„Digitalisierung zieht sich durch die ganze Ausstellung“

Interview mit Silvia Fritscher, Projektleiterin der Ifat, und Richard Clemens, VDMA

19.04.2018 Eine Ifat im Achema-Jahr? Was sollte Anwender aus der Chemie dazu bewegen, trotzdem nach München zu fahren? Im Interview erklären Silvia Fritscher, Projektleiterin der Ifat, und Richard Clemens, Geschäftsführer im Fachverband Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate im VDMA, was für den Messebesuch spricht.

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Silvia Fritscher, Exhibition Director IFAT, Messe München

Silvia Fritscher ist bei der Messe München Projektleiterin der Ifat. „Die Ifat hat eine führende Rolle in allen Themen der Wassergewinnnung und will diese weiter ausbauen.“ Bilder: Messe München / VDMA

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Richard Clemens ist Geschäftsführer der Fachverbände Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen sowie Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate im VDMA. „Auf der Ifat ist das komplette Angebot für die Herstellung von Prozesswasser zu sehen. Durch die neue Hallenaufteilung in diesem Jahr wird das noch deutlicher werden.“

Bereits ein Viertel der Ifat-Besucher kommt aus der Industrie. Im Gespräch mit der Redaktion erläutern die Projektleiterin Silvia Fritscher und Richard Clemens vom VDMA, warum Wassertechnologien immer wichtiger werden und welche Schwerpunkte die Messe in diesem Jahr setzen wird.

CT: In diesem Jahr haben Messebesucher aus der Industrie die Qual der Wahl: Auch Anuga Foodtec, Analytica und Achema zeigen Aspekte der Wassertechnik. Zudem wird die Ifat auch mit kommunaler Abwassertechnik identifiziert. Welche Bedeutung hat die Zielgruppe Industrie für die Ifat?
Fritscher: Es stimmt, die Ifat ist vor vielen Jahren als Plattform für Besucher aus dem kommunalen Bereich gestartet. Allerdings entwickelt sich die Ifat in jüngster Zeit auch stark in Richtung Industrie – diese stellt mit 25 % Anteil bereits die zweitstärkste Besuchergruppe. 33 % der Besucher kommen aus kommunalen Betrieben.
Clemens: Die verschiedenen Messen haben unterschiedliche Zielgruppen im Blick. Aber klar ist: Bei der Wasser- und Abwassertechnik spielt die Musik in München.
Für den deutschen Maschinenbau ist es ein enormer Heimvorteil, dass wir diese Leitmessen bei uns haben. In der Industrie wurde die Abwassertechnik lange etwas stiefmütterlich behandelt, weil sie nicht unmittelbar zur Wertschöpfung beiträgt. Doch in Zeiten der Corporate Social Responsibility und sozialer Medien kann sich hier niemand mehr Fehltritte leisten – deshalb wird die Abwassertechnik auch für die Industrie wichtiger.

CT: Welche technischen Trends zeichnen sich in der Ausstellung ab?
Fritscher: Aus der bisherigen Ankündigungen zeichnet sich ab, dass sich die Digitalisierung durch das komplette Ausstellungsportfolio ziehen wird, von der Wasserversorgung bis zur -entsorgung.
Clemens: Ich sehe auch in der Mess- und Regeltechnik sowie in der Analytik spannende Themen. Steuerungstechnik und Analytik werden uns in den kommenden Jahren im Hinblick auf die Digitalisierung beschäftigen. Da ist die Industrie den Kommunen bereits einen Schritt voraus.

CT: Inwiefern kann die Digitalisierung einen Beitrag zur Wasser- und Abwassertechnik leisten?
Clemens: Letztlich geht es darum Prozesse besser zu steuern. Per Online-Analytik ist es möglich, schneller auf veränderte Zulaufbedingungen und Inhaltsstoffe zu reagieren. Häufig sprechen wir von der Ifat als einer „Wasser- und Abwassermesse“ – der Begriff „Wertstoffmesse“ wäre mir lieber. Denn in Zukunft wird es immer mehr darum gehen, Werte aus Abwasser zu schöpfen – die Digitalisierung hat das Potenzial, diese Wertschöpfung zu beschleunigen.
Fritscher: Die Wasserwirtschaft beschäftigt sich heute mit dem Thema Wasser als Ressource – auch mit dem Ziel, Rohstoffkreisläufe zu schließen.

CT: Was bietet die Ifat, was auf den anderen Leitmessen in diesem Jahr nicht zu sehen sein wird?
Fritscher: Alle Messen haben ihre Daseinsberechtigung, weil sie die Themen aus ihrer jeweiligen Perspektive betrachten. Die Ifat hat den Schwerpunkt Wasser und bietet den Besuchern einen Branchenüberblick zu allen Aspekten der Wassertechnologie und für alle Industriezweige. Kernthema ist die Frage, wie man die Produktivität mit der Ressource Wasser steigern kann.

CT: Die Ifat wird oft als Messe für Abwassertechnik gesehen, Themen der Prozesswassererzeugung sind weniger präsent. Wie positioniert sich die Ifat hier?
Clemens: Wir haben in den letzten Jahren sehr viel dafür getan, um das Thema stärker in den Vordergrund zu rücken. Auf der Ifat ist das komplette Angebot für die Herstellung von Prozesswasser zu sehen. Durch die neue Hallenaufteilung in diesem Jahr wird das noch deutlicher werden: Die Ifat präsentiert sich in einem modernen Gewand – das ist keine Entsorgungsmesse mehr, sondern eine Messe für Hightech.
Fritscher: Wir kommen aus der Abwassertechnik, aber mittlerweile beschreiben wir die Themen Wassergewinnung, -versorgung und -aufbereitung gleichermaßen. Die Ifat hat eine führende Rolle in allen Themen der Wasserwirtschaft und wird diese weiter ausbauen.

CT: Welche Zielgruppen stehen im Vordergrund?
Fritscher: Wir wenden uns an alle, die moderne Löungen für nachhaltiges Wirtschaften suchen. In München werden die Besucher industrieübergreifend Beispiele sehen, wie Rohstoffkreisläufe geschlossen werden können. Denn dieser Aspekt wird immer häufiger bereits bei der Herstellung der Produkte betrachtet.
Clemens: Wir wenden uns neben den Facilitymanagern und Abwasser- und Umweltbeauftragten auch an die technischen Leiter und Produktionsleiter. Die Industriebesucher sind uns sehr wichtig, aber auch Besucher aus kommunalen Betrieben wollen wir nicht vernachlässigen.
Fritscher: Dabei rückt die Ifat nicht nur das Thema Wasser in den Fokus. In der Rohstoffwirtschaft sind die Bereiche Abfall und Sekundärrohstoffe ebenso bedeutend.

CT: Digitalisierung findet nicht nur in der Technik, sondern auch in der Informationsnutzung statt. Inwiefern ist eine analoge Messe noch zeitgemäß?
Clemens: Vor 20 Jahren wurde prognostiziert, dass Messen verschwinden und virtuell werden – das Gegenteil ist der Fall. Das Gespräch zwischen Menschen ist nicht ersetzbar. Aber: Die Unternehmen schicken nicht mehr ganze Busladungen an Mitarbeitern auf die Messe. Die Effizienz des Messebesuchs steigt weiter – da hat auch die Digitalisierung ihren Beitrag geleistet.
Fritscher: Die Aufenthaltsdauer spiegelt das wieder: Zeit wird knapper und kostbarer. Deshalb kommen die Besucher gut vorbereitet – bei über 3.100 Ausstellern ist das auch erforderlich. Zur kommenden Messe verdient die Neuverteilung der Ausstellungsbereiche besondere Beachtung: der Wasserbereich belegt die Hallen im westlichen Teil des Messegeländes. Wir unterstützen die Teilnehmer natürlich bei einer effizienten Messevorbereitung: Zum Beispiel mit unserer App und den Online-Angeboten. Aber auch die Aussteller sind heute sehr viel besser vorbereitet, und die Treffen werden intensiver und verbindlicher.
Clemens: Doch bei aller Effizienz im Messebesuch rate ich den Besuchern, sich trotzdem zwei bis drei Stunden Zeit zu nehmen, und über die Messe zu schlendern, um über den Tellerrand zu blicken. Da sieht man viele interessante Themen, die für den eigenen Bereich wichtig sind und werden.

Alle Meldungen zur Ifat 2018 auf www.chemietechnik.de/tag/ifat-2018

Weitere News zur Ifat finden Sie auch in unserem Special industrieWASSER.

Heftausgabe: Mai/2018
Die Fragen stellte  Armin Scheuermann, Chefredakteur von  CHEMIE TECHNIK

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