zu können. Energie und Klimaschutz sind für uns existenzielle Themen. Energiewende und industrielles Tun müssen in Einklang gebracht werden.

CT: Welche Chancen sehen Sie für die Chemie und ihre Standorte in der Energiewende?

Juszak: Die Chemieindustrie sieht Chancen für ihre Produkte, die dabei helfen, den Energieverbrauch in allen Bereichen des Lebens zu senken. Aber die Frage ist, wo diese Produkte hergestellt werden. Langfristig wird ressourcenschonendes Verhalten belohnt werden. Wir müssen es schaffen, die Zeit bis dahin erfolgreich zu nutzen und darauf hinarbeiten, dass der energiewirtschaftliche Umbau industrieverträglich und evolutionär erfolgen wird.

CT: Was können Chemieparks tun, um weiterhin für Investoren attraktiv zu bleiben?

Juszak: Was in den Chemieparks an Produktionsanlagen installiert ist, muss auch zukünftig weiter wettbewerbsfähig betrieben werden können. Wir müssen uns darum kümmern, dass die von den Chemieparkbetreibern angebotenen Leistungen wettbewerbsfähig bleiben und weiter in Effizienzverbesserungsmaßnahmen investieren. Jedoch hat das auch Grenzen. Die deutsche Chemie hat die Weltmarktdynamik bislang durch Innovation und Effizienzmaßnahmen kompensieren können. Schlüssel dafür sind u. a. der Einsatz besserer Technik sowie die Automatisierung. Im Chemiepark Marl produzieren heute im Vergleich zur Mitte der 80er Jahre zwei Drittel der Belegschaft doppelt so viel Chemieprodukte. Diese Produktivitätssteigerung hilft uns, wettbewerbsfähig zu bleiben. Aber das muss man sich hart erarbeiten.

CT: Wo sehen Sie die Stärke der Chemieparks beim Energiethema?

Juszak: Die Stärke der Chemieparks liegt im Energieverbund und in der Kraft-Wärme-Kopplung. So betreiben wir beispielsweise am Standort Marl mehrere Kraftwerke ohne einen einzigen Kühlturm. Das heißt, die Anlagen sind wärmetechnisch vollständig integriert und laufen hoch effizient. Die Chemieindustrie und die Chemieparkbetreiber müssen sich intensiv beim Gesetzgeber dafür einsetzen, dass die steuerlichen Vorteile der Kraft-Wärme-Kopplung erhalten bleiben.

CT: Was wünschen sich die Chemieparks – neben einer industrieverträglichen Energiewende – von der Politik?

Juszak: Die Politik wird sich über unsere Genehmigungsverfahren Gedanken machen müssen. Diese sind inzwischen so anspruchsvoll geworden, dass rechtsichere Genehmigungen, beispielsweise für den Bau von Kraftwerken oder Infrastrukturen, heute ein Problem sind. Mein Eindruck ist, dass das Allgemeinwohl in unserer Gesellschaft immer weiter in den Hintergrund tritt.

Die Fachvereinigung Chemieparks / Chemiestandorte im VCI wird im Juni 2012 auf der Achema in Halle 9.1 ausstellen.

Heftausgabe: März 2012

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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